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    „Hipper Bestandteil moderner Gesellschaft“: Vegane Schwangerschaft – pro und contra

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    Steckt in der veganen Ernährung bei Schwangeren tatsächlich ein Risiko für Neugeborene? Oder hat der Veganismus in der Schwangerschaft gar Vorteile? Der Gynäkologe und Wissenschaftler Prof. Dr. Andreas Ebert sieht hier ein Unentschieden.

    In der faktenbasierten Medizin lässt sich nicht nachweisen, ob die vegane Ernährung in der Schwangerschaft besonders gut oder besonders schlecht ist, sagt der Prof. Ebert. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass Veganismus in der Schwangerschaft besondere Vorteile hat. Es gibt gleichzeitig nur wenige Hinweise, die zeigen, dass es zu einem signifikant niedrigeren Geburtsgewicht bei der veganen Mutter kommt. Anhand aktueller Studien, wie die etwa im British Journal of Obstetrics and Gynaecology nachzulesen ist, sieht es daher eher nach einem Unentschieden aus“.

    via GIPHY

    Ob nun Fleischesser, Vegetarier oder Veganer: In der Schwangerschaft kommt es auf eine kluge Ernährung an, so Prof. Dr. Ebert im Interview mit Sputnik-Korrespondentin Anne-Kathrin Glück. „Die vegane Ernährung bei Schwangeren ist ein sehr hipper Bestandteil in unserer modernen Gesellschaft. Man kann im Prinzip sagen, dass die vegane Ernährung, wenn sie klug gemacht wird, keinen negativen Einfluss auf Schwangere und Schwangerschaft hat.“

    Laut des Arztes ist der Standpunkt, wonach Frauen für ihr Ungeborenes mitessen müssen, längst überholt. Er sagt aber auch, dass die empfohlene Menge von 300 Kalorien pro Tag in der Schwangerschaft durch rein vegane Ernährung schwierig zu erreichen ist. „Befürchtete Mangelerscheinungen treten relativ schnell auf, wenn Frauen kein Vitamin B12 zu sich nehmen. Jene Vitamine sind oft tierischen Ursprungs. Genauso verhält es sich mit Omega-3-Fettsäuren. In der Schwangerschaft ist außerdem die Zunahme von Fetten und Proteinen notwendig. Sobald das Wachstum exponentiell einsetzt,  müssen natürlich auch Eiweiße ran. Veganen Frauen rate ich daher zu Hülsenfrüchten, Linsen, Bohnen, Erbsen, Kichererbsen, Nüssen, Soja-Produkten.“

    Der Gynäkologe fährt fort: „Hinzu kommt, dass viele Frauen schon am Anfang ihrer Schwangerschaft eine leichte Anämie aufweisen. Doch auch hier kann man den Mangel durch Eisenpräparate substituieren. Blattfrüchte können im Zusammenhang mit Vitamin C viel erreichen. In der Stillzeit gelten dieselben Regeln, denn die entscheidenden Substanzen der Ernährung, also die Energielieferanten wie Proteine, Fette und Zusatzstoffe wie Vitamine, Eisen und Folsäure sind milchgängig.“

    Der Wissenschaftler sieht in der aktuellen Debatte über das Gute und Schlechte des Veganismus in der Schwangerschaft starke Parallelen zur Unterernährung von Schwangeren im Krieg. Am Ende des Zweiten Weltkriegs mangelte es in Deutschland an allem. So blieb vielen Frauen und Kindern nichts anderes übrig, als sich ausschließlich von Pflanzen und Bodenfrüchten zu ernähren. „Man aß im Kriegswinter beispielsweise Brennnesseln oder Kartoffeln und kein Fleisch und kein Fett. Die Kinder im Bauch der Schwangeren haben darunter keine Not gelitten. Es gibt Untersuchungen, dass die damaligen Geburtsgewichte nicht signifikant niedriger waren, als beispielsweise in den 1950er Jahren“, argumentiert der Experte.

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    Tags:
    Vegan, Andreas Ebert