04:36 18 Juni 2019
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    Hacker (Symbolbild)

    Deutsche Journalisten üben Kritik an SPIEGEL-Opus über Cyber-Kalifat von Kreml und IS

    East News/ Imago Sport and News
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    Deutsche Sicherheitsbehörden sehen die Terrorgruppe IS laut SPIEGEL bislang nicht dazu in der Lage, komplexe Spionage- oder Sabotageattacken im Netz durchzuführen. Die Schlussfolgerung - das sogenannte Cyber-Kalifat des Islamischen Staates (IS) ist womöglich eine russische Erfindung.

    „Natürlich werden derartige Schlussfolgerungen in keiner Weise mit Beweisen belegt“, sagte der deutsche Publizist Thomas Fassbender im Interview mit Sputnik. 

    Mit dem Wort „womöglich“ sagte der Journalist selber, dass er nichts in der Hand hat. „Theoretisch ist möglich, dass Russland hinter diesen Attacken steht. Das muss man sicher bestätigen müssen, denn natürlich sind die Russen in der Cyberkriegsführung  den Amerikanern ähnlich. Die Frage: waren russische Cyberkämpfer hinter diesen Attacken? Da fehlen natürlich die Beweise. Mit dem Wort womöglich kann ich auch sagen, womöglich waren es Brasilianer oder Australier, oder Uruguayer oder Italiener!“

    Dem einfachen Bürger im Westen wird ein übriges Mal vorgeschlagen, dieser Information Glauben zu schenken. Wie man so sagt, denkt nicht nach und verbreitet die Nachricht.

    „Wir sind in einem Hybridenkrieg, wir haben einen objektiven Interessenkonflikt zwischen dem Westen und Russland. Es ist leider so, dass in unseren Medien und in der Politik antirussische Stimmungen herrschen. Natürlich gibt es im Westen einseitige Schuldzuweisungen, die auch den Zweck haben, die Bevölkerung gegen Russland, gegen die russische Politik zu mobilisieren, denn unsere westlichen Eliten in den Medien oder in der Politik sind im Großen und Ganzen noch schärfer gegen Russland eingestellt“, so Fassbender.

    Russland wird wie üblich im Vorhinein aller Sünden beschuldigt. Übrigens ist das kaum erstaunlich, denn das westliche Establishment hat Russland zusammen mit den Islamisten des IS auf die Liste der Bedrohungen für die weltweite Sicherheit gesetzt.

    „Wir haben sehr viele auseinanderdriftende und widersprüchliche Entwicklungen in der Europäischen Union, da kommt ein externer Gegner auch willkommen. Das Ganze ist traurig und auch gefährlich. Russland hat zurzeit eine ganz stolze Anzahl von Gegnern und muss natürlich auch gewahr sein, dass in einer solchen Konfrontation man sich offene Flanken nicht leisten darf. Russland möchte nicht den Weg des Westens gehen, dass schwört Gegnerschaft heraus. Russland wird weiterhin angegriffen, der Informationskrieg existiert, “ resümiert der deutsche Publizist.

    Auch Mathias Bröckers, Journalist und Autor des Buches „Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren“, bemängelt fehlende Beweise im SPIEGEL-Beitrag. „Das ist alles rein hypothetisch also: ‚hätte könnte würde‘, ‚Geheimdienste behaupten‘.“

    „Es handelt es sich um eine Meldung, die von Geheimdiensten in die Welt gesetzt wurde und für die es gar keine Belege gibt. Wenn Sie mich persönlich fragen, dann würde ich sagen, das ist wie im Kindergarten“, erklärt Bröckers im Interview mit Sputnik.

    „Man muss sich doch fragen, welche Interessen verfolgt der russische Staat, einen französischen Fernsehsender lahmzulegen? Warum sollte er in Washington bei den Demokraten nach kompromittierendem Material gegen Trump gesucht haben vor einem Jahr?“

    Auf die Frage, was für eine Botschaft gesendet werden soll, wenn man Russland und den IS auf eine Ebene stellt, antwortet Mathias Bröckers:

    „Mittlerweile gibt es nichts mehr, hinter dem nicht Putin steckt. Wenn man mal genauer hinschaut, wer den IS eigentlich unterstützt hat und dazu beigetragen hat, dass er überhaupt erstarken konnte, dann landet man nicht bei Russland, sondern ganz im Gegenteil beim Westen. Die Amerikaner haben mit ihrer Politik im Nahen und Mittleren Osten maßgeblich dazu beigetragen, dass wir nun so eine Situation haben.“

    Zu den Hackerangriffen aus Russland sagt Bröckers: „Wie jedes Land oder jeder andere Geheimdienst hat auch Russland Hacker. Aber die größten Hacker sitzen doch, wie wir inzwischen wissen, immer noch bei der NSA. Aber irgendein Problem auf die Russen zu schieben ist ja mittlerweile ein Trend bei uns. Letztendlich ist für den Normalbürger gar nicht überprüfbar, was ein Hacker wirklich gemacht hat. Und die echten Hacker, die nicht im Auftrag der Geheimdienste unterwegs sind, wie Julian Assange oder Edward Snowden, werden als Kriminelle verfolgt.“

    Danach gefragt, warum gerade in Deutschland die Berichterstattung gegenüber Russland so negativ ist, sagte Bröckers: „Ich glaube nicht, dass es etwas mit der Stimmung in der Bevölkerung zu tun hat, sondern dass die großen Medien zu Konzernen gehören und von entsprechenden Leuten geleitet werden, die ganz klar und offen transatlantische Interessen verfolgen.“

    Weiter erwähnt Bröckers, dass gerade an den Schaltstellen der Medienlandschaft Leute sitzen würden, die ihre Position ihrer Mitgliedschaft in der Atlantikbrücke zu verdanken hätten: „Das hat nichts mit der Realität oder der Meinung der Deutschen zu tun. Das sieht man an den Leserbriefen. Und dann wird behauptet, dass seien die russischen Trollfabriken. Selbst wenn es sie gibt — die Briefe, die gegen eine Konfrontation mit Russland sind, die sind echt. Die Bevölkerung macht sich einfach Sorgen, und die Stimmung in der Bevölkerung bildet das ab.“

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    Tags:
    Kritik, Journalisten, Cyber-Trojaner, Deutschland, Russland