05:05 21 November 2018
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    Stepan-Bandera-Grab in München

    Stepan-Bandera-Grab in München erneut geschändet

    © AFP 2018 / Rene Ruprecht / DPA
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    Unbekannte Vandalen haben die Grabstätte des ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera (1909 – 1959) in München mit Farbe übergossen. Dies berichtet der Generalkonsul der Ukraine, Wadim Kostjuk, auf seinem Facebook-Account.

    „Unmenschen haben heute erneut in München das Grab von Stepan Bandera geschändet“, schreibt der Diplomat und veröffentlichte Fotos des verunstalteten Grabmals. Sie zeigen, dass sein Postament und das dort stehende Foto des Bandera-Denkmals im Lwiw (Ukraine) mit schwarzer Farbe übergossen wurden.

    Das sei bereits der dritte Fall von Vandalismus gegen die Grabstätte seit Anfang 2015. Im Februar und im Mai 2015 hätten Unbekannte das Grabmal bemalt. Die Verwandten des Anführers der ukrainischen Nationalisten hätten daraufhin ihre Absicht geäußert, am Grab eine Videokamera und eine Alarmanlage zu installieren, berichtet der Sender 112.ua.

    Am 26. Mai 2015 habe der Journalist Dmitri Lychowi mitgeteilt, dass Vandalen das Bandera-Grab in München geschändet hätten. Dies sei jedoch vom ukrainischen Außenministerium dementiert worden.

    Stepan Bandera wurde am 1. Januar 1909 in Staryj Uhryniw bei Kalusch in Galizien, Österreich-Ungarn (heute Ukraine, Gebiet Iwano-Frankiwsk) geboren. Er war Mitglied der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und ein Mitbegründer der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA). Diese agierte  hauptsächlich in der Westukraine und kämpfte gegen die deutsche Wehrmacht, aber auch gegen die Sowjetarmee. Bandera kam am 15. Oktober 1959 in München ums Leben und ist dort auf dem Waldfriedhof bestattet.

    Die Einordnung von Banderas Wirken und seiner Person ist in der heutigen Ukraine sehr umstritten. Im Osten des Landes, aber auch in Polen, Russland und Israel gilt er überwiegend als Nazi-Kollaborateur und Kriegsverbrecher. Im Westen wird er hingegen von vielen Ukrainern als Nationalheld verehrt.

    Mehr zum Thema: Asow, Donbass, Rechter Sektor — die Symbole der ukrainischen Neofaschisten

    In den vergangenen Jahren ist in der Ukraine eine Dekommunisierung mit parallel dazu laufender Heroisierung Banderas und seiner Mitstreiter im Gange. Im Januar 2010 verlieh ihm der damalige ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko posthum den Ehrentitel „Held der Ukraine“. Auf eine gerichtliche Entscheidung hin wurde Bandera dieser Titel später wieder aberkannt.

    Im Oktober 2011 hatte der damalige Präsident der Ukraine, Viktor Janukowitsch, nicht ausgeschlossen, dass der Flughafen in Lwiw nach Bandera benannt werden könne. Am 7. Juli 2016 stimmte das Kiewer Stadtparlament für die Umbenennung des Moskauer Prospekts der Hauptstadt in Stepan-Bandera-Prospekt.

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    Tags:
    Stepan Bandera, Deutschland, München