SNA Radio
    Wurst (Symbolbild)

    Ukraine: „Moskauer Wurst“ nach Nazi-Kollaborateur umbenannt

    © Sputnik / Pavel Lisitsin
    Panorama
    Zum Kurzlink
    41058
    Abonnieren

    Die „Entsowjetisierung“ ist in der Ukraine offenbar nicht mehr aufzuhalten. Auch Lebensmittel werden dabei nicht verschont: Die „Moskauer Wurst“ soll nun nach einem ukrainischen Nationalistenführer umbenannt werden, berichtet der Nachrichtensender Vesti am Donnerstag.

    Die Wurstwaren-Hersteller im Gebiet Iwano-Frankowsk in der Westukraine haben laut Vesti beschlossen, ihre Handelsmarke nach dem Nationalisten Stepan Bandera umzubenennen. Die Hersteller erklärten dies mit der Lage in der Ostukraine.

    „Die Moskauer Wurst produzieren wir schon seit langem, jetzt wird sie aber ‚Banderowskaja‘ genannt“, sagte der Chef eines der Wurstwaren-Unternehmen Pjotr Knischuk gegenüber Vesti.

    Zudem ist am Donnerstag bekannt geworden, dass der Moskauer Prospekt in Kiew in Bandera-Prospekt umbenannt wurde. Die entsprechende Entscheidung wurde Medienangaben zufolge vom Rat der Stadt gefällt: 87 von 97 Abgeordneten stimmten demnach für die Umbenennung. Dagegen soll niemand gestimmt haben.

    Die beiden ukrainischen Nationalistenorganisationen OUN, zu deren Führungskadern auch Stepan Bandera gehörte, und UPA hatten im Zweiten Weltkrieg in der Westukraine an der Seite der Wehrmacht gegen die Sowjetarmee und andere Staaten der Anti-Hitler-Koalition gekämpft. Im Sommer 1943 verübten die Nationalisten ein Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien.

    Am 9. April 2015 hatte das ukrainische Parlament (Rada) in einem Gesetz die ehemaligen Mitglieder der beiden Organisationen als Unabhängigkeitskämpfer eingestuft und ihnen gesetzlich breite Sozialprivilegien gewährt. Einige Experten sprachen damals von einer Heroisierung von Nazi-Kollaborateuren.

    Im April 2015 hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ein Gesetz verabschiedet, welches das kommunistische Regime verurteilt und die sowjetische Symbolik verbietet. Laut dem Gesetz sollen mehr als 900 Ortschaften in der Ukraine, deren Namen auf die Sowjetzeit zurückzuführen sind, umbenannt werden. Insgesamt sollen die Namen von etwa 700 Ortschaften und 15 Regionen in der Ukraine bereits geändert worden sein.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Weg mit Sowjet-Sternen: Poroschenko „dekommunisiert“ Militär-Schulterstücke
    Lennon statt Lenin: Entsowjetisierung geht ukrainischen Dorfeinwohnern zu weit
    “Dekommunisierung” in Ukraine: Neues Gesetz verbietet sowjetische Symbole
    Kiew gibt 75 Krim-Siedlungen neue Namen
    Tags:
    Entsowjetisierung, Wurst, Petro Poroschenko, Stepan Bandera, Russland, Ukraine