04:28 25 November 2020
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    Kiew „kämpft wirklich“ gegen Journalisten, und zwar egal welche Position diese vertreten, wie die New York Times berichtet. Die Ukraine übe heftigen Druck auf Medien aus. Ian Bateson, Autor des NYT-Textes, gehört bereits zur Liste der „Feinde des ukrainischen Staates“ des Portals „Mirotworez“.

    Als Bateson jüngst in den Donbass reisen wollte, um einen Bericht über den Sturz der MH17 vorzubereiten, musste er eine Akkreditierung bei der Volksrepublik Donezk beantragen, um sich frei auf dem Territorium bewegen zu können. Anschließend hat Kiew ihm später „Kollaboration mit dem Terrorismus“ vorgeworfen.

    Am 7. Mai hat die ukrainische Seite „Mirotworez“ den ersten Teil der Personalien einer Liste derjenigen Journalisten veröffentlicht, die eine Akkreditierung im Donbass erhielten. Darin sei auch der Name von Bateson erschienen.

    „Mein Name, meine Email-Adresse und Telefonnummer waren unter mehr als 4.000 anderen Journalisten, darunter auch Freelancer und Korrespondenten solcher Medien wie The New York Times, Reuters, BBC und anderer. Wir alle wurden als Terror-Kollaborateure bezeichnet“, so Bateson.

    Auf diese Weise solle das Volk dazu ermutigt werden, so der Journalist, „selbstständig gegen die Journalisten vorzugehen“. Dabei erwähnt er, dass der Chefberater des Innenministeriums in Kiew, Anton Geraschenko, die Publikationen der Listen auf „Mirotworez“ lobte und die Medien dazu aufrief, der Ukraine bei ihrem „Informationskrieg“ gegen Russland zu helfen.

    Die OSZE und andere internationale Organisationen hatten die Veröffentlichung der persönlichen Daten der Journalisten verurteilt und für einige Zeit war auch die Seite gesperrt worden. Innenminister Arsen Awakow allerdings habe die Seite „Mirotworez“ unterstützt und „ihre Kritiker der Unterstützung des Separatismus beschuldigt“, so Bateson.

    Anschließend habe die Seite wieder ihre Arbeit aufgenommen und gleich eine weitere „Portion Personalien“ veröffentlicht. Die Redakteure von „Mirotworez“ hätten außerdem mitgeteilt, dass sie sich „das Geheule über Redefreiheit“ nicht gefallen ließen. Seinerseits hätte Geraschenko die Journalisten aus der Liste als „potentielle Spione“ bezeichnet, schreibt Bateson.

    „Die Seite und ihre Anhänger in der Regierung sind überzeugt, dass Journalisten in zwei Kategorien unterteilt werden können: diejenigen, die die Regierung unterstützen, und diejenigen, die gegen sie sind. Dabei wird davon ausgegangen, dass Journalisten, die die Regierung kritisieren, schweigen müssen“, schreibt Bateson.

    Solch ein Druck auf Medien sei ein sehr gefährlicher Präzedenzfall für jede Gesellschaft, aber besonders für die Ukraine, wo Kritik seitens der Journalisten sehr notwendig ist. In diesem Zusammenhang betont er, dass die Reformen im Land nur langsam vorangingen und die Vetternwirtschaft wieder die Oberhand zurückgewinne.

    Die Ukraine befindet sich gegenwärtig faktisch am Rande der Staatspleite. Die Arbeitslosigkeit steigt, der Wert der nationalen Währung ist auf ein Drittel abgestürzt. Laut jüngsten Umfrageergebnissen sind etwa 70 Prozent der ukrainischen Bürger mit der Lage im Staat unzufrieden.

     

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    Tags:
    Redefreiheit, Journalisten, Medien, New York Times, Donbass, Donezk, Ukraine