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    Dominoeffekt nach Brexit: Wer flieht als nächster aus der EU

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    Was wird mit dem Brexit? (340)
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    Nach dem britischen Referendum befürchten die Experten weitere Forderungen auf Selbstständigkeit anderer Länder und eine umfangreiche Flucht von EU-Mitgliedern aus dem „Klub“. Washington Post hat eine Liste der potenziellen „Flüchtlinge“ erstellt.

    Kandidat Nummer 1 – Schweden

    Premierminister Großbritanniens David Cameron und Ministerpräsident des Königreichs Schweden Stefan Löfven
    © AP Photo / Tim Ireland
    Premierminister Großbritanniens David Cameron und Ministerpräsident des Königreichs Schweden Stefan Löfven

    Das Land hat sich schon lange als skandinavischen Zwilling Großbritanniens gesehen: es verzichtete auf die Euro-Einführung und in allen Angelegenheiten stimmt Stockholm mit London zu 90 Prozent überein.

    Im vergangenen Jahr nahm Schweden Tausende von Flüchtlingen auf, ihre Integration fiel nicht leicht, was zur Popularität der Rechtspartei, ähnlich der britischen U.K. Independence Party (UKIP), führte.

    Eine Mehrheit der Einwohner hat jedoch eine positive Einstellung gegenüber der EU, schreibt die Washington Post.

    Die schwedische Stimme des kleinen Landes ohne Euro als Währung könne die Ohren in Brüssels überhaupt nicht erreichen, falls die EU mit ihrem Integrationsprozess fortsetze, schreibt die amerikanische Zeitung.

    Kandidat Nummer 2 – Dänemark

    Dänischer Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen und Präsident des Europäischen Rates Donald Tusk
    © AP Photo / Jens Dresling
    Dänischer Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen und Präsident des Europäischen Rates Donald Tusk

    Im vorigen Dezember fand im Land ein Referendum statt, mit einem bescheideneren Ergebnis. Aber damals sprachen sich die Dänen gegen die Übergabe zusätzlicher Handlungsvollmachten an die EU aus.

    Tatsächlich will eine Mehrheit der Europäer keine Vorherrschaft von Brüssel, so eine Umfrage von Pew Research Center.

    „Ohne Großbritannien wird Dänemark keine Lokomotive haben, die Dänische Interessen durchzieht“, sagte die Politikwissenschaftlerin Marlene Wind von der Kopenhagener Universität gegenüber Bloomberg News.

    Kandidat Nummer 3 – Griechenland

    Zeitungskiosk in Athen
    © AP Photo / Yorgos Karahalis
    Zeitungskiosk in Athen

    Die Finanzkrise in Griechenland ist momentan kein Thema im Land, aber früher oder später wird sie in die gesellschaftliche Debatte wieder einziehen.

    Die andauernde Krise in Kombination mit dem Brexit könne eine Gefahr für die griechische EU-Mitgliedschaft darstellen, schreibt die griechische Zeitung Kathimerini.

    „Die einzige Besorgtheit von Athen ist, dass die Leave-Wahl die Entschlossenheit der EU schwächt, Griechenland weiter finanziell zu unterstützen, was weitere Instrumente und ein größeres Integrationsniveau erfordert, als gegenwärtig vorhanden ist“, so die Zeitung.

    Griechenland befürchtet mit anderen Worten nicht den Ausstieg Großbritanniens, sondern eher die Konsequenzen daraus, wie etwa ein Verstoßen Griechenlands aus der EU in der Absicht, eine Einigung unter den verbliebenen Mitgliedern zu retten, vermutet die Washington Post.

    Kandidat Nummer 4 – Niederlande

    Geert Wilders, niederländischer Politiker, Vorsitzender der rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid (Partei für die Freiheit), während einer Pegida-Demonstration in Dresden, 13. April 2015
    © AP Photo / Jens Meyer
    Geert Wilders, niederländischer Politiker, Vorsitzender der rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid (Partei für die Freiheit), während einer Pegida-Demonstration in Dresden, 13. April 2015

    „Verlass mich nicht auf diese Weise“ – so lautete die Überschrift der holländischen Zeitung Algemeen Dagblad am Donnerstag, was nicht unbedingt die Meinung einer Mehrheit der Niederländer ist.

    „Wenn wir als Nation am Leben bleiben wollen, müssen wir der Immigration und Islamisierung ein Ende setzen, was in der EU nicht möglich ist“, sagte  in einem Interview gegenüber BBC Geert Wilders, Chef der rechtspopulistischen Partei, die den Brexit begrüßte. Die Partei steht zurzeit in der Wählergunst gut da. 

    Kandidat Nummer 5 – Ungarn

    Ministerpräsident des Freistaates Bayern Horst Seehofer und Ministerpräsident Ungarns Viktor Orban in einer Pressekonferenz in Budapest, Ungarn. 4.März 2016
    © AP Photo / Szilard Koszticsak
    Ministerpräsident des Freistaates Bayern Horst Seehofer und Ministerpräsident Ungarns Viktor Orban in einer Pressekonferenz in Budapest, Ungarn. 4.März 2016

    Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban ist bekanntlich kein großer EU-Fan. Im Mai letzten Jahres begrüßte ihn der Eurokommissions-Chef Jean-Claude Juncker mit „Hallo, Diktator!“ während die Kameras eingeschaltet waren. Ein aufschlussreicher Vorfall.

    Nach dem Zustrom von Flüchtlingen im letzten Jahr plant Orban ein Referendum in Ungarn abzuhalten. Das könne kein „In“- oder „Out“-Referendum sein, sondern eines, das in einer indirekten Weise die Autorität von Brüssel unter Frage stelle, meint die Washington Post.

    Kandidat Nummer 6 – Frankreich

    Vorsitzende des Front National Marine Le Pen vor der Presse nach Großbritanniens Brexit-Entscheidung, 24. Juni 2016
    © REUTERS / Jacky Naegelen
    Vorsitzende des Front National Marine Le Pen vor der Presse nach Großbritanniens Brexit-Entscheidung, 24. Juni 2016

    Die Franzosen seien die größten EU-Skeptiker: 61 Prozent der Bevölkerung des Landes sind gegenüber der Union negativ eingestellt. (Zum Vergleich: In Ungarn sind das nur 37 Prozent.)

    Abgesehen von Deutschland ist Frankreich eine Antriebskraft der EU. Aber in den letzten Jahren musste sich das Land mit vielen Problemen auseinandersetzen, zu denen die derzeit schwache Wirtschaft und die hohe Terrorwarnstufe gehören. Einige Ursachen dieser Probleme gehen auf die EU zurück, lautet eine gängige Meinung.

    Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel schlägt Austerität-Maßnahmen vor, was die Mehrheit der Franzosen skeptisch wahrnimmt.

    Das alles könnte in die Hände der Rechtspartei Front National mit Marine Le Pen an der Spitze spielen und sie an die Macht führen. Die Präsidentschaftswahlen in der Republik sind für 2017 angesetzt.

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