06:07 25 Juni 2019
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    Theresa May

    May zieht in Margaret Thatchers Schatten in die Downing Street 10 – Experte

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    Die neue Premier-Ministerin Großbritanniens, Theresa May, steht vor einer großen Herausforderung – sie muss zeigen, dass sie ihrer Vorgängerin Margaret Thatcher gewachsen ist. Dabei hat sie kein klares Handlungsprogramm, wie der ehemalige Dolmetscher des Staatspräsidenten der Sowjetunion Michail Gorbatschow, Pawel Palaschtschenko, äußerte.

    „Thatchers Schatten wird über ihr schweben – daran besteht kein Zweifel. Die Situationen sind aber so verschieden, dass es sogar ungerecht ihr (May – Anm.d.Red.) gegenüber ist. Die Aufgaben sind zu schwierig, wie sie dies zu bewältigen sein wird, ist mir unklar“, sagte Palaschtschenko, der auch als Diplomat das sowjetische Außenministerium vertrat und jetzt als Mitarbeiter des Gorbatschow-Zentrums tätig ist.

    Theresa May kommt in die Downing Street, 10 an, London, 12. Juli 2016
    © REUTERS / Paul Hackett
    Theresa May kommt in die Downing Street, 10 an, London, 12. Juli 2016

    Thatcher habe klare Vorstellungen von ihren Handlungen gehabt, sie habe gemäß einer bestimmten Kapitalismus-Ideologie agiert, von deren Vorteilen sie zutiefst überzeugt war, so der Diplomat und Dolmetscher. Ihr Programm sei ideologisch und taktisch geprägt gewesen, fügte er hinzu und betonte, dass May über kein solches Programm verfüge. Dabei seien die Hauptrichtlinien in der Innenpolitik Großbritanniens bereits bestimmt worden und bräuchten keine neue Umdeutung.

    Die Premierministerin soll den Plan umsetzen, für den die Einwohner des Landes im Referendum gestimmt haben, sie soll diese Wahl respektieren.

    Das Königsreich bleibt wahrscheinlich noch etwa zwei oder anderthalb Jahre in der EU. Während der Verhandlungen über den Austritt des Landes könne es noch eine wichtige Rolle in der Union spielen, unter anderem auch in der Sanktionspolitik gegenüber Russland. Die britische Stimme in dieser Frage würde jedoch eher bescheiden klingen, so der Experte.

    Margaret Thatcher erhielt für ihre harte Position insbesondere in Bezug auf den Streik der britischen Bergarbeiter 1984/85 und die Nordirland-Frage den Beinamen „Eiserne Lady“.

    „Gleichzeitig war sie eine Realistin. Sie verstand sehr gut, dass in der Außenpolitik Großbritannien nicht die erste Geige spielen kann, und deshalb versuchte sie während der Verhandlungen mit Gorbatschow das Image der ‚Eisernen Lady‘ nicht zu pflegen, da ihr dieses Image einfach nicht realistisch schien“, erinnert sich der ehemalige Gorbatschow-Dolmetscher.

    Palaschtschenko vergleicht anschließend die gegenwärtige politische Konstellation im britischen Königsreich mit der in Dramen des englischen Dramatikers William Shakespeare entworfenen – lauter Leichen auf der Bühne. May müsse gut aufpassen, um die Szene nicht mit ihrer zu ergänzen. Ihre Schritte werde sie ausgewogen und bedächtig unternehmen. Das betreffe auch das Hauptthema von May – die Migration, die sie als Innenchefin habe begrenzen wollen.

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    Brexit-Referendum, EU, Margaret Thatcher, Theresa May, David Cameron, London, Großbritannien