15:39 17 Juni 2019
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    Anhänger der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA)  in Lwiw

    UPA-Agitation in Polen: Ukrainische Nationalisten sollten Frauen und Kinder morden

    © Sputnik / Petr Sadoroshny
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    Polnische Bauarbeiter haben bei Erdarbeiten in der Stadt Chochlow (Woiwodschaft Ljublin) im März dieses Jahres historische Dokumente der nationalistischen Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) gefunden, die den Aufruf enthalten, polnische Frauen und Kinder zu töten, wie die polnische Zeitung „Dziennik Wschodni“ mitteilt.

    Die Dokumente sollen Agitationsmaterial enthalten, die unter anderem dazu auffordern, falls nötig, die örtliche ukrainische Bevölkerung vor polnischen Banditen zu schützen. Die Ukrainer sollen aufgerufen worden sein, ihre polnischen Ehemänner oder –Frauen zu töten. Darunter seien auch Briefe, Hinweise und Aufrufe. 

    Die in einer Dose deponierten Unterlagen wurden laut dem Blatt zuerst an die Polizei, dann an das Institut für Nationales Gedenken (IPN) übergeben. Dort solle nun geklärt werden, wie die Runddose in Chochlow vergraben werden konnte. Auch Verwandte, Nachfahren oder Bekannte der in den Unterlagen erwähnten Menschen sollen aufgefunden werden. 

    Am 22. Juli hatte das polnische Parlamentsunterhaus (Seim) den 11. Juli zum Nationalen Gedenktag für die Opfer des Völkermordes an den Polen in den Jahren 1943 bis 1945 durch ukrainische Nationalisten erklärt.

    Zuvor hatte der Auswärtige Ausschuss der Werchowna Rada (ukrainisches Parlament) mitgeteilt, dass die Einstufung der Wolhynien-Massaker als Völkermord durch das polnische Unterhaus alle konstruktiven politischen und diplomatischen Vereinbarungen zwischen der Ukraine und Polen zum Scheitern bringe.

    Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erklärte, er bedauere den oben genannten Beschluss des polnischen Unterhauses, und rief die Völker zur gegenseitigen Vergebung auf.

    Im Jahr 1943 war die UPa im Kampf gegen die Sowjetunion gegründet worden. Im Februar 1943 haben die ukrainischen Nationalisten mit der Vernichtung der polnischen Bevölkerung in Wolhynien begonnen. Am 11. Juli erreichten die Massaker ihren tragischen Höhepunkt: Hunderte polnische Siedlungen wurden angegriffen, wobei rund 100 000 Menschen ermordet wurden – hauptsächlich Frauen, Kinder und ältere Menschen.

    Anlässlich des 70. Jahrestages der Tragödie von Wolhynien hatte der polnische Sejm eine Resolution verabschiedet, die die damaligen Ereignisse als „ethnische Säuberungen mit Anzeichen eines Völkermordes“ bezeichnete.

    Im Jahr 2015 hatte das ukrainische Parlament die Tätigkeit der OUN und der UPA als „Kampf für die Unabhängigkeit der Ukraine“ anerkannt. Eine der zentralen Straßen Kiews – früher nach der russischen Hauptstadt als Moskauer Prospekt benannt – trägt inzwischen den Namen Stepan Banderas, eines ukrainischen UPA-Nationalistenführers.

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    Völkermord, Massaker, Werchowna Rada, nationalistische Ukrainische Aufständische Armee UPA, Institut für Nationales Gedenken IPN, Dziennik Wschodni, Petro Poroschenko, Ukraine, Polen