06:30 06 Dezember 2019
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    Flüchtlingsboot im Mittelmeer

    Neues Mittelmeer-Unglück: „Türkei-Deal zwingt Migranten auf Todesroute"

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    Nach der jüngsten Tragödie im Mittelmeer fordert Sea Watch endlich eine politische Lösung für die Flüchtlinge. Nach der Einschätzung der privaten Flüchtlingshilfsorganisation zwingt gerade der EU-Türkei-Deal die Menschen auf tödliche Routen: Angesichts der beginnenden Schönwetterphase sei mit noch schlimmeren Katastrophen zu rechnen.

    Die Sperrung der verhältnismäßig sicheren Passage über die Ägäis und den Balkan habe jetzt dazu geführt, dass die Menschen auf noch gefährlichere Routen auswichen und dass es zu tragischen Ereignissen wie heute komme, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer in einem Gespräch mit Sputnik.

    Nach Angaben seiner Organisation befinden sich jetzt mindestens 16 Boote mit Hunderten Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak auf dem Mittelmeer vor der libyschen Küste. Drei von ihnen sind gekentert.

    Diese Tragödie könnte aber erst der traurige Auftakt sein. Angesichts der beginnenden Schönwetterphase, wo es wenig Wellen gibt, werden im Juni noch mehr Boote starten. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass es wieder zu Katastrophen kommen wird, wenn nicht endlich gehandelt wird und wenn nicht endlich eine politische Lösung gefunden wird“, sagte Neugebauer. „Wir fordern, dass endlich sichere Einreisewege für diese Menschen geschaffen werden. So kann das nicht weiter gehen“, sagte der Sprecher.

    Nach seinen Worten hält der Türkei-Deal, der die sicherere Route dicht gemacht hat, die Migranten überhaupt nicht von der Flucht nach Europa ab. „Das zeigt eben, dass man mit Abschottungsmaßnahmen überhaupt nichts erreicht, dass man die Leute nicht davon abhält zu kommen, weil die natürlich einen Grund dafür haben, dass sie kommen, sondern dass man sie lediglich auf noch gefährlichere und noch tödlichere Routen zwingt.“

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    Flüchtingskrise, Europäische Union, Mittelmeer, Türkei