13:13 22 August 2017
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    „Blind Date“ in der Baikal-Universitätsbibliothek in Irkutsk

    „Blind Date“ mit Kafka: Baikal-Uni verpackt Klassiker mit Humor

    © Foto: Tatjana Larionowa
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    Tricks mit dem Kamm statt Push-Up-Shampoos, wie man sich verliebt und traurig wird oder wie man um jeden Preis ins Gericht will – auch die deutschsprachigen Klassiker haben am „Blind Date“ in der Baikal-Universitätsbibliothek in Irkutsk teilgenommen.

    Tatjana Larionowa, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Wissenschaftlichen Bibliothek der Staatlichen Baikal-Universität, hat die Aktion vor einem Jahr schon ins Leben gerufen. Auch diesmal sei die Idee gut angekommen, sagte sie gegenüber Sputnik: „Es war schwer, die Annotationen für die Bücher zum zweiten Mal zu erfinden. Gemeinsam mit meiner Kollegin haben wir jedoch es geschafft, und der Humor hat auch diesmal nicht versagt. Studenten haben sich über die Aktion erneut sehr gefreut und standen schon seit morgen früh Schlage vor der Bibliothek.“

    „Blind Date“ in der Baikal-Universitätsbibliothek in Irkutsk
    © Foto: Tatjana Larionowa
    „Blind Date“ in der Baikal-Universitätsbibliothek in Irkutsk

    Kollegin Jelena Imenachojewa, Leiterin der Abteilung der schöngeistigen Literatur, ist von der Wirkung der Aktion ebenfalls begeistert: „Zu einem klassischen Buch greifen die Studenten normalerweise erst, wenn sie es zu einem konkreten Zweck brauchen. Und nun wurden sie plötzlich wieder neugierig auf die Klassiker, indem sie die Annotationen entschlüsselten, darin beispielsweise Gogol oder Puschkin entdeckten und dann das Buch sofort lesen wollten. Viele konnten auch neue Bücher für sich entdecken, denn ein Buch in einem herkömmlichen Umschlag ist in der Bibliothek sehr leicht zu übersehen, und beim Blind Date fällt es sofort auf.“

    Auch vier deutschsprachige Bücher nahmen am Blind Date an der Baikal-Universität teil. Die Mitarbeiterin verriet für Sputnik deren „blinde“ Annotationen: „Wir haben auch vier deutschsprachige Werke präsentiert: Elfriede Jelineks „Klavierspielerin“ – Wie das Hotel Mama, strikte Disziplin und Musizieren zu schweren psychischen Störungen führen können; E. T. A. Hoffmanns „Klein Zaches, genannt Zinnober“ – Ein Buch darüber, wie ein cleveres Umgehen mit dem Kamm besser Wunder wirken kann, als jegliche Push-Up-Shampoos; auch Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ – Wie ein kluger Junge in Lust und Freude gelebt hatte, dann sich verliebte und für den Rest des Lebens traurig wurde; und Franz Kafkas „Prozess“ – Eine Geschichte darüber, wie der Protagonist um jeden Preis einem Gerichtsverfahren beiwohnen wollte.“

    „Blind Date“  in der Baikal-Universitätsbibliothek in Irkutsk
    © Foto: Tatjana Larionowa
    „Blind Date“ in der Baikal-Universitätsbibliothek in Irkutsk

    Unter den Werken der Weltliteratur stellte die Bibliothek solche vor wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez (Das Buch ist ein Beispiel dafür, wie der Autor keine Lust hat, Namen für seine Protagonisten zu erfinden, und noch hat dort ein Mädchen Erde gegessen), Nikolaj Gogols „Wij“ (Wie ein ambitionierter Absolvent scheiterte, Exorzist zu werden) und viele andere.

    „Ein Blind Date mit den Büchern ist bei uns sehr beliebt. Wir lassen uns natürlich für das nächste Jahr etwas Neues einfallen. Für uns Bibliothekare ist es das Wichtigste, das Interesse am Lesen zu wecken“, so Imenachojewa. Die Aktion verlief am 27. Mai, dem Tag der Bibliotheken in Russland, unter dem Motto „Ein Buch ist nicht anhand des Umschlages zu beurteilen“. StudentInnen der Staatlichen Baikal-Universität ließen sich von 50 scherzhaft annotierten Büchern der russischen und Weltliteratur überraschen.

    Tags:
    Blind Date, Tatjana Larionowa, Irkutsk
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