03:33 08 Dezember 2019
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    Französische Polizei nach Kirchen-Geiselnahme in Normandie

    Morden, Geiseln nehmen und Drogen schmuggeln geht auch mit Fußfessel - Experte

    © REUTERS / Pascal Rossignol
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    Einer der Terroristen, die bei einer Geiselnahme in der Normandie einen Priester getötet hatten, ist seit längerem per elektronischer Fußfessel überwacht worden, wie der Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins in Paris sagte. Das wirft nun viele Fragen auf, wie Terrorexperte Alain Rodier im Sputnik-Interview sagte.

    Wenigstens der Attentäter Adel Kermiche sei der Polizei als Anhänger der Terrormiliz Daesh (auch „Islamischer Staat“, IS) bekannt gewesen und mit einer elektronischen Fußfessel überwacht worden. Dem Anti-Terror-Staatsanwalt zufolge hatte der Angreifer zuvor zweimal versucht nach Syrien zu reisen. Beim ersten Mal sei er in Deutschland gestoppt worden, beim zweiten Versuch in der Türkei. Anschließend hatte ihn Ankara nach Frankreich ausgeliefert, weil er die französische Staatsbürgerschaft besaß. Aus der U-Haft kam er dort schnell frei.

    Dem Experten für Terrorismus und organisierte Kriminalität, Alain Rodier, zufolge bleibt nach diesem Vorfall vor allem eine Frage: „Was soll die französische Justiz mit diesen elektronischen Fußfesseln tun?“ Französische Gefängnisse seien überfüllt, darum wolle man die Türen öffnen und Verbrecher mit Fußfesseln entlassen.

    „Es gibt Menschen, die vielleicht hinter Gittern bleiben müssen, doch es gibt auch solche, die mit einer Fußfessel eine begrenzte Freiheit genießen können“, so Rodier. Gleichzeitig räumte er ein, dass diese Frage zunächst gründlich untersucht werden müsse. Denn diese elektronischen Fußfesseln hätten zum Beispiel dem Drogenhandel nie im Wege gestanden. „Eine Person mit einer Fußfessel kann diese Tätigkeit (Drogenhandel – Anm. d. Red.) in hervorragender Weise fortsetzen“, so der Experte. Deswegen müsse man sich mit dieser Frage ganz in Ruhe auseinandersetzen, was in der aktuellen Lage jedoch kaum möglich sei.

    Am Dienstag hatten zwei mit Messern bewaffnete Männer in einer Kirche in der französischen Normandie fünf Menschen als Geiseln genommen. Die Geiselnehmer wurden von den Polizisten erschossen. Unter den Geiseln waren der Priester, zwei Nonnen und zwei Kirchgänger. Französischen Medienberichten zufolge soll einer der Geiselnehmer dem 86-jährigen Priester die Kehle durchgeschnitten haben.

    Die Terrormiliz Daesh bekannte sich zu der Kirchen-Geiselnahme.

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    Tags:
    Fußfessel, Justiz, Attentäter, Kirche, Gefängnis, Terrormiliz Daesh, Normandie