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    Türkei: Putschversuch gefährdete Nato-Atomwaffen in Incirlik – Medien

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    Der gescheiterte Putschversuch in der Türkei hat am türkischen Nato-Militärstützpunkt Incirlik ein Viertel aller Atomwaffen der Allianz in Gefahr gebracht, wie die Zeitschrift „The New Yorker“ berichtet.

    Wegen des Putschversuches wurde Medienberichten zufolge auch am türkischen Nato-Militärstützpunkt Incirlik Alarm ausgelöst, weil der Zugang zu dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik abgeriegelt und der Strom auf der Basis abgeschaltet worden war.  

    Nach Durchsuchungen auf dem Militärstützpunkt sieht die türkische Regierung in Ex-Luftwaffenchef Akin Öztürk den Anführer des Putschversuches. Nach der Niederschlagung des Putsches wurde der General festgenommen. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen.

    Dabei wird laut „The New Yorker“ auf der türkischen Nato-Basis Incirlik im Vergleich zu allen anderen Stützpunkten der Allianz die größte Anzahl von US-Atombomben gelagert. Dabei allerdings gebe es weder ein amerikanisches noch türkisches Flugzeug für deren Transport. 

    „Die Bomben liegen einfach so auf dem Militärstützpunkt unter der Erde und warten darauf, genutzt zu werden oder in falsche Hände zu geraten“, hieß es weiter.

    Laut Hans Kristensen, Direktor des Nuclear Information Projects beim Verband US-amerikanischer Wissenschaftler, sollen 50 Atombomben B61, deren Sprengkraft abhängig von der Mission modifiziert werden kann, auf Incirlik aufbewahrt sein.

    Als Mitte der 1960er Jahre mehr als 7.000 US-Sprengköpfe in Westeuropa, Griechenland und die Türkei gebracht worden waren, so das Blatt weiter, habe sich vor allem ausländisches Personal um Wartung, Transport und Aufbewahrung der Waffen gekümmert, was die Befürchtungen weckte, dass sie gestohlen und von Nato-Alliierten genutzt werden könnten. Später wurde darum entschieden, eine Code-Umschaltung in den Bomben zu installieren, die die Sprengung bei falschem Code blockiert.

    Um diesen Schutzmechanismus zu umgehen, bedarf es zwar spezieller technischer Fertigkeiten. Wie der „The New Yorker“ schreibt, könnte die Lagerstätte jedoch trotzdem in nur zwei Stunden mit entsprechendem Werkzeug und Kenntnissen erreicht werden. Um die Atomwaffen zu nutzen, brauche es kaum eine Minute. Bewacht würden die Kernwaffen derweil von denjenigen Truppen des Landes, in dem sie stationiert sind – hier also den türkischen Militärs.

    In der Nacht auf den Samstag gab es in der Türkei einen Putschversuch, der von Militärs ausgegangen sein soll. Gegen 23 Uhr MESZ erklärten die Putschisten, sie hätten die Macht im Lande übernommen. Im Verlauf der Nacht wurde die türkische Hauptstadt von zwei Explosionen erschüttert. Auf den Präsidentenpalast wurde eine Bombe abgeworfen.

    Zeitweise hatten die Putschisten mehrere zentrale Militär- und Polizeistellen sowie den Istanbuler Atatürk-Flughafen unter ihre Kontrolle gebracht. Am Morgen schienen die regierungstreuen Kräfte jedoch die Oberhand gewonnen zu haben: Die meuternden Militärs begannen sich zu ergeben, mehr als 100 Putschisten wurden getötet.

    Bei dem Umsturzversuch kamen mehr als 290 Menschen ums Leben, über 1.500 wurden verletzt. In Ankara und Istanbul wurden mehr als 6.000 mutmaßliche Putschisten festgenommen, unter ihnen auch ranghohe Militärs.

    Die Incirlik Air Base ist ein Nato-Stützpunkt bei Incirlik, rund 12 Kilometer östlich von Adana im Süden der Türkei. Eigentümer ist die türkische Luftwaffe, größter Nutzer ist aber die US Air Force (USAF), die hier nach dem 11. September 2001 ihr wichtigstes Drehkreuz zur Versorgung der US-Streitkräfte im Irak und Afghanistan eingerichtet hat. Zurzeit nutzt die US-geführte Koalition Incirlik für ihre Angriffe gegen die Terrormiliz Daesh (Islamischer Staat, auch IS). Auch Bundeswehr-Soldaten und  —Ausrüstung sind dort stationiert.

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