12:02 06 April 2020
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    Das angeblich von Allergien bis zum Krebs alle Krankheiten heilende Mineral Zeolith stammt vorrangig aus Serbien, aber auch aus dem benachbarten Kosovo. Zwei serbische Experten erläutern im Sputnik-Interview: Die Heilwirkung ist umstritten und die Vorkommen im Kosovo sind Ende der 1990er Jahre von der Nato mit Uranmunition beschossen worden.

    Wie Dragan Stevanovic, Sekretär des Verbandes der Chemie-, Gummi und Nichtmetall-Industrie der serbischen Industrie- und Handelskammer, erläutert, befindet sich der serbische Zeolithe-Markt „in einem chaotischen Zustand". Klinoptilolith werde lediglich in einem serbischen Gesetz  für Futter- und Lebensmittel erwähnt, die medizinische Verwendung des Minerals regele weder serbisches noch europäisches Recht, obwohl es doch immer häufiger auch zu medizinischen Zwecken verwendet werde. Das Vulkanmineral  wird bereits in Apotheken, Biosupermärkten und sogar von Privatpersonen auf der Straße angeboten.

    Die Zeolith-Vorräte in Serbien seien jedoch noch nicht genügend erforscht, um die steigende Nachfrage zuverlässig zu decken. Zurzeit werde lediglich in  Igrosch unweit der Stadt Brusch abgebaut, wo zwei Tonnen Zeolith jährlich gefördert würden, so Stevanovic. Gleichzeitig lagerten gemäß jüngsten Untersuchungen noch weitaus größere Vorkommen nahe Vranje. Auch in der Nähe von Belgrad komme das „Heilmineral" vor, vermutlich jedoch in schlechterer Qualität.

    Neben neun Arten natürlicher Zeolithe gebe es mittlerweile allerdings auch schon 3200 künstlich hergestellte Analoga, die weitaus effektiver seien, sagt Borivoje Adnadjevic, Professor an der Fakultät für physikalische Chemie der Universität Belgrad. Natürliche Zeolithe würden allein darum häufiger benutzt, da sie bedeutend billiger seien. Zu medizinischen Zwecken werde vor allem der sogenannte Klinoptilolith angewandt, ein natürlicher Zeolith, der später einer speziellen Bearbeitung unterzogen werde. 

    Aber egal, ob als Futter- oder Heilmittel, ganz unabhängig von der umstrittenen Wirkungsweise, ist die Verwendung der Stoffe gefährlich — aus mehreren Gründen. „Es gibt keine Gesetze, keine Regelwerke, keine Kontrollen. Zeolith wird sowohl als Baustein, als auch Straßenbaustein oder  künstlicher Stein eingeführt. Es gibt überhaupt keine Kontrolle auf unserem Markt", kritisiert Stevanovic von der serbischen IHK.

    Forscher Adnadjevic ergänzt dazu: „Ich habe einmal an einer dreijährigen Studie teilgenommen,  bei der die Verwendung des natürlich vorkommenden Zeoliths als Zusatzstoffe in Futtermitteln und sogenannte Additive in der Landwirtschaft erforscht wurde." Die Ergebnisse hätten die Wissenschaftler „im äußersten Maße" überrascht  und sie dazu veranlasst, von der Verwendung von Zeolith überhaupt abzusehen: „Beispielsweise hatten 20 von 100 Versuchsschweinen zwar ein Gewicht  von 120 Kilogramm erreicht, hatten dabei aber kein Gramm Fett an sich. Dafür litten alle 100 Tiere an Nierensteinen und Haarausfall. Was am schlimmsten ist, diese Auswirkungen werden auf die Nachkommen übertragen. Ich möchte betonen, dass sich die Zeolith-Verwendung beim Anbau von Kulturpflanzen am schlimmsten ausgewirkt, obwohl Zeolith einige Viren und Bakterien tötet."

    Außerdem könne es durchaus auch sein, dass sogar selbst Krebs erregende Zeolithe auf den Markt kommen könnten, so Stevanovic: „Wir haben  vom geologischen Dienst Informationen erhalten,  dass im Kosovo kanzerogene Zeolithe aufgetaucht sind, und dass diese auf illegalem Wege unseren Markt erreichen können." Die „Wunderheilwirkung" der Minerale betrachtet Stevanovic kritisch: „Ich habe persönlich gesehen, wie auf der Straße Minerale verkauft werden, die nach Erdbeere, Himbeere oder anderen Beeren schmecken und alle Krankheiten heilen sollen, wobei die Verkäufer keine Papiere über deren Herkunft haben."

    Zeolith sei zum Ionenaustausch fähig, erklärt der Forscher Adnadjevic. Das bedeute, dass das Mineral verschiedene Stoffe binden und auch wieder abgeben kann. An sich sei er nicht kanzerogen, im Ergebnis des Ionenaustausches könne er allerdings durchaus radioaktiv werden. Durch die Nutzung von Munition mit abgereichertem Uran im Kosovo-Krieg durch die Nato-Kampfflieger seien zudem Wasser und Boden in Kosovo verunreinigt worden. Zeolith könne ja alle Schadstoffe in sich aufnehmen — also auch die radioaktiven. „Übrigens  wurde Zeolith zur Beseitigung der Folgen der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl verwendet. Wenn Zeolith Radionuklide an zieht, wird auch er selbst krebserregend", ergänzte Adnadjevic.

    Die beiden Experten ziehen folgendes Fazit: Auf die Einnahme von Zeolith zu medizinischen Zwecken müsse verzichtet werden, solange es keine klaren Gesetze und Regeln zu den Mineralstoffen gebe, so Stevanovic. Das Mineral sei als Adsorptionsmittel bei einer Vergiftung nützlich, werde in diesen Fällen jedoch auch nur wenige Tage eingenommen. Eine längere Behandlung berge große Risiken in sich.

    Und laut Adnadjevic ist die „Krebsheilung per Zeolith" auch nur ein Wunschtraum: „Es gibt keine Beweise, keine wissenschaftliche Studie, die diese Theorie bestätigt, dass das Mineral tatsächlich Krebszellen vernichten kann."

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    Tags:
    Krieg, Munition, Uran, Krebs, NATO, Kosovo, Serbien