21:50 30 März 2020
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    EgyptAir-Absturz (39)
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    Eine ägyptische Kleinstadt, wo jeder jeden kennt und die Türen bei Verlassen des Hauses nicht verschlossen werden, hat tiefe Risse bekommen, als es die schreckliche Botschaft erreichte: Das Flugzeug von Paris nach Kairo mit sieben Einwohnern ist verschwunden. Vor Ort berichtet eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur RIA Novosti.

    Die Kleinstadt liegt in der zentralägyptischen Provinz Tiris al-Gharbiyya und wird auch „Ägyptisches Paris” genannt. Alles ist hier in Pariser Charme gehüllt: saubere gepflegte Straßen, gemütliche europäische Häuschen, geschmiedete Gitter und viel Grün. Die Einwohner sind laut dem Nachrichtenportal „Joum7“ sehr eng mit Frankreich verbunden: über 75% der Jugend arbeite ständig in dem Land, viele seien mit französischen Partnern verheiratet. Und sogar der Bürgermeister soll gut mit seinem französischen Kollegen befreundet sein und Paris zum Erfahrungsaustausch regelmäßig besuchen.

    Jeder der sieben verschwunden Passagiere hat seine eigene Geschichte. Einer flog auf seine eigene Hochzeit, ein zweiter wollte den kommenden Ramadan im Kreise der Familie verbringen. Die schon in die Jahre gekommenen Eltern eines Fluggastes sehen sich immer wieder alle Bilder an und hoffen, ihre vierjährige Enkelin wiederzusehen. Die Kleine hätte zusammen mit ihren Eltern mit Flugnummer MS804 für die Sommerferien zu den ägyptischen Verwandten kommen sollen.

    „Wir haben so auf unseren Sohn gewartet… Er arbeitet in Frankreich, aber seinen Jahresurlaub verbringt er mit seiner Familie bei uns. Wir haben ihn nach der Ankunft direkt abholen wollen, aber dann plötzlich haben wir aus den Nachrichten erfahren, dass der Flieger verschwunden ist“, erzählte der Vater eines weiteren Fahrgastes gegenüber einer ägyptischen Zeitung.

    Die meisten Verwandten der Passagiere des Airbus320 sind noch immer sprachlos. Sie hoffen noch immer, ihre Familienangehörigen doch noch lebend wiedersehen zu dürfen. Oder sie doch wenigsten nach allen Regeln ihres Glaubens begraben zu können.

    Viele Frauen tragen schon Trauerkleid, die Männer bauen nach lokalen Sitten spezielle Trauerzelte, wo den Familien im Laufe mehrerer Tage das Beileid ausgedrückt werden kann. Und doch will niemand hier so richtig an das Schrecklichste glauben. Bislang. Solange noch gesucht wird.

    Der Airbus A320 mit Flugnummer MS804 war am späten Mittwochabend von Paris nach Kairo gestartet und laut EgyptAir gegen 2.45 Uhr (MESZ) auf einer Höhe von etwa 11.000 Metern vom Radar verschwunden. 66 Insassen waren an Bord des Flugzeuges.

    An der Such- und Bergungsoperation sind die Luftstreitkräfte und die Kriegsmarine Ägyptens, Griechenlands, Frankreichs und der USA beteiligt. Auch Großbritannien und Italien bieten ihre Hilfe an. Die Suche wird dadurch erschwert, dass am möglichen Absturzort das Mittelmeer sehr tief ist und der Luftraum über dem besagten Gebiet durch zahlreiche Passagiermaschinen immer stark belastet ist.

    Zuvor hatten griechische Militärs mehrmals einen Fund von Trümmerteilen an dem vermutlichen Absturzort der EgyptAir-Maschine gemeldet. Später waren diese Meldungen dementiert worden. Jüngst will das ägyptische Militär erste Wrackteile gesichtet haben.

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    Tags:
    Flugzeug, Flugzeugabsturz, Airbus A320, Absturz, EgyptAir, Kairo, Mittelmeer, Ägypten, Paris, Griechenland, USA, Frankreich