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    Überwachung von Muslimen per Gesetz: Breitet sich in Japan Islamophobie aus?

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    Das oberste Gericht Japans hat die Überwachung der Muslime im Land erlaubt, berichtet der arabische Sender Al Jazeera. Die Muslime selbst halten dies für einen Verstoß gegen das Grundrecht der Religionsfreiheit.

    Schon 2010 war bekannt geworden, dass in Japan Muslime einer geheimen Überwachung ausgesetzt sind, nachdem die gesammelten Daten ins Netz durchgesickert waren. Es handelte sich um Namen, Adressen, Bekanntenkreise der bespitzelten Personen sowie um die Moscheen, die sie besuchten. Binnen weniger Wochen waren die Informationen über 10.000 Mal von Internetnutzern aus etwa 20 Ländern heruntergeladen worden.

    Kurz darauf hatte eine Gruppe japanischer Muslime, unter denen auch ethnische Japaner waren, die Stadt Tokyo sowie die Regierung des Landes angeklagt. Ein Gericht hat per Urteil angeordnet, den Klägern eine Entschädigung in Höhe von 880.000 US-Dollar auszuzahlen. Allerdings hat es die Überwachung nicht verboten, da diese für die Vorbeugung von Terroranschlägen im Lande notwendig sei.

    Hierzu sagte der Chef des Mardjani-Fonds für Islamforschung, Ilschat Sajetow, gegenüber Sputnik:

    „Bemerkenswert ist, dass die japanische Regierung den Beschluss des obersten Gerichtes, die Überwachung von Muslimen per Gesetz zu erlauben, maximal unter den Teppich zu kehren versucht hat. Allem Anschein nach verstehen sie selbst, dass es nicht ganz korrekt ist, eine Gruppe von Menschen wegen ihrer Religion auszuspähen. In dieser Situation ist auch ein Widerspruch zu beobachten: Einerseits hat das Gericht den Klägern Recht gegeben und ihnen eine Entschädigung zugesprochen, andererseits ist die Überwachung als notwendig anerkannt worden.“

    Auch Whistleblower Edward Snowden hat sich in der Sache zu Wort gemeldet:

    „In erster Linie werden Muslime leiden, die nie kriminelle Verbindungen gehabt haben. Die letzte Terrorattacke in Japan ereignete sich vor 20 Jahren (…), und das war keine islamistische Gruppierung, sondern bloß Fanatiker, die ihren Anführer zum Kaiser von Japan machen wollten“, zitiert die Zeitung „Islam-today“ den Ex-CIA-Mitarbeiter.

    Im Ausland werden Japaner immer öfter Opfer islamistischer Terroranschläge. So sind Medienberichten zufolge bei der jüngsten Geiselnahme in Bangladesch sieben Bürger Japans ums Leben gekommen.

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    Tags:
    Terroranschläge, Dschihadisten, Muslime, Überwachung, Edward Snowden, Japan