03:30 14 Juli 2020
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    Die Berliner Verkehrsbetriebe reißen in ihrer aktuellen Werbekampagne gerne Sprüche und sehen das Leben locker. In den Social Media fühlen sich viele von dieser Werbung unterhalten, manche äußern aber auch Kritik. Wir haben uns mit der Pressesprecherin der BVG Petra Reetz darüber unterhalten.

    Dass die BVG die Berliner liebt, wissen diese mittlerweile. Dass diese Liebe auf Twitter einen Shitstorm ausgelöst hat, ist auch bekannt. Aber mit dem viralen Werbeclip „Ist mir egal“ in Zusammenarbeit mit dem Youtubestar Kazim Akboga hat die BVG 2015 neuen Fahrtwind aufgenommen.

    Seitdem segelt die BVG mit einem Augenzwinkern in die Regionen, in denen sie ihren geliebten Berliner am meisten vermutet: In die Fahrwasser der lustig-ruppigen Sprüche und der farbenprächtig aufgestylten Bilder. Dabei spielt die BVG mit manchem Klischee rund um den Berliner. Dazu gehört auch eine verwackelte Perspektive:

    Ob es sich hier um ein Spiel mit der vielfach kritisierten Abbildung des Brandenburger Tors in den BVG-Bahnen handelt oder um die Sicht eines sehr alkoholisierten Menschen, bleibt offen – es ist wohl eine Kombination von beidem.

    Aber auch die lässige Haltung der Berliner zur Sexualität kommt auf den Plakaten immer wieder zum Tragen. So macht die BVG seit neustem darauf aufmerksam, dass Tiere in ihren Fahrzeugen kostenlos mitfahren können. Wie sie das macht? Sie zeigt auf dem Plakat einen Mops, den die Besitzerin in einen Haifischanzug gezwängt hat und die Unterschrift dazu lautet: „Du musst deine Möpse nicht verstecken.“

    Diese Kombination von Text und Bild sehen manche mit Humor

    und manche begegnen ihr skeptisch

    Die Pressesprecherin der BVG erklärt das Plakat in einem Sputnik-Interview mit Valentin Raskatov mit den Worten:  „Sie können bei uns mit einem kleinen Hund fahren und brauchen für ihn nicht zu bezahlen. Wie Sie ja wissen, müssen Sie sonst für einen Hund ein Ticket lösen. Das ist die Aussage. Und was dann gesehen oder gehört wird, das passiert natürlich in den Köpfen der Leute. Und wir erleben, dass es viele sehr witzig finden, wir erleben auch, dass einige Leute empört sind.“

    Zwar sei die Zweideutigkeit der Plakate intendiert, aber das Ziel sei es, miteinander zu lernen, die Dinge lockerer zu sehen: „Wir versuchen mit der Kampagne zu signalisieren: Leute nehmt euch nicht so ernst und wir nehmen uns auch nicht so ernst. Nicht immer alles so verbissen sehen und vielleicht einmal auch einfach über eine Sache lachen können im Miteinander.“

    Auf einem anderen Plakat sind zwei weiblich gestylte Männer mit Bärten à la Conchita Wurst zu sehen und darunter steht: „Wer schwarz fährt, muss Eier haben.“

    Auch hier fallen die Meinungen unterschiedlich aus:

     

    Für diese Abbildung hat Reetz auch eine Erklärung parat: „Für Eierhaben gibt es zwei Bedeutungen. Einmal heißt Eierhaben: Du musst dich was trauen. Und das andere Mal gibt es in Berlin auch einen Ausdruck für Geld – und der heißt auch Eier. Das hat was mit dem Berliner Dialekt zu tun. Und das ist im Prinzip so beim Schwarzfahren: Entweder musst du ganz schön kühn sein – das kostet nämlich 60 Euro – oder du hast zu viel Geld. Das ist möglicherweise wirklich ein lokaler Insiderwitz. Da wir aber ein Berliner Unternehmen sind und auch nur in Berlin fahren, sind wir einmal davon ausgegangen, dass die Leute darüber lachen. Und witziger Weise haben wir zu diesem Plakat, glaube ich, nicht eine einzige Beschwerde bekommen.“

    Dass man die Dinge locker sehen sollte, begründet Reetz auch anhand der BVG selbst: „Sehen Sie, ich arbeite in einem Unternehmen mit rund 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Bei uns ist jede Nation vertreten, bei uns ist jede Religion vertreten und bei uns ist ganz sicher auch jede Art von sexuellen Vorlieben, die es auf dieser Welt gibt, vertreten.“ Trotz oder gerade wegen dieser bunten Mischung ist, so Reetz, sei die Kampagne auch innerhalb der BVG auf große Zustimmung gestoßen.

    Ein weiterer Grund für die geforderte Lockerheit liege aber ebenfalls in manchem unangenehmen Ereignis in den Straßen Berlins.  „Was Sie vielleicht auch nicht wissen: Es gibt immer wieder Übergriffe auf unsere Mitarbeiter. Also, der Bus kommt zu spät und der Busfahrer kriegt eine in die Fresse. So ein bisschen ist das auch die Botschaft: Kommt, Leute – wir geben uns Mühe und wir bieten euch eigentlich einen ziemlich guten öffentlichen Nahverkehr – das muss uns erst einmal einer nachmachen – der funktioniert rund um die Uhr, wir bringen dich auch mitten in der Nacht nach Hause.“

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    Tags:
    BVG, Berlin