20:46 12 Dezember 2019
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    Jesidische Frau im von IS-Terroristen besetzten Nordirak.

    IS verkauft minderjährige Sex-Sklavinnen über Messenger-Apps

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    Im Irak nutzen Kämpfer des so genannten "Islamischen Staates" (IS) den weltweit populären Messenger Telegram. Unter anderem veröffentlichen sie dort, wie auch in anderen sozialen Netzwerken, Inserate zum Verkauf von minderjährigen Sex-Sklavinnen, schreibt die "New York Post“.

    „Jungfrau. Hübsch. Alter: 12 Jahre. Der Preis erreichte 12 500 Dollar. Bald wird sie verkauft“, heißt in einem Inserat, das in der geschlossenen arabischen Telegram-Version veröffentlicht wurde – neben zahlreichen Inseraten über den Verkauf von Tieren, Waffen und Militärausrüstung.

    Trotz der jüngsten Niederlagen und des Rückzugs des IS an allen Fronten sind etwa 3000 Frauen und Mädchen, die als Sex-Sklavinnen missbraucht werden, weiterhin in  seiner Gefangenschaft. Die Islamisten denken und agieren zwar absolut mittelalterlich, greifen aber auch auf modernste Technologien zurück. Mithilfe verschiedener Mobile-Apps verkaufen sie unter anderem Frauen, die sie offenbar als mobiles Eigentum betrachten.

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    Neben dem Telegram nutzen die sunnitischen Extremisten auch die Netzwerke wie WhatsApp und Facebook, allerdings nicht so intensiv. Ihre Wahl ist dadurch bedingt, dass die Entwickler dieser Messenger die persönlichen Daten ihrer Nutzer besonders gründlich verschlüsseln.

    Auf WhatsApp wurde beispielsweise ein Inserat über den Verkauf einer Frau mit zwei Kindern (im Alter von sieben Monaten und drei Jahren) für 3700 Dollar veröffentlicht. Zuvor war mitgeteilt worden, dass der IS Frauen und Kinder für jeweils 200 Dollar verkauft.

    WhatsApp-Sprecher Matt Steinfeld versicherte, dass der Messenger-Dienst die Accounts blockiere, falls deren Besitzer gegen die Nutzungsregeln vestoßen.

    © Ruptly .
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    Im August 2014 waren mehrere Hunderte jesidische Frauen in IS-Gefangenschaft geraten. Manche von ihnen konnten fliehen – mithilfe arabischer und kurdischer Schmuggler, die jeden Monat etwa 130 Frauen an sichere Orte brachten. Aber später verschärften die IS-Kämpfer die Kontrolle über ihre Sklavinnen. Zurzeit werden nur einige Dutzend Frauen monatlich gerettet.

    Die Gründerin der Wohltätigkeitsorganisation Luftbrücke Irak, Mirza Dinnayi, erzählte, dass jede gefangene Frau einen Besitzer habe. Und dank der einheitlichen Datenbank überprüfen die IS-Kämpfer an ihren Kontrollstellen, ob es unter den Frauen, die sie passieren, keine geflüchteten Sklavinnen gebe.

    Die 18-jährige Jesidin Lamiya Adschi Baschar versuchte vier Mal vergeblich, zu fliehen. Erst beim fünften Anlauf konnte sie im März das vom IS kontrollierte Territorium endlich verlassen. Sie flüchtete gemeinsam mit der achtjährigen Almas und der 20-jährigen Katerina, doch die beiden starben bei einer Minenexplosion. Lamiya wurde schwer verletzt und verlor ein Auge, überlebte jedoch glücklicherweise.

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    Am Ende konnte sie die nördlichen Gebiete des Iraks erreichen, die von den Kurden kontrolliert werden, und hat sich wieder ihrer Familie angeschlossen. Lamiya behauptet, ihre verzweifelte Tat nicht zu bereuen. „Selbst wenn ich beide Augen verloren hätte, wäre es das wert gewesen.“ In der Gefangenschaft war sie nach ihren Worten oft verprügelt und vergewaltigt worden.

    Ihr erster Besitzer, der ein Militär war, verkaufte Lamiya an einen Hersteller von Sprengsätzen, der eine Helferin brauchte. Er prügelte das Mädchen ebenfalls oft, und als er von ihr müde war, verkaufte er sie an einen Arzt. Auch dieser schikanierte seine Sklavin, doch irgendwann konnte sie Kontakt mit ihren Verwandten aufnehmen, die Menschenschmugglern 800 Dollar bezahlten, damit sie ihre Flucht nach Kurdistan organisierten.

    Lamiya zufolge ist ihre neunjährige Schwester Mayada weiterhin in  Gefangenschaft. Fünf andere Schwestern konnten ebenfalls fliehen und befinden sich inzwischen in Deutschland. Und ihr jüngerer Bruder, der mehrere Monate in einem Trainingslager der Kämpfer in Mossul verbringen musste, konnte flüchten und Kurdistan erreichen.

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    Bald wird Lamiya Baschar zu ihren Schwestern nach Deutschland reisen. Sie sehnt sich jedoch nach ihrem zerstörten Haus im Irak zurück. „Wir hatten ein gutes Haus mit einer großen Farm. Ich ging zur Schule, und alles war wunderbar“, erinnert sie sich jetzt.

    Einige jesidische Familien konnten ebenfalls ihre Verwandten aus der Sklaverei für etwa 15 000 Dollar loskaufen. Später wurden die Lösegeldzahlungen durch die kurdische Regierung kompensiert. Aber inzwischen sind die Finanzressourcen erschöpft.

    In diesem Sommer stufte die UN-Kommission für die Ermittlung der Ereignisse in Syrien das Vorgehen des IS gegen die Jesiden als Völkermord ein.

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