20:28 12 Dezember 2019
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    Gegen die Verschmutzung der Meere: Abfallmanagement mit Schiffen

    © AFP 2019 / Noel Celis
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    Früher hat Dirk Lindenau Doppelhüllentanker hergestellt, heute will er die Meere vom Müll befreien. Zur Prävention der Verschmutzung hat er selbst ein System entwickelt und an der Problemlösung wirkt er mit. Wie die beiden Projekte aussehen, hat er dem Sputniknews-Korrespondenten Valentin Raskatov im Interview erzählt.

    Projekt 1: Schiffe als präventive Maßnahme

    Da er früher selbst viele Schiffe an diverse Länder geliefert hatte, wusste Lindenau genau, „dass zum Beispiel in Inselstaaten Trinkwasser sehr bedürftig ist, gute Energieversorgung, aber auch Abwasseraufbereitung und vor allen Dingen viel Abfall anfällt. Und daraus ist die Idee geboren worden, ein schiffsbasiertes Abfallmanagementsystem zu entwickeln“. Dieses will er Inseln und wassernahen Großstädten anbieten.

    Wie kommt Plastik ins Meer?
    © Foto : Jambeck, 2015
    Wie kommt Plastik ins Meer?
    Wie kommt Plastik ins Meer?
    © Foto : NOAA
    Wie kommt Plastik ins Meer?

    Am Beispiel der Kapverdischen Inseln verdeutlicht Lindenau das Problem: Einerseits habe sich der Tourismus kontinuierlich weiterentwickelt, andererseits stelle eine moderne Abfallwirtschaft für die Inselrepublik weiterhin eine große Herausforderung dar. Der Vorteil liege darin, dass die Kapverdischen Inseln bereits sehr viel Geld in eine moderne Hafen-Infrastruktur investiert haben, sodass dort Lindenaus Schiffe das Abfallproblem folgendermaßen angehen könnten: „Man muss sich das so vorstellen, dass wir dann in dem Hafen, der am größten ist und in der Insel, die auch am größten ist, zwei Schiffe permanent im Hafen liegen haben und ein drittes Schiff fährt fortlaufend zu all den Inseln in einem wöchentlichen Rhythmus und sammelt den Abfall in Containern ein. Diese Container werden dann an Bord unseres Sortierschiffes entladen und werden dort in zwei Hauptströme geteilt: und zwar einmal in organischen Abfall und einmal Papier und Karton.“ Der organische Abfall wird fermentiert, also zu Biogas und Presskuchen umgewandelt, aus dem Biogas dann Strom und Prozesswärme gewonnen und aus dem Presskuchen Kompost hergestellt. Mithilfe der Prozesswärme soll weiter Trinkwasser erzeugt werden können. In dem zweiten Nachbarschiff wiederum werden Plastik und Papier ebenfalls als Grundlage für Strom verwertet. Der generierte Strom und das gewonnene Trinkwasser können beide dann direkt an die Inseln verkauft werden, denen es an diesen Ressourcen mangelt.

    Lindenau WRS-System - Kap Verde - DBU Erstes Projekt
    © Foto : Lindenau Maritime Engineering & Projecting
    Lindenau WRS-System - Kap Verde - DBU Erstes Projekt

    Dieses Projekt bringt auch neue Arbeitsplätze, denn die Integration der Bevölkerung ist Teil des Projekts: „Wir werden ein Ausbildungskonzept hier in Deutschland anbieten, wo Kapverdianer in ein Abfallmanagement integriert werden, damit man sie zertifiziert und damit das dann qualifizierte Arbeitsplätze dort vor Ort werden."

    Das Projekt befindet sich derzeit in der Projektstudie, so Lindenau, auf die die Realisierungsphase folgen soll. Er legt Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit der Regierung und den Kommunen und hat bereits für eine Abteilung auf den Kapverden gesorgt, die sich vor Ort mit dem Thema befasst. Die Botschafterin der Kapverdischen Inseln hat in dem Zusammenhang schon die Landesregierung in Schleswig-Holstein aufgesucht und bestätigt, dass dieses Thema von hoher Priorität sei.

    Projekt 2: Mit Netzen gegen eine fortschreitende Verschmutzung vorgehen

    Während die Abfallwirtschaft eine präventive Maßnahme gegen die Verschmutzung der Meere darstellt, geht es in dem zweiten Projekt um die Beseitigung des bereits entstandenen Mülls, der sonst ins Wasser gelangt. Entstanden sei das Projekt 2012, als Lindenau den Initiator des späteren ZIM Projektes, Günther Bonin vom Verein „One Earth One Ocean“ kennenlernte. Dieser war als Segler bei der Überführung eines Traditionsseglers in Müllteppiche gefahren und wollte eine technische Lösung für das Problem entwickeln. Lindenau, der als Koordinator des Projekts mitwirkt, erklärt diese Lösung mit folgenden Worten: "Grundlage dieses Gesamtsystems ist die Überlegung: Wenn man schon mit Netzen die Meere leerfischen kann, dann müsste man auch mit Netzen die Oberfläche, da wo Plastik in die Meere gelangt, also an großen Flüssen, in der Nähe von Städten und ähnlichem mit Netzen auch Plastik wieder auffischen.“

    MDE System Poster - Zweites Projekt
    © Foto : Lindenau Maritime Engineering & Projecting
    MDE System Poster - Zweites Projekt

    Danach werde der Müll zum „Mutterschiff“, dem Aufbereitungs- und Prozessschiff, gebracht und dort zerkleinert.

    Phase 2 von Projekt 2: Ein festes Schiff im Hafen

    Zu diesem Mutterschiff wird in der nächsten Projektphase ein weiteres Schiff entwickelt werden, welches der Optimierung der Wertschöpfungskette dient. Dieses soll dann fest in einem Hafen liegen und Plastik zu Strom umwandeln sowie zur Trinkwassergewinnung nutzen können – die wiederum verkauft werden können. Auch die am meisten Betroffenen könnten sich am Projekt beteiligen, denn, so Lindenau: „Wir haben uns auch überlegt, ob wir nicht lokale Fischer in dieses Projekt integrieren, weil die natürlich auch Angst haben, dass immer mehr Plastik kommt und den Rest der Fischer noch verjagt."

    Ein weiterer Partner bei dieser Aufgabe soll die Wetterwelt aus Kiel sein, die ein spezielles Programm entwickelt hat. Dieses soll jeweils mitteilen: „Zu welchem Zeitpunkt gibt es sehr viel Regen und Wind, weil dann nämlich die großen Plastikfluten aus den Flüssen und aus den Mülldeponien kommen, die dann durch Regen und Wind ins Meer kommen."

    Aufbau der Schiffe WRS - Schiffs-Typskizzenblatt
    © Foto : Lindenau Maritime Engineering & Projecting
    Aufbau der Schiffe WRS - Schiffs-Typskizzenblatt

    In Phase 2 des Projekts wird es dann gelten, einen Businessplan zu erstellen, denn: "Wir müssen wissen, was das kostet und wir wollen natürlich auch ein sehr wettbewerbsfähiges Konzept machen, was möglichst aus Bausteinen besteht, die schon häufig bewährt sind, sodass wir weder ein technisches noch ein wirtschaftliches Risiko haben und versuchen dann, aus dem Verkauf von Strom und Trinkwasser einen maximalen Kostendeckungsbeitrag zu erzielen, damit wir das Abfischen aus dem Meer und den Betrieb dieser Schiffe möglichst refinanzieren können und was da nicht kostendeckend ist, muss dann die Weltgemeinschaft tragen, weil es doch auch ein globales Problem ist."

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    Tags:
    Müll, Meer, Verschmutzung, One Earth One Ocean