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04:07 14 Oktober 2019
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    Beerdigung von Opfern des Bombenanschlags in Gaziantep

    Opfer des Gaziantep-Anschlages: „Möge Allah die Täter bestrafen!“

    © REUTERS / Osman Orsal
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    Hochzeitsgäste, die am Samstagabend ihre Angehörigen bei einem Terroranschlag im türkischen Gaziantep verloren hatten, haben die Details der Tragödie gegenüber Sputnik Türkei wiedergegeben.

    Die Einwohnerin von Gaziantep, Emine Ayhan, hat bei dem Anschlag vier Kinder verloren. Ihr Ehemann wird zurzeit im schweren Zustand auf einer Intensivstation behandelt. „Das war die Hochzeit eines unserer nahen Verwandten", erzählt sie. „Ich betrat das Haus, um Wasser zu trinken. Plötzlich ertönte eine starke Explosion. Ich dachte zuerst, eine Feuerwerksalve sei so stark gewesen. Ich lief aus dem Haus hinaus und sah alles rundum voller Blut; überall lagen Leichen auf dem Boden. Ich begann nach meinen Kinder zu suchen, aber sie waren tot. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch in dem Moment. Es wurde dunkel vor meinen Augen. Nur eines meiner fünf Kinder blieb am Lеben. Wäre es nicht am Leben, würde ich Selbstmord begehen, da dieser Schmerz unerträglich ist."

    Die Tochter, der Onkel und der Vetter der 48-jährigen Gule Bayhan kamen bei dem Terroranschlag am Samstagabend ebenfalls ums Leben. „Als sich die Explosion ereignete, waren wir im Haus. Wir liefen in den Garten und sahen überall Tote und Verletzte. Das war schrecklich. Ich konnte meine Tochter nicht finden. Ich kam ins Krankenhaus, wo man mir sagte, mein Onkel und sie seien tot. Mein Mädchen war verlobt, in Kürze sollte sie heiraten. Wie soll ich jetzt ohne sie weiterleben? An jenem Abend habe  ich acht Verwandte verloren. Möge Allah die Leute bestrafen, die diese Gräueltat verübt haben. Die Täter müssen ermittelt werden. Man muss dieses Blutvergießen, diesen Alptraum stoppen!" sagte sie.

    Halime Alparslan
    © Sputnik / Hikmet Durgun
    Halime Alparslan

    Halime Alparslan, die ihren 13-jährigen Sohn verlor, konnte sich der Tränen nicht erwehren: „Ich habe meinen Sohn auf meinen Armen ins Krankenhaus getragen. Die Ärzte sagten zuerst, er sei schwer verletzt. Dann aber wurde mir gesagt, er sei tot. Das ist das Ende. Das Leben hat keinen Sinn mehr für mich. Mein Sohn ging in die Schule, er war noch ganz klein. Wie konnten sie ihn töten? Wofür? Was für eine Barbarei, was für eine Brutalität ist das! Wie konnte man es übers Herz bringen, ganz unschuldige Kinder zu töten?"

    Die vierjährige Semanur Ayhan wurde mit Arm- und Beinverletzung ins Krankenhaus gebracht. Das Mädchen stand noch unter Schock, konnte aber einige Details der Tragödie nennen: „Ich spielte mit meinen Freundinnen im Garten. Plötzlich kam es zu einer starken Explosion. Ich hatte Angst und fiel zu Boden. Ich fing an zu weinen und nach meiner Mutti zu rufen. Mutti lief auf mich zu, sie weinte. Dann nahm man mich auf die Arme und brachte mich ins Krankenhaus."

    Semanur Ayhan
    © Sputnik / Hikmet Durgun
    Semanur Ayhan

    Ihr Bein tue ihr sehr weh, es sei ihr traurig zumute im Krankenhaus und sie habe Angst, klagt die Kleine. Sie wolle möglichst schnell wieder gesund werden, um nach Hause zurückzukehren und ihre Geschwister wiederzusehen. „Ich vermisse meine Mutti. Meine Geschwister sind auch verletzt. Mutti sagte, einige von ihnen sind auch in diesem Krankenhaus, aber zwei von meinen Brüdern sind in einem anderen Krankenhaus. Mutti geht zu ihnen, und dann kehrt sie wieder zu mir zurück, ich möchte aber, dass sie länger bei mir sitzt."

    Bei einem Bombenanschlag auf eine Hochzeitsfeier in der türkischen Provinzhauptstadt Gaziantep wurden 54 Menschen getötet. Mehr als 100 Hochzeitsgäste wurden verletzt, viele davon schwer. Die türkischen Behörden haben den Vorfall als Terroranschlag eingestuft. Präsident Recep Tayyip Erdogan zufolge soll der Selbstmordattentäter zwischen zwölf und 14 Jahre alt gewesen sein.

     

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    Tags:
    Interview, Opfer, Terroranschlag, Gaziantep, Türkei