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    Julian Assange

    Held oder Verbrecher? Whistleblower, die für ihre Enthüllungen leiden mussten

    © REUTERS / Paul Hackett
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    Wie der Fall mit dem Lux-Leaks-Enthüller zeigt, erwartet einen Whistleblower nicht immer nur Ruhm für seine „Offenbarungen“. Am Donnerstag wurde Antoine Deltour von einem Luxemburger Gericht zu 12 Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er aggressive Steuervermeidungsmodelle von 343 internationalen Konzernen aufgedeckt hatte.

    Deltour ist aber nicht der Einzige, der für wichtige Enthüllungen leiden muss. Obwohl ein Whistleblower eher jemand ist, der auf Verbrechen anderer hinweist, wird er aus staatlicher Sicht oft selbst zum Kriminellen.

    Julian Assange

    Assange spricht vom Balkon der Botschaft Ecuadors aus
    © Sputnik / Alex Maknoton
    Assange spricht vom Balkon der Botschaft Ecuadors aus

    Der Name dieses australischen politischen Aktivisten und investigativen Journalisten wird vor allem mit der Enthüllungsplattform WikiLeaks in Verbindung gebracht. Die Seite hat zahlreiche interne Dokumente der amerikanischen Armee und Behörden publiziert, unter anderem auch zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak. Aus diesem Grund droht Assange ein Strafprozess in den USA. Einige US-Journalisten haben sogar seine Hinrichtung oder gezielte Tötung durch Militär oder Geheimdienste gefordert. Seit Juni 2012 befindet sich Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London, wo er im August jenes Jahres politisches Asyl erhielt.

    Edward Snowden

    Edward Snowden
    Praxis Films
    Edward Snowden

    Der Ex-Mitarbeiter des US-Auslandsgeheimdienstes NSA hatte 2013 mit Enthüllungen über globale Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten, vor allem der USA und Großbritanniens, für internationale Aufmerksamkeit gesorgt. Washington wirft Snowden Diebstahl von Regierungseigentum, widerrechtliche Weitergabe geheimer Informationen sowie Spionage vor. Zurzeit genießt der US-Amerikaner einen Asylantenstatus in Russland.

    Chelsea (Bradley) Manning

    Chelsea Manning
    © AP Photo / Patrick Semansky
    Chelsea Manning

    Chelsea Manning (früher als Bradley Manning bekannt) ist eine ehemalige Angehörige der US-Streitkräfte, die als IT-Spezialistin tätig war. Manning übergab 2010 Videoaufnahmen des Beschusses und Todes irakischer Zivilisten und Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters durch einen amerikanischen Kampfhubschrauber am 12. Juli 2007 in Bagdad an WikiLeaks sowie zahlreiche andere Videos und Dokumente über hunderte von Fällen der Folter durch die Besatzungstruppen im Irak im Jahre 2010. Die USA haben Manning zu 35 Jahren Haft verurteilt. Anschließend hat sie dagegen Berufung eingelegt.

    Mordechai Vanunu

    Ein israelischer Nukleartechniker, der 1986 die Existenz des bis dahin geheimgehaltenen Atomforschungsprogramms Israels und damit Indizien für eine atomare Bewaffnung des Landes aufgedeckt hatte. Er kontaktierte in diesem Zusammenhang britische Zeitungen, aber noch bevor die Londoner Sunday Times Vanunus einen Artikel zum Thema am 5. Oktober 1986 veröffentlichte, wurde Vanunu am 30. September von einer israelischen Agentin nach Rom gelockt, dort vom Mossad entführt und dann per Schiff nach Israel gebracht. Dort verbrachte er 18 Jahre hinter Gittern.

    Jeffrey Wigand

    Dieser Mann war Vize-Präsident der Abteilung für Forschung und Entwicklung beim Tabakkonzern „Brown & Williamson“ der British American Tobacco. Am 4. Februar 1996 wurde Wigand als Informant in den USA für seine Enthüllungen bekannt, dass „Brown & Williamson“ systematisch das Gesundheitsrisiko der von ihnen hergestellten Zigaretten verheimlichte. Für diese Taten erhielten der Whistleblower und seine Familie anonyme Morddrohungen.

    Karen Silkwood

    Silkwood war eine Gewerkschaftsaktivistin, die eine wichtige Rolle bei der Aufdeckung eines Skandals in der US-Nuklearindustrie spielte. Sie enthüllte, dass in der Kerr-McGee-Plutonium-Aufbereitungsanlage gesetzliche Sicherheitsbestimmungen verletzt und Angestellte gesundheitlichen Risiken durch Kontakt mit radioaktivem Material ausgesetzt wurden. Am 13. November 1974 starb die Informantin bei einem Verkehrsunfall. Einem offiziellen Polizeibericht zufolge war Übermüdung die Ursache für den Unfall. Einige vermuteten jedoch auch ein Attentat hinter dem Tod von Silkwood. Diese These wurde aber nicht bewiesen.

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    Tags:
    Informant, WikiLeaks, Chelsea Manning, Edward Snowden, Julian Assange