11:24 19 Juli 2018
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    Panzer der türkischen Armee in Istanbul

    Putsch in Türkei, Westen und Tweets – Medienspekulationen

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    Putschversuch in der Türkei (231)
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    Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei und der Verbreitung einer Falschmeldung über Erdogans angeblichen Asylantrag in Deutschland ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan – und ebenso die türkische Bevölkerung – der Meinung, dass die Putschisten von ausländischen Staaten unterstützt worden sind, wie Die Welt berichtet.

    „Bedauerlicherweise unterstützt der Westen den Terrorismus und den Putsch", erklärte am Dienstag der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in einer Fernsehansprache, in deren Rahmen er auch Vorwürfe gegen die deutsche Justiz, die EU und die USA richtete. Dieser Auffassung seien auch 72,6 Prozent der türkischen Bevölkerung, wie eine auf der „Welt" veröffentlichte Umfrage ergab. Zudem verweisen viele Türken darauf, dass der oppositionelle Prediger Fethullah Gülen seit Ende der neunziger Jahre in den USA lebe und Washington sich weigere ihn auszuliefern.

    Mit Falschmeldungen habe der Westen den Verlauf des Putsches beeinflussen, womöglich gar Erdogans Aufruf an die Bevölkerung stoppen wollen. Als Beweis dafür gilt die Nachricht, Erdogan hätte in Deutschland einen Asylantrag gestellt.

    Der US-amerikanische private Informationsdienst Stratfor schrieb am Abend des Putsches: „US-Militärquellen zufolge beantragt Erdogan politisches Asyl in Deutschland, berichtet MSNBC." Aber in Wirklichkeit verbreitete die Information, die sich später als Falschmeldung herausstellen sollte, nur ein Mitarbeiter des Senders namens Kyle Griffin, der diesen Tweet bereits löschte.

    ​In den ersten Stunden der Putschnacht ging die Nachricht um die Welt: In Deutschland  twitterte auch  Spiegel-Online schon um 23.46 Uhr mitteleuropäischer Zeit diese Falschmeldung:

    ​Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Erdogan 20 Minuten vorher per Facetime über CNN-Türk an die türkische Bevölkerung gewandt und sie dazu aufgerufen, sich den Putschisten entgegenzustellen,  und damit entscheidend in den Verlauf des Putsches eingegriffen.

    Das Privatunternehmen Stratfor griff die Asylmeldung erst auf, als Erdogan bereits gesprochen hatte. Unkommentiert verbreitete der Dienst hintereinander Erdogans Aufruf an die Bevölkerung (23.39 Uhr MEZ), die Meldung, dass er in Deutschland Asyl beantragt habe (23.43 Uhr MEZ) und wieder den Aufruf (23.49 Uhr MEZ). Die türkische Botschaft in Washington verlangt nun eine Entschuldigung des Senders.

    In der Nacht auf den 16. Juli hatte eine Gruppe von Verschwörern den Versuch eines Staatsstreichs in der Türkei unternommen. Die Konfrontation fand hauptsächlich in Ankara und Istanbul statt. Laut jüngsten Angaben kamen dabei 246 Staatsbürger (exklusive der Verschwörer) ums Leben. Mehr als 2000 Menschen wurden verletzt. Der Putschversuch wurde unterdrückt.

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    Tags:
    Staatsstreich, twitter, Putschversuch, Recep Tayyip Erdogan, Europa, Türkei, USA
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