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    Terrorgefahr in Europa (2016) (232)
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    Der Anschlag in Nizza ist der zehnte und der zweitschlimmste innerhalb der letzten anderthalb Jahre, berichtet die in Lettland ansässige russischsprachige Internetzeitung Meduza am Freitag. Die Zeitung hat einen Überblick über die jüngsten Terroranschläge in Frankreich zusammengestellt.

    7. bis 9. Januar 2015: Überfall auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo"

    Am 7. Januar töteten die Brüder Chérif und Saïd Kouachi in der Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo" zwölf Menschen, darunter auch zwei Polizisten. Bei dem Überfall riefen sie islamistische Parolen. Der offiziellen Version zufolge waren die in der Zeitschrift veröffentlichten Karikaturen auf den Propheten Mohammed der Anlass des Attentats. Am selben Tag schoss der Komplize Amedy Coulibaly auf einen Menschen vor seinem Haus, der allerdings überlebte. Einen Tag später erschoss Coulibaly eine Polizistin und verletzte einen Passanten. Am 9. Januar nahmen die Brüder Kouachi Geiseln, wurden aber später bei einem Sondereinsatz erschossen. Coulibaly stürmte einen koscheren Supermarkt, dabei tötete er vier Menschen und nahm weitere als Geiseln. Er gehörte der Terrormiliz Daesh an, die Brüder Kouachi handelten im Namen von Al-Qaida im Jemen.

    3. Februar: Überfall auf das jüdische Zentrum in Nizza

    Ein Mann namens Moussa Coulibaly griff mit einem Messer Wachsoldaten des jüdischen Zentrums in Nizza an. Drei Menschen wurden verletzt. Einer der Soldaten überwältigte den Messerstecher und übergab ihn der Polizei. Kurz zuvor war Coulibaly in der Türkei festgenommen und nach Frankreich ausgewiesen worden, da man ihn verdächtigte, die Flucht in vom IS kontrollierte Gebiete versucht zu haben.

    19. April 2015: Versuchter Angriff auf Kirchen in der Pariser Vorstadt Villejuif

    Der algerische Student Sid Ahmed Ghlam wollte Attentate auf zwei katholische Kirchen in Paris verüben. Der 24-Jährige erschoss eine Französin in ihrem Auto, wobei er sich zufällig eine Schussverletzung am Bein zuzog und einen Krankenwagen rufen musste. Die Ärzte alarmierten die Polizei, worauf der Algerier schließlich verhaftet wurde. Bei der Hausdurchsuchung wurden in seiner Wohnung Schusswaffen und Unterlagen mit Verweisen auf das Terrornetzwerk Al-Qaida sowie die Terrororganisation „Islamischer Staat" gefunden. Laut der Polizei sollte Ghlam von einer sich in Syrien aufhaltenden Person den Auftrag bekommen haben, Anschläge in Pariser Kirchen zu verüben.

    26. Juni: Terroranschlag in einem Chemiewerk in Saint-Quentin-Fallavier

    Der Franzose arabischer Abstammung Yassin Salhi versuchte, eine Chemiefabrik für Industriegase in der Nähe der Stadt Lyon in die Luft zu sprengen. Salhi war bei einer Transportfirma tätig, die das Chemiewerk belieferte, deshalb konnte er auf das Gelände der Fabrik gelangen, wo er seinen Vorgesetzten ermordete und enthauptete. Anschließend fuhr er mit dem Wagen gegen Gasflaschen. Bei der Explosion wurden zwölf Menschen verletzt. Den abgetrennten Kopf seines Chefs befestigte Salhi mit zwei islamistischen Flaggen am Zaun der Industrieanlage. Ein Selfie mit dem Kopf seines Chefs soll er einem Menschen geschickt haben, der sich in der vom IS kontrollierten syrischen Stadt ar-Raqqa aufhielt.

    Die Feuerwehrleute überwältigten Salhi, er wurde festgenommen. Er erhängte sich im Dezember 2015 in der Untersuchungshaft in seiner Zelle im Gefängnis. Offenbar hatte er Komplizen, die allerding nicht entdeckt wurden. Zuvor hatte Salhi die Polizei wegen seiner Beziehungen mit Salafisten auf sich aufmerksam gemacht, vorbestraft war er allerdings nicht.

    21. August 2015: Attacke im Thalis-Zug

    Der mit einer Kalaschnikow bewaffnete 26-jähriger Marokkaner Ayub al-Khazzani eröffnete im Hochgeschwindigkeitszug Amsterdam-Paris das Feuer auf Mitreisende, wobei drei Menschen verletzt wurden. Der Schütze wurde von zwei mitfahrenden amerikanischen Soldaten überwältigt. Glücklicherweise hatte sein Sturmgewehr geklemmt. Der Marokkaner hatte insgesamt 270 Patronen bei sich.

    13. November: Terroranschläge in Paris

    Der schlimmste Terroranschlag in Frankreichs Geschichte wurde von Anhängern des „Islamischen Staates" verübt, die von belgischen Islamisten koordiniert wurden. Bei einer Reihe von Anschlägen in Pariser Cafés und Restaurants, bei einem Rockkonzert der Gruppe „The Eagles of Death Metal" und in der Nähe des Fußballstadions Stade de France kamen insgesamt 130 Menschen ums Leben. Weitere 350 wurden verletzt. Am 22. März verübten die Mitglieder derselben Terrorzelle Anschläge am Flughafen Brüssel-Zaventem und in der Brüsseler U-Bahnstation Maelbeek.

    1. Januar 2016: Angriff auf französische Soldaten vor einer Moschee in Valence

    Ein Franzose tunesischer Abstammung fuhr mit seinem Auto in eine Gruppe von vier Soldaten, die eine Moschee in der Stadt Valence bewachten. Dabei rief er „Allahuakbar!" Die Soldaten feuerten auf den Autofahrer, er wurde festgenommen. Es gab keine Opfer, die vier Soldaten und ein Passant wurden leicht verletzt. Später gestand der Täter, dass er die Soldaten hatte töten wollen, da sie den Tod anderer Menschen verursachen. Außerdem hatte er damit gerechnet, bei seinem Angriff erschossen zu werden. Laut der Polizei soll der 29-Jährige auf eigene Faust gehandelt haben, allerdings wurden bei der Durchsuchung in seinem Computer viele extremistische Materialien gefunden. Hauptsächlich waren das Bilder mit islamistischen Parolen.

    7. Januar: Angriff auf Polizisten in Paris

    Am Jahrestag des Anschlags auf die Redaktion von „Charlie Hebdo" versuchte der tunesische Flüchtling Tarek Belgacem mit einem Messer und der Attrappe eines Sprengstoffgürtels eine Polizeiwache in der Rue de la Goutte d'Or anzugreifen. Der Mann wurde von den Polizisten niedergeschossen. In seiner Handtasche fand man einen Zettel, in dem er dem „Islamischen Staat" Treue schwor.

    13. Juni 2016: Mord an einer Polizistenfamilie in Magnanville

    Der Franzose marokkanischer Abstammung Larossi Abdalla griff mit einem Messer einen Polizisten im Pariser Vorort Magnanville an. Daraufhin verschanzte er sich in dessen Haus und tötete seine Frau. Abdalla stellte eine Online-Übertragung auf Facebook ein, in der er den doppelten Mord gestand und dem „Islamischen Staat" die Treue schwor sowie damit drohte, die Fußball-EM zu einem „Friedhof" zu machen. Die Polizei versuchte mit dem Täter Verhandlungen zu führen, da er den dreijährigen Sohn des Polizisten als Geisel genommen hatte. Letztendlich wurde das Haus von Spezialeinheiten gestürmt und der Mörder erschossen. Laut der Polizei soll Abdalla auf Befehl des Anführers der Terrormiliz Daesh, Abu Bakr al-Baghdadi, gehandelt haben.

    14. Juli: Anschlag in Nizza

    Während der Feiern zum französischen Nationalfeiertag raste am späten Donnerstagabend in Nizza ein Lastwagen zwei Kilometer weit in eine Menschenmenge, die sich das Feuerwerk angesehen hatte. Am Steuer saß ein tunesischer Staatsbürger, der die französische Aufenthaltserlaubnis gehabt haben soll. Insgesamt war der LKW etwa 1,8 Kilometer gefahren, wobei er laut der französischen Polizei im Zickzack gefahren sein soll, um möglichst viele Passanten zu treffen. Der Fahrer wurde von der Polizei erschossen. In dem Lastwagen wurden Granaten und Feuerwaffen gefunden. Nach jüngsten Angaben sind bei dem Anschlag 84 Menschen ums Leben gekommen, über 100 wurden verletzt, Dutzende davon schwer. Der französische Präsident stufte diesen Anschlag als terroristisch ein.

     

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    Tags:
    Terroranschlag, Terrormiliz Daesh, Al-Qaida, Frankreich