14:52 18 November 2017
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    Nach schrecklicher Tragödie in München

    „Wir können unsere Kinder nicht schützen“ – Münchner nach Amoklauf unter Schock

    © AP Photo/ Jens Meye
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    Schießerei in München (41)
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    Einen Tag nach dem Amoklauf mit zehn Toten am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) hat eine Sputnik-Korrespondentin den Tatort besucht und mit Anwohnern gesprochen, die dort Blumen für die Opfer niederlegen. Viele können noch immer nicht fassen, dass der Anschlag in ihrem unmittelbaren Umfeld geschehen ist.

    „Ich bin schockiert und fassungslos“, sagt eine Anwohnerin. Sie sei am Freitagabend von Freunden informiert worden, dass sie nicht ins OEZ gehen solle. „Und ich hatte eigentlich noch vor, hierher zu kommen mit dem Kleinen.“ Sie habe natürlich Angst bekommen, sagt die Frau weiter. „Gleich Fenster und Türen — alles verschlossen. Ich war froh, dass mein Mann zu Hause war.“

    „Unsere Kinder halten sich eigentlich täglich hier auf. Sie gehen hier Eis essen oder sich was kaufen“, sagt ein Mann, der in der Nähe wohnt. Er selbst sei auf dem Weg von der Arbeit gewesen, als er von der Schießerei gehört habe.

    „Vor dem heutigen Tag war ich noch überzeugt, dass ich an einem sicheren Ort lebe. Das hat mich erschüttert“, erzählt er. Für ihn persönlich sei das eine „Katastrophe“, aber er möchte den Behörden keine Vorwürfe machen: Wenn sich ein Mensch dafür entscheide, sich selbst und andere zu töten, könne man weder die ganze Gesellschaft noch die Polizei noch die Ärzte dafür verantwortlich machen.

    „Das ist unser Zuhause, unser Viertel, wir sind hier jeden Tag unterwegs“, sagt eine weitere Anwohnerin und bricht in Tränen aus. „Wir haben große Angst um unsere Kinder, denn wir können sie vor solchen Sachen nicht schützen.“

    „Alle anderen Anschläge waren so weit weg und jetzt ist es auf einmal so nah“, so ein Augsburger, der gekommen war, um Blumen niederzulegen und Anteil zu nehmen. Er mache sich als Familienvater Gedanken um die Sicherheit, glaube aber nicht, dass eine Aufstockung des polizeilichen Sicherheitsaufgebots gegen solche Einzeltäter helfen würde. „Denn sie sitzen allein in ihrem Zimmer und brüten so was aus. Da kann nicht einmal die größte Sicherheitsfirma oder eine größere Polizei ‘was dagegen machen.“

    Der 18-jährige Schüler David S. hatte bei einem Amoklauf am Freitag im Nordwesten von München neun Menschen erschossen und 35 weitere verletzt. Der Amokläufer versetzte die ganze Stadt in Angst: Der öffentliche Verkehr lag stundenlang still, der Hauptbahnhof wurde geräumt, die Polizei rief alle Münchner dazu auf, öffentliche Straßen und Plätzen zu meiden. Der Täter floh vom Tatort und nahm sich anschließend das Leben.

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