07:34 26 September 2017
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    Hidschab Iran

    Hexenjagd in Iran: Opfer der Sittenpolizei will nicht nach Männer-Pfeife tanzen

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    Zehntausende Frauen sind im Iran in den letzten Wochen wegen der Nichteinhaltung der Kleiderordnung festgehalten worden. Viele von ihnen wollen die Schuld nicht gestehen. Zahra, eine der Betroffenen, hat die Situation in einem Sputnik-Interview kommentiert.

    In Teheran setzt die Polizei mit der Verschärfung des Dress-Code unter den Frauen fort. Neben den geforderten Polizeiaufgeboten der „Sittenpolizei“  werden noch 7.000 verdeckte Ermittler auf die Straßen der iranischen Hauptstadt geschickt.

    Die 30-jährige Zahra, Mutter von zwei Kindern und Doktorin der Physik und Mathematik, findet sich mit dem Kopftuchtragen zurecht. Doch wäre sie viel zufriedener, wenn man ihr die Art und Weise, wie man es trägt, welchen Kopfteil es bedecken soll und so weiter nicht vorschreiben würde.

    Was die Sicherheit der Frauen angehe, rette der Hidschab die Frauen vor den schmutzigen Absichten einiger Männer nicht. Es sei eine Täuschung, so Zahra.

    Während ihrer Auslandsreisen verzichtete sie oft auf die den islamischen Vorschriften entsprechenden Kleidungsstücke und fühlte sich dabei ganz wohl.

    „Mir fiel nicht einmal ein, dass die Männer mich mit den Augen entkleiden würden! Im Iran ist es aber anderes. Je besser du das Tuch befestigst, desto frecher und zweideutiger schauen die Passanten dich an..!“

    Zahra ist mehrfach in die Hände der „Sittenpolizei“ geraten. Ihr wurde eine falsche Tragweise des Hidschab vorgeworfen. Jedes Mal behandelten die Polizisten sie sehr grob. Bei der Frage nach der Ursache ihrer Festnahme wurde sie beschimpft.

    „In diesen Momenten fühlst du dich am Boden zerstört. Es ist schon ein gewisser Stress. Ich wurde nicht geschlagen. Doch ich sah oft, wie andere junge Frauen körperlich angegriffen wurden, auf den Boden geworfen.“

    Das größte Problem, nach der Meinung von Zahra, ist die schwammige Beschreibung des unter Hidschab verstandenen Kleidungsstücks. Das Gesetz der Islamischen Republik Iran gibt keine klare Definition für das „korrekte“ Kopftuch.

    „Ich will nicht in ihrem Spiel mitmachen und mich so, wie sie wollen, kleiden. Sie werden nie den Stil meiner Kleidung definieren, ihre Länge, das Modell… Sollen sie mich doch verhaften so oft sie wollen!“

    Diese Hetzaktion sei nicht mit der Sicherheit der Gesellschaft verbunden, so Zahra. Die regelgerechte Trageweise des Hidschabs werde die ernsten Probleme – wie etwa Arbeitslosigkeit, schwache Wirtschaft, Sittenlosigkeit mancher Menschen — nicht aus dem Weg schaffen.

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    Tags:
    Teheran, Iran
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