11:25 14 Juli 2020
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    Pokémon Go kommt täglich in die Schlagzeilen der Online-Medien. Und obwohl das Spiel erst am 6. Juli in nur einigen Ländern erschienen ist, zeigen Statistiken, dass es sogar populärer als Erotikseiten ist. Warum die Taschenmonster dermaßen beliebt sind, erläutert nun Spielexperte Wladimir Statut in einem Sputnik-Interview.

    Auch in Russland wird das Spiel bald erhältlich sein, und es scheint jetzt schon beliebt zu sein. Einige potentielle Spieler heuern sich private Trainer an, um im Voraus ihre Fähigkeiten zu verbessern. Der Chef der russischen Filiale der US-Fastfood-Kette Burger King hat inzwischen dem Präsidenten von McDonalds Moskau einen Pokémon-Wettkampf vorgeschlagen. Der Verlierer soll einen ganzen Tag in einem seiner eigenen Restaurants in Frauenkleidung arbeiten.

    Laut Statut hat das Game eine sehr wichtige Besonderheit, und diese sei seine „kolossale Interaktivität“, also „die Möglichkeit, die Umwelt mit der virtuellen Realität außerhalb des Computers oder Smartphones zu verbinden“.

    Dabei gebe es aber Vor- und Nachteile, so der Spielexperte. Einerseits bringe die Interaktivität den Spieler zur Bewegung, andererseits aber kann sie zu Unfällen führen, denn „es gibt keine 100-prozentige Garantie für die Sicherheit, wenn ein Mensch sich in einer modernen technologischen Umgebung befindet“.

    Statut zufolge wird mit der Zeit wahrscheinlich ein Regelsystem für das Pokémon Go-Spiel eingeführt, um Unfällen vorzubeugen. Das Spiel sei noch neu und nicht alle Probleme hätten sich gezeigt. „Kein Wunder, dass die russische Sberbank schon bereit ist, Versicherungen für Verletzungen aufgrund der Jagd nach Taschenmonstern zu verkaufen“, sagte er.

    Pokémon Go werde einen langfristigen Erfolg haben, glaubt der Spezialist. Dafür spreche auch die Tatsache, dass die Aktien von Nintendo um 70 Prozent gestiegen sind. Außerdem sollte man in Zukunft andere ähnliche Games erwarten. Das Spiel habe positive und negative Seiten, so Statut. Positiv sei unter anderem der Multispieler-Modus.

    „Das heißt, dass es (das Spiel – Anm. d. Red.) jemandem bei der Kommunikation helfen wird, einem anderen bei der Entwicklung der Phantasie. Aber das Wichtigste ist, dass man es auch zu Bildungszwecken nutzen kann. Und auch wenn man die negativen Faktoren berücksichtigt, ist die Spiel- und Digitalrealität unsere Zukunft. Und egal welche Einstellung wir dazu haben, werden unsere Kinder in dieser Digitalzukunft leben müssen“, erläuterte er.

    Währenddessen sprechen einige Experten davon, dass Pokémon Go eine Entwicklung der Geheimdienste sein könnte. Somit würde jeder Einstieg in die virtuelle Realität für den Menschen und seinen Staat Datenrisiken mit sich bringen. All das ist aber im Moment nichts weiter als eine Theorie.

    Dem russischen Psychologen Juri Oserow zufolge sollte Spielentwickler Nintendo eine soziale Verantwortung tragen und die Menschen vor Gefahren beim Spielen an bestimmten Orten warnen. Dennoch seien Spiele an sich von großem Nutzen, so der Psychologe. „Ein Kind lernt beim Spielen und entdeckt die Welt“, sagte er.

    Pokémon Go ist eine populäre Smartphone-App, entworfen von Nintendo. Das Spiel beruht auf einer Technologie der ergänzten Realität oder „Augmented Reality“, wo sich die digitale und die reale Welt vermengen, denn das Bild auf dem Handy-Bildschirm projiziert sich auf Örtlichkeiten der realen Welt.

    Bei der App müssen Pokémons an unterschiedlichen Orten der Welt gejagt werden. So führte das Spiel Pokémon-Fans bereits ins Ausschwitz-Museum in Polen, ins Holocaust-Museum in Los Angeles, zum Nationalen Denkmal für den 11. September in New York sowie zum Gedenkort für Vietnamkrieg-Veteranen in Washington.

    Die erfolgreiche App lässt die Spieler kleine Pokémon-Figuren in ihrer Nachbarschaft suchen und damit mit den anderen Teilnehmern des Abenteuers wetteifern. Menschen berichten von stundenlangen Fahrten auf der Suche nach den Taschenmonstern.

     

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    Pokemon, Spiel, Russland