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    Protest gegen Einschränkungen für Flüchtlinge. Stockholm. 21. Juni 2016

    Schweden: Migranten rütteln nordische Wirtschaftsordnung auf

    © REUTERS / Henrik Montgomery
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    Migrationsproblem in Europa (1281)
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    Illegale Migranten haben das schwedische Königsreich 2015 mindestens sieben Milliarden an hinterzogenen Steuergeldern gekostet, wie Reuters meldet. Das sind vier Prozent der Steuern aus dem öffentlichen Sektor. Experten befürchten einen wirtschaftlichen Kollaps in Schweden wegen des Migrantenzustroms.

    In diesem Jahr führte das Königsreich eine Grenzkontrolle ein, aus Angst, bei der Integration der Flüchtlinge zu scheitern. Die Migranten müssen auf eine Antwort auf ihre Asylanträge ungefähr zwei Jahre warten. In der Zwischenzeit bekommen sie etwa sieben Euro pro Tag für alle Ausgaben außer den Unterkunftskosten.

    Einigen Migranten gelingt es, einen Nebenjob zu finden, andere geraten in die Schattenwirtschaft.  Die Migrationsagentur zählt jährlich bis zu 10.000 Asylbewerber, die es bevorzugen, aus dem Gesichtsfeld  zu verschwinden statt deportiert zu werden. Nach groben Schätzungen arbeiten 30.000 bis 50.000 Migranten ohne Papiere schon in der Bauindustrie, in der Hotelbranche, im Verkehr und im Gaststättenbereich.

    „Ich sehe eine Gefahr, falls wir keine ordentliche Lösung finden, die Realität klopft an die Tür“, sagte Lars Calmfors, Wirtschaftsexperte und Chef des schwedischen Rates für Arbeitspolitik.

    Linke Politiker sehen hier aber eher Lücken im Ausbildungssystem. Sie begründen die Arbeitslosigkeit unter den Migranten mit den schwachen Kompetenzen.

    „Das Risiko, dass mehr Menschen in die Schattenwirtschaft eintreten, ist sehr ernsthaft. Gerade deshalb  ist es sehr wichtig, unsere Bemühungen zu verstärken, die Migranten, die hier nicht bleiben können, nach Hause zu schicken, vorzugsweise gutwillig, aber wenn notwendig auch mit Gewalt“, kommentierte Ylva Johansson, schwedische Arbeitsministerin aus der Sozialdemokratischen Partei die Situation.

    In der europäischen Flüchtlingskrise sehen schwedische Experten eine potenzielle Herausforderung für das Wirtschafts- und Sozialsystem des Landes. Sie prognostizieren die Entstehung einer ganzen Unterklasse, die sich am Rande der Gesellschaft befindet und keine Recht auf Renten, Mutterschaftsurlaub und keine anderen Privilegien hat.

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