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10:20 22 September 2019
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    Cockpit der in der Ukraine abgestürzten Passagiermaschine MH17

    MH17-Absturz: Ermittler räumen Unzulänglichkeiten ein

    © AFP 2019 / Emmanuel Dunand
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    Die internationale Ermittlungsgruppe, die sich mit den Umständen des Absturzes der Boeing 777 der Malaysia Airlines im Sommer 2014 in der Ukraine befasst, hat in einem Bericht Schwierigkeiten eingeräumt, die aus den mangelnden Erfahrungen ihrer Mitglieder bei der Untersuchung dermaßen großer Katastrophen resultieren.

    Am 17. Juli 2014 befanden sich 298 Menschen an Bord der Boeing 777 auf dem Flug MH17 von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Alle kamen beim Absturz im ukrainischen Gebiet Donezk ums Leben. Kiew beschuldigte die Donezker Volkswehr, für die Tragödie verantwortlich zu sein. Diese beteuerte jedoch, über keine Waffen zu verfügen, die ein Flugzeug in einer solchen Höhe abschießen könnten.

    Die Ermittlungen laufen inzwischen seit fast zwei Jahren. Dafür ist eine zusammengesetzte Untersuchungsgruppe aus Vertretern von zwölf Ländern zuständig: der Niederlande, Malaysias, Australiens, der Ukraine, Belgiens, Großbritanniens, Deutschlands, der Philippinen, Kanadas, Neuseelands, Indonesiens und der USA. Daran sind Experten für Metalle und Farben, für Waffensysteme, für Sprengstoffe und für Ballistik beteiligt. 

    Mehr zum Thema: Moskau: Buk-Rakete explodiert mit Verzögerung – Schlüsse im MH17-Bericht falsch

    „Da keine dieser Gruppe Erfahrungen bei dermaßen komplizierten Ermittlungen in einem dermaßen großen Umfang hat, können sich die Experten bei den Untersuchungen nur auf sich selbst verlassen“, geht aus dem Bericht hervor, der auf der Website der niederländischen Staatsanwaltschaft veröffentlicht wurde. „Das bedeutet, dass sie innovativ vorgehen müssen, indem sie sich auf ihre beruflichen Kontakte und Erfahrungen stützen. Sie müssen lernen, Probleme schon im Zuge der Ermittlungen zu lösen.“

    Dabei schließen die Ermittler nicht aus, dass die Maschine durch den zufälligen Start einer Buk-Rakete abgeschossen worden sein könnte. „Eine wichtige Frage ist bei der Untersuchung die Möglichkeit eines zufälligen Raketenstarts. Könnte jemand zufällig den Knopf gedrückt und dadurch die Rakete abgefeuert haben? Oder kann man das nur absichtlich tun? Und wie präzise wählt das Waffensystem das Ziel aus? Aus diesem Grund müssen die Ermittler möglichst genau erfahren, wie das Waffensystem funktioniert bzw. wie es sich lenken lässt“, heißt es in dem Bericht. Gleichzeitig wurde betont, dass Anweisungen für den Umgang mit Buk-Raketen nicht so einfach in offenen Quellen gefunden werden können und dass viele technische Details vertraulich seien.

    Darüber hinaus räumen die Ermittler ein, „einen gewissen Teil der Informationen“ aus offenen Quellen, darunter im Internet, genommen zu haben. „Aber selbst dann versteht man nicht ganz, was dies oder das bedeutet, denn es handelt sich um einen sehr spezifischen Bereich“, wurde in dem Bericht eine Ermittlerin zitiert. Ziemlich viel Zeit habe die Übersetzung von spezialisierten Fachartikeln in Anspruch genommen. „Die Übersetzer mussten zunächst die Fachsprache kennen lernen, um diese oder jene Abkürzungen zu verstehen und dann alles Schritt für Schritt zu entschlüsseln.“ 

    Die Ermittler sprachen auch über die eingesammelten Flugzeugteile. „Nach Holland wurden etwa 30 bis 35 Prozent der abgestürzten Maschine gebracht. Manchmal waren das Fragmente von einem Kubikzentimeter, und manche Teile wogen sechs Tonnen“, heißt es im Bericht. 

    Zudem räumten die Ermittler ein, dass die sterblichen Überreste von zwei Opfern der MH17-Katastrophe immer noch nicht identifiziert worden seien.

    Die Ermittler arbeiten in einem „Feldbüro“ in Kiew. In ihrem Bericht beklagten sie sich außerdem über widrige Arbeitsbedingungen. „Im Kiewer Büro arbeiten Ermittler aus Australien und den Niederlanden in einem kleinen Raum. Diese Arbeitsbedingungen sind alles andere als ideal, aber das kleine Büro hat einen großen Vorteil: Die Ermittler können sich nicht belügen“, so der Bericht.

    Der niederländische Sicherheitsrat hatte am 13. Oktober 2015 die Ergebnisse der Untersuchung des MH17-Absturzes präsentiert. Aus dem damaligen Bericht ging hervor, dass die Maschine durch die Explosion eines Sprengkopfs 9N314M auf der linken Seite des Flugzeugrumpfes zerstört worden sei. Dieser Sprengkopf sei auf Raketen der Serie 9M38 montiert, die aus Buk-Systemen abgefeuert werden.

    Zuvor hatte der Vizeleiter der russischen Föderalen Luftfahrtagentur, Oleg Stortschewoi, die in dem Bericht angeführte Beweislage infrage gestellt. Russische Experten führten Experimente durch, so dass Fakten festgestellt werden konnten, die die Argumente der niederländischen Seite widerlegten. Diese Angaben schickte Stortschewoi in einem Brief an den Leiter des niederländischen Sicherheitsrats, Tjibbe Joustra.

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    MH17, Oleg Stortschewoi, Ukraine