02:34 20 August 2017
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    "Game of Thrones" und Airbnb überschwemmen Island mit Touristen

    © Foto: Mariya Karasowa
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    Die isländischen Behörden wollen Einschränkungen für Immobilienbesitzer einführen, die ihre Wohnungen über den elektronischen Marktplatz Airbnb und ähnliche Webseiten kurzfristig vermieten. In dieser Woche soll ein Gesetzentwurf gebilligt werden, der die Dauer der Vermietung auf 90 Tage pro Jahr beschränkt, berichtet „The Guardian“.

    Wird dieser Zeitraum überschritten, wird die Vermietung als Gewerbe eingestuft und entsprechend besteuert.

    So versuchen die Behörden, den Anstieg der Urlauber im Lande zu stoppen. Die Tourismusbranche hatte die auf die Fischerei gestützte isländische Wirtschaft vor den Folgen der Finanzkrise 2008 gerettet, heutzutage aber droht sie zu einer Plage Islands zu werden.

    Zurzeit entfallen auf den Tourismus 34 Prozent der Exporteinkünfte Islands. 2010 waren es nur 18 Prozent. Im laufenden Jahr sollen 1,6 Million Touristen das Inselland im Nordatlantik besuchen — damit ist die Besucherzahl um 29 Prozent höher als im Vorjahr. Ein wesentlicher Teil davon sind Fans der Fantasy-TV-Serie „Game of Thrones", die die Drehorte der beliebten Saga besichtigen wollen. Dabei wohnen in ganz Island lediglich 335.000 Menschen.

    Erstens kann der Hotelbau nicht Schritt halten: Die Zahl der Hotelzimmer macht kaum ein Drittel der erforderlichen Menge aus. Deshalb war dieses Jahr eine 124-prozentige Zunahme der zu mietenden Wohnungen etwa bei Airbnb zu verzeichnen, was die Wohnungspreise im Stadtzentrum von Reykjavík in die Höhe getrieben und einen Mangel an langfristigen Vermietungen ausgelöst hat.

    Zweitens sehen die Behörden und wenigstens ein Teil der Bevölkerung die Aufrechterhaltung der unberührten isländischen Landschaften als gefährdet an. Der abrupte Anstieg der Zahl von Touristenläden und thematischen Wiking-Attraktionen wirkt ebenfalls besorgniserregend. Man möchte nicht, dass die Stadtzentren sich leeren und ausschließlich von Touristen bewohnt werden.

    Zudem verursacht die ungeeignete Infrastruktur zuweilen Spannungen zwischen Touristen und Ortsbewohnern — besonders trifft das auf den Mangel an öffentlichen Toiletten und Parkplätzen in der Nähe von beliebten Sehenswürdigkeiten zu.

    Im April beschloss das Oberste Gericht Islands, dass die Bewohner von Mehrfamilienhäusern, die ihre Wohnungen bei Airbnb vermieten wollen, zuerst die Genehmigung ihrer Nachbarn erhalten sollen. Bis jetzt haben zwei Gemeinden Maßnahmen zur Beschränkung der Anzahl von kurzfristigen Vermietungen eingeführt. Das Gesetz, das in dieser Woche verabschiedet werden soll und die Frist der steuerfreien Vermietung auf 90 Tage pro Jahr beschränkt, würde für das ganze Land gelten.

    Tags:
    Touristen, Airbnb, The Guardian, Reykjavik, Island