22:12 19 Juni 2018
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    Dorfbewohnerinnen in Dagestan

    Dagestans Mufti: Frauenbeschneidung nicht nötig, aber Kampf gegen „Unzucht“ tut not

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    Das Mitglied des Präsidentenrates für Zusammenwirken mit religiösen Vereinigungen und der Chef des Koordinierungszentrums der Muslime des Nordkaukasus, Ismail Berdijew, hat seinen Aufruf zur Beschneidung aller Frauen zurückgenommen, berichtet Dni.ru am Mittwoch.

    „Ich rufe nicht dazu auf, die Frauen zu beschneiden: Der Islam schreibt das nicht vor, und das ist unmöglich. Ich spreche über das Problem der Unzucht, darüber, dass dieses Problem existiert und dass dagegen etwas getan werden muss“, sagte der Mufti am Mittwoch.

    Berdijew fügte hinzu, es sei „einfach unmöglich“, alle Frauen dieser Prozedur zu unterziehen.

    Wie der Mufti ebenfalls am Mittwoch erklärt hatte, sei es notwendig, alle Frauen zu beschneiden, damit es „keine Unzucht auf der Erde“ gebe. Dem islamischen Kanon zufolge habe Gott die Frau erschaffen, damit sie Kinder zur Welt bringe und erziehe, und die Beschneidung beeinflusse keinesfalls diese Funktionen, so Berdijew.

    Am vergangenen Montag hatte der Mufti gesagt, die Frauenbeschneidung, die in den dagestanischen Dörfern praktiziert wird, sei unschädlich für die Gesundheit. Diese Operation sei notwendig, um „das weibliche Temperament zu zähmen“.

    Die Menschenrechtsorganisation „Rechtliche Initiative“ hatte am selben Tag einen Bericht über die Frauenbeschneidung in Hochgebirgs- und entlegenen Gebieten Dagestans veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass diese Operationen unfachmännisch und unter unhygienischen Bedingungen durchgeführt werden. Operiert werden vorwiegend Mädchen unter drei Jahren. Das Ziel des Eingriffs ist es, die Empfindlichkeit der Genitalien zu verringern, um ein „unmoralisches Verhalten“ der Frau in Zukunft auszuschließen.

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