16:23 27 Oktober 2020
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    Eine Bürgerwehr hat einen irakischen Asylbewerber aus einem Netto-Markt im sächsischen Arnsdorf gezerrt und an einen Baum gefesselt, berichtet das Magazin „Der Spiegel“ in seiner Online-Ausgabe.

    Der Vorfall ereignete sich am 21. Mai in Arnsdorf, das 15 Kilometer von Dresden entfernt ist. Mindestens drei Personen stürmten in den Supermarkt und gingen auf einen Asylbewerber los.

    Im Video ist zu sehen, wie der irakische Mann mit einer Flasche in der Hand im Kassenbereich steht und mehrere Verkäufer mit ihm sprechen. Eine Frau bittet ihn mehrmals, die Flasche hinzustellen und zu gehen, aber der Mann rührt sich nicht. Plötzlich tauchen drei schwarz gekleidete Männer auf und gehen auf den 21-jährigen Iraker los. Sie nehmen dem jungen Mann die Flasche ab, packen ihn und zerren ihn aus dem Laden. Angestellte und Kunden beobachten den Angriff, ohne sich einzumischen.

    Am Ende des Videos ist eine Frauenstimme zu hören: „Ist schon schade, dass man eine Bürgerwehr braucht.“

    Die Männer schlugen den Asylbewerber und fesselten ihn später mit Kabeln an einen Baum auf dem Parkplatz des Supermarktes. Als die Polizei kam, berichteten die dafür verantwortlichen Männer, dass sie den Iraker zur Abwehr einer angeblichen Gefährdungssituation festhalten und an der Flucht hindern wollten. Die Beamten forderten die Personengruppe auf, den Platz zu verlassen, ohne deren Personalien aufgenommen zu haben.

    Laut Polizeiangaben ist der Iraker nicht nur Asylsuchender, sondern auch Patient einer psychiatrischen Klinik. Am 20. Mai hatte er in dem Netto-Laden eine Handykarte gekauft, die er nicht aktivieren konnte. Der Mann besuchte mehrmals das Geschäft, um sein Problem zu lösen, aber er konnte sich mit den Mitarbeitern nicht verständigen. Bei dem dritten Besuch des Irakers am frühen Abend gegen 18 Uhr eskalierte die Situation, nachdem eine Verkäuferin festgestellt hatte, dass das Guthaben der Karte bereits aufgebraucht war. Die Polizei berichtete, dass der Mann wütend geworden sei und die Mitarbeiter mit der Flasche bedroht habe.

    Bei einem der Angreifer handele es sich um CDU-Ratsmitglied Detlef Oelsner, schreibt das Magazin „Der Spiegel“ in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf die „Sächsische Zeitung“.

    Gegen den Asylbewerber werde wegen des Verdachts der Bedrohung ermittelt, gegen die Männer wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung, so die von der Online-Ausgabe „Der Spiegel“ veröffentlichten Polizeiangaben.

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    Tags:
    Asylbewerber, Angriff, Bürgerwehr, Handy, Gewalt, CDU, Netto, Irak, Dresden, Deutschland