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    Terroranschlag in Nizza

    „Ich war bereit zu sterben“: Held von Nizza erzählt seine Geschichte

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    Der Motorrollerfahrer, der versucht hat, den Lkw-Angreifer von Nizza auf seiner Todesfahrt zu stoppen, ist am Leben. Er heißt Franck und ist ein Flughafen-Mitarbeiter. Die französische Zeitung "Nice Matin" hat diesen Helden nun gefunden.

    „Ich war bereit zu sterben“, sagte Franck im Interview mit der Zeitung. „Ich wollte ihn um jeden Preis stoppen.“

    Sein Versuch, den Lkw-Attentäter mit einem Motorroller zu stoppen, ging als Video um die Welt. Nun beschrieb der Mann im Interview mit der Zeitung "Nice Matin" die Sekunden, als er auf dem Trittbrett der Fahrertür des Lkws stand.

    ​Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie Franck mit seinem Motorroller neben dem weißen Lastwagen, mit dem der 31-jährige Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel 84 Menschen tötete, fuhr, bevor er stürzte. Auf dem Video schien es so, als sei er unter die Räder geraten, doch in Wirklichkeit gelang es ihm, neben dem Lastwagen her zu laufen und auf das Trittbrett der Fahrertür zu springen.

    Was bewegte den Motorrollerfahrer, als er sich entschloss, sich in eine solche Gefahr zu begeben? Franck klärt auf: Er handelte in erster Linie aus Sorge um seinen Sohn, der sich irgendwo in der Menschenmenge auf dem Platz Masséna befand. "Ich wollte nicht, dass der LKW bis dorthin kommt."

    „Ich war bereit zu sterben, um ihn aufzuhalten“

    Franck war am 14. Juli mit seiner Frau auf die Uferpromenade in Nizza gekommen, um sich das Feuerwerk zum Nationalfeiertag anzusehen. Sie kamen aber zu spät, weshalb sie umkehrten, um mit ihrem Motorroller Eis essen zu fahren. Dann kam der Lastwagen des Attentäters von hinten. Eine Menschenmenge rannte panisch auf Franck und seine Frau zu.

    „Sie flohen vor irgendetwas. Und dann sahen wir den Lastwagen näherkommen“, erzählte der Flughafen-Mitarbeiter. „Ich sehe noch immer die Körper, die überall umherflogen. Ich habe sofort beschlossen, schneller zu fahren", so Franck weiter. Seiner Frau habe er gesagt, abzusteigen.

    "Ich war wie in Trance. Ich wusste nicht, was ich tat, doch es gelang mir, mich an die Tür zu hängen", erinnerte sich Franck. Das Fahrerfenster sei geöffnet gewesen.

    "Ich habe ihn mehrmals mit meiner ganzen Kraft geschlagen", sagte Franck. Der Attentäter habe eine Waffe in der Hand gehalten, die zu Glück aber Ladehemmung gehabt habe.

    "Ich war bereit zu sterben, um ihn aufzuhalten." Franck versuchte, den Attentäter aus dem Fenster zu ziehen. Doch dann habe der Terrorist ihm mit der Waffe auf den Kopf geschlagen. Daraufhin musste Franck die Tür loslassen.

    Schlimmer als die körperlichen Wunden, die er davongetragen hat, sind jedoch die Bilder des Blutbads, die Franck immer noch vor Augen stehen.
    Bei dem Anschlag von Nizza waren 84 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 100 wurden verletzt, Dutzende davon schwer.

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