03:07 16 November 2019
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    Kiew benennt Moskauer Prospekt nach Nationalisten um – Kreml reagiert

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    Im Kreml bedauert man die Entscheidung der ukrainischen Regierung, den Moskauer Prospekt in Kiew nach dem Nazi-Kollaborateur Stepan Bandera umzubenennen, wie der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, mitteilte.

    Dennoch könne man, so Peskow, auch auf diese Weise die historischen russisch-ukrainischen Beziehungen und die Verwandtschaft der beiden Völker nicht ausrotten. Dabei betonte der Kremlsprecher, dass Russland auf diesen Beschluss Kiews nicht weiter reagieren werde.

    „Nein, der Kreml wird in keiner Weise reagieren. Wir können in diesem Zusammenhang nur unser Bedauern äußern“, sagte Peskow.

    Am Donnerstag hatten Medien berichtet, dass der Moskauer Prospekt in Kiew nach dem Nationalisten Stepan Bandera umbenannt worden sei. Die entsprechende Entscheidung wurde Medienangaben zufolge vom Stadtrat gefällt: 87 von 97 Abgeordneten stimmten demnach für die Umbenennung. Explizit dagegen soll niemand gestimmt haben.

    Unter anderem wurde auch bekannt, dass die Wurstwaren-Hersteller im Gebiet Iwano-Frankowsk in der Westukraine beschlossen hätten, ihre „Moskauer Wurst“ ebenfalls in „Bandera“ umzubenennen. Die Hersteller erklärten dies mit der Lage in der Ostukraine.

    Die beiden ukrainischen Nationalistenorganisationen OUN, zu deren Führungskadern auch Stepan Bandera gehörte, und UPA hatten im Zweiten Weltkrieg in der Westukraine an der Seite der Wehrmacht gegen die Sowjetarmee und andere Staaten der Anti-Hitler-Koalition gekämpft. Im Sommer 1943 verübten die Nationalisten ein Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien.

    Am 9. April 2015 hatte das ukrainische Parlament (Rada) in einem Gesetz die ehemaligen Mitglieder der beiden Organisationen als Unabhängigkeitskämpfer eingestuft und ihnen gesetzlich weitgehende Sozialprivilegien gewährt. Einige Experten sprachen damals von einer Heroisierung der Nazi-Kollaborateure.

    Im April 2015 hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ein Gesetz verabschiedet, welches das kommunistische Regime verurteilt und sowjetische Symbolik verbietet. Laut dem Gesetz sollen mehr als 900 Ortschaften in der Ukraine, deren Namen auf die Sowjetzeit zurückzuführen sind, umbenannt werden. Insgesamt sollen die Namen von etwa 700 Ortschaften und 15 Regionen in der Ukraine bereits geändert worden sein.

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    Tags:
    Entsowjetisierung, Stepan Bandera, Dmitri Peskow, Kiew, Ukraine, Russland