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22:51 17 August 2019
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    Situation in Donbass

    Mit deutschem Geiger im Donbass: Doku-Premiere am 2. Juni in Berlin

    © REUTERS / Marko Djurica
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    Eingefrorener Donbass-Konflikt (2016) (143)
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    Ein Gruppenbild einfacher Menschen zu beiden Seiten des Konflikts im ukrainischen Donbass zeigt der Film „Die Partitur des Krieges – Leben zwischen den Fronten“ von Regisseur Tom Franke. Die Doku über Folgen des politischen und militärischen Kampfes um die Ost-Ukraine hat am 2. Juni Premiere im traditionsreichen Kino Babylon in Berlin-Mitte.

    „Wir haben die Menschen privat kennengelernt“, sagte er letzte Woche bei der Vorstellung  des Films in Moskau, „und haben festgestellt, dass die Menschen auf der ukrainischen Seite zurückhaltend sind, was politische Statements und Analysen betrifft. Auf der anderen, der Donezker Seite waren sie offener und konnten ihre Positionen unverhohlener beziehen.“

    Die Autoren des Films – Tom Franke, Mark Chaet und Armin Siebert —wollten die Ambivalenz dieses Konfliktes herausarbeiten. Der Film begleitet den Berliner Geiger und Komponisten Mark Chaet im April 2015 in seine ostukrainische Heimat und zeigt zwei Industriestädte im Konfliktgebiet, in denen scheinbar Waffenruhe herrscht, die aber immer wieder gebrochen wird: Kramatorsk auf der ukrainischen Seite, wo Mark Chaet geboren wurde, und Donezk auf der anderen Seite, wo er am Konservatorium das Fach Geige studierte.

    Nach 20 Jahren kommt er in seine Heimat zurück und erlebt auf beiden Seiten unlösbare Widersprüche. Im Gespräch mit Freunden und Kollegen versucht er zu verstehen, was mit diesen Menschen los ist. Sie sind die gleichen geblieben und doch sind sie anders geworden. Die Filmemacher untersuchen psychologische und politische Hintergründe des Lebens im Krieg.

    Danach gefragt, ob die Filmautoren mit ihrem Streifen Probleme in Deutschland bekommen könnten, doch wo die Mainstream-Medien den Konflikt in der Ost-Ukraine größtenteils recht tendenziös schildern, antwortete Tom Franke:

    „Wir haben den Eindruck, dass viele Menschen in Deutschland über den Konflikt überhaupt nicht Bescheid wissen. Sie wissen gar nicht, was es für einen Menschen bedeutet, in so einem Konfliktgebiet zu leben. Es wird bestimmt ein kontroverses Echo geben. Ich glaube aber nicht, dass wir gehetzt werden, weil es mittlerweile auch in Deutschland sehr viele Menschen gibt, die dieses Thema ambivalent sehen. Wir hoffen, dass unser Film einen Dialog entfachen kann. Da würden wir sehr froh darüber.“

    Tom Franke
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Tom Franke

    Tom Franke hoffe auch, dass es ihm gelungen ist, den schmalen Grad zu halten und nicht in die eine oder die andere Richtung polemisch zu werden. Das Team habe daran gedacht, was man mit diesem Film leisten könne. „Im Grunde können wir die Welt nicht verändern“, so der Filmregisseur. „Wir können nur anstoßen, Impulse geben. Wenn wir aber es nicht ernst gemeint hätten, würden wir nicht nach Donezk gefahren. Es ist ja sehr gefährlich. Wir sind aber hingefahren.“

    „Und wenn jemand in Deutschland jetzt eine manifeste politische Meinung hat, haben wir immer das Argument zu sagen: Wir haben das alles mit unseren eigenen Augen gesehen. Wir rennen nicht einer Propaganda hinterher, sowohl der einen Seite, als auch der anderen.“

    Der Krieg verändere die Menschen, ist sich Mark Chaet sicher. „Die Menschen, die ihre Freunde verlieren, müssen damit leben. Und das ist sehr hart. Die Menschen versuchen aber trotzdem, weiter zu leben und einen Weg zu finden, damit klar zu kommen. Obwohl jeder sich genötigt fühlt, nur eine Seite im Konflikt anzunehmen, nur für eine Seite zu entscheiden und die eigene Wahrheit zu verteidigen. Das ist wohl das Gesetz des Krieges.“

    Mark Chaet
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Mark Chaet

    Mark Chaet kann es psychologisch nicht erklären, weil er es nicht versteht, wie die Menschen, die gerade noch sehr gut miteinander umgegangen sind, am nächsten Tag einander hassen. „Wir haben sehr viele Geschichten gehört, wo ganze Familien auseinander gehen, weil einer der Ukraine Recht gibt und der andere sagt:,Nein, ich fühle mich als ein Russe‘. Und sie kommen nicht zueinander.  Und das oft innerhalb einer Familie.“

    Die offizielle Erstaufführung des Filmes von „Die Partitur des Krieges – Leben zwischen den Fronten“ findet am 2. Juni um 20 Uhr im Kino Babylon in Berlin-Mitte statt. RBB strahlt dann den Streifen am 12. Juli aus.

    Nikolaj Jolkin

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    Eingefrorener Donbass-Konflikt (2016) (143)
    Tags:
    Mark Chaet, Tom Franke, Armin Siebert, Donbass, Deutschland, Ukraine