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11:44 21 Oktober 2019
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    OSZE-Beobachter in Ukraine

    „Dumpf, stumm und blind“: NYT-Reporter berichtet von OSZE-Mission im Donbass

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    Eingefrorener Donbass-Konflikt (2016) (142)
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    Sobald sich die Nacht über die Erde legt, klappen die OSZE-Beobachter ihre Laptops zu, steigen in die weiß-blauen Toyotas ein und fahren weg. So beschreibt der New-York-Times-Journalist Andrew E. Kramer seine Eindrücke von der Frontlinie im Osten der Ukraine.

    „Wir nennen sie dumpf, stumm und blind“, teilte eine Armee-Krankenschwester dem Journalisten mit. Jeden Abend beobachteten die Einwohner von Awdejewka, 17 Kilometer von Donezk entfernt, das gleiche Ritual: Sobald es dunkel werde, würden die Beobachter der OSZE-Sondermission von der Frontlinie verschwinden. Genau in dem Moment begannen dann die Kampfhandlungen.

    „Ich sehe sie in der Nacht nie“, erzählte die Einwohnerin Tatyana Petrova dem Journalisten. „Abends schaue ich aus dem Fenster und sie sind weg, und dann beginnt das ‚Konzert‘“. Gleichzeitig wird auf zwischenstaatlicher Ebene ernsthaft die Frage erörtert, ob die Beobachter nicht doch Ferngläser benutzen sollten.

    „Wir müssen keine menschlichen Schutzschilder sein“, rechtfertigt sich dagegen ein OSZE-Beobachter.

    Kramer zufolge hatten die Beobachter allein an einem Tag, an dem er sich mit an der Frontlinie befand, den Tod von drei und die Verletzung von 16 ukrainischen Soldaten verpasst. Wie viele von Aufständischen und Zivilisten in dieser Zeit ums Leben kamen, entziehe sich des Journalist Kenntnis.

    In der ostukrainischen Kohleindustrieregion Donbass (Donezbecken) herrscht seit Frühjahr 2014 Krieg. Der Auslöser war der gewaltsame Umsturz vom Februar 2014 in Kiew, bei dem die ukrainische Opposition die Macht übernahm und eine von Nationalisten geprägte Übergangsregierung stellte. Die neue Regierung schickte Truppen gegen die östlichen Gebiete Donezk und Lugansk, weil diese den dubiosen Machtwechsel nicht anerkannt und zuerst mehr Selbständigkeit gefordert und dann unabhängige „Volksrepubliken“ ausgerufen hatten.

    Bei Gefechten zwischen der regulären Armee und nationalistischen Freiwilligenbataillonen auf der einen und den lokalen Volksmilizen auf der anderen Seite sind laut UN-Angaben mehr als 9.000 Menschen getötet worden. Rund 1,5 Millionen Einwohner flüchteten vor dem Krieg teils ins benachbarte Russland, teils in die zentrale und westliche Ukraine. Seit September gilt im Donbass eine Waffenruhe, die jedoch immer wieder verletzt wird.

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    Journalist, Verletzte, Tod, Soldaten, Frontlinie, Beobachtermission, OSZE, Donbass