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    Die Katastrophe von Heysel

    Ist immer nur der Russe schuld? Chronik der blutigsten Fan-Krawalle - Video und Foto

    © AP Photo/ AP Photo/Gianni Foggia, File
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    Hunderte Tote, tausende Verletzte und zerstörte Leben: In der Fußballgeschichte hat es reichlich schwarze Tage gegeben, aus denen Hooligans eine Lektion lernen könnten. Allerdings scheint die Szene, offenbar wegen eines kollektiven Gedächtnisverlustes, immer noch nicht befriedet zu sein. Sputniknews unternimmt einen Exkurs in die Vergangenheit.

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    Die Katastrophe von Heysel - tote Zuschauer

    29. Mai 1985, Brüssel —  Die Katastrophe von Heysel, Europapokal-Endspiel Juventus Turin gegen den FC Liverpool:

    Betrunkene englische Hooligans, die davor den Grand Place verwüstet und sich auf einer naheliegenden  Baustelle bewaffnet hatten, stürmen eine Stunde vor Anpfiff in den neutralen Sektor.  Bei den Juventus-Fans bricht Panik aus. Nachdem sich die beängstigten Menschen an eine Wand des Stadions gedrückt haben, stürzt diese auf sie nieder. 39 Menschen werden getötet, darunter 32 Italiener, vier Belgier, zwei Franzosen und ein Nordire. 454 Menschen werden verletzt.

    Konsequenzen: Alle britischen Fußballklubs werden von der UEFA für einige Jahre von sämtlichen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. 14 Hooligans kommen hinter Gitter.

     

    15. April 1989, Sheffield – Die Hillsborough-Katastrophe, Halbfinalspiel um den FA Cup zwischen Nottingham Forest und FC Liverpool:

    Ungefähr 2.000 Menschen werden in einen bereits überfüllten Fanblock gelassen. Mehrere hundert Fans werden gegen den Zaun am Rand des Spielfelds gedrückt. Da das Spiel bereits begonnen hat, wird die Katastrophe lange nicht bemerkt. Fallende werden zu Tode getrampelt, andere werden an dem Zaun zerquetscht. 96 Menschen kommen ums Leben, darunter auch zahlreiche Kinder, Hunderte werden verletzt.

    Folgen: In Großbritannien wird ein Stehplatzverbot eingeführt, das danach auch international übernommen wird. Lange Zeit werden Fans für das Unglück verantwortlich gemacht, was allerdings eher positive Folgen hatte: Die Spiele verliefen seitdem um einiges ruhiger. Erst nach 27 Jahren ergab eine Untersuchung, dass die Schuld für die Katastrophe bei der Polizei und den Veranstaltern gelegen hat. Zudem soll der Verein von Sheffield den Spielablauf nicht vorbereitet haben.

     

    21. Juni 1998, „Schande von Lens“, WM-Vorrunde Deutschland gegen Jugoslawien:

    Deutsche Fans verabreden sich mit Jugoslawen zu einer Schlägerei. Unter den Polizisten, die die Straßen absperren,  befindet sich auch der französische Gendarm Daniel Nivel. Da er deutschen Hooligans im Weg stand, schlugen sie mit einem stählernen Gewehraufsatz und einem Reklameschild auf ihn ein, bis er ins Koma fiel. Nivel überlebte den Angriff, ist aber auf dem rechten Auge blind, hat den Geruchs- und den Geschmackssinn verloren und kann nicht mehr sprechen. Am 12. Juni 2016 wurde Nivel zusammen mit seiner Frau in „Stade Pierre-Mauroy“ in Lille zu dem Spiel zwischen der Ukraine und Deutschland eingeladen, wo es allerdings wieder zu Ausschreitungen  gekommen ist – deutsche Hooligans machten Jagd auf wehrlose Ukrainer.

     

    16. Juni 2000, Brüssel — „Milleniumsschlacht der Hooligans“ — Vorabend des EM-Spiels zwischen England und Deutschland:

    Mehr als 300 britische Hooligans prügeln sich heftig mit Belgiern ausländischer Herkunft in Charleroi. 37 Menschen werden verletzt, davon zwei schwer. 350 Randalierer werden festgenommen. Es fliegen Stühle, Schaufenster werden eingeschlagen. „Wir haben alles unter Kontrolle“, behauptete damals Brüssels Bürgermeister Francois Xavier de Donnea. Wenig später wird ein Brite durch einen Messerstich von einem Türken schwer verletzt. Innerhalb der nächsten zwei Tage kommen weitere 500 englische Fans in U-Haft.

    Trotz ständiger Provokationen seitens der Hooligans, wurden keinerlei Sanktionen gegen den englischen Fußballverband eingeleitet.

     

    1.Februar 2012, Port Said — „Der schwarze Tag des ägyptischen Fußballs“ — Spiel des ägyptischen Teams al Ahly Kairo gegen al-Masry:

    Ungehindert tragen Fans  Messer, Schwerter, Flaschen, Schlagstöcke, Feuerwerkskörper und sogar Schusswaffen durch die Eingangskontrollen. Nachdem das Heimteam al-Masry gewonnen hatte, stürmten seine Fans  auf das Spielfeld und die gegnerische Tribüne. Nach Medienberichten griffen die Hooligans Spieler und Fans der anderen Mannschaft an, bewarfen diese mit Steinen und stachen mit zerbrochenen Glasflaschen auf sie ein. Hunderte Fans verließen das Stadium in Panik, Dutzende Menschen wurden in dem schmalen Korridor und gegen die Abgrenzungen zusammengedrückt. Einige Opfer seien von Tribünen geworfen oder erstochen worden. Hunderte Menschen, darunter auch  Spieler, wurden schwer verletzt, 74 Menschen kamen ums Leben.

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    Tags:
    Tragödie, Katastrophe, Hooligans, Nottingham Forest, FC Liverpool, Juventus Turin, Daniel Nivel, Hillsborough, Sheffield, Heysel, Brüssel