23:38 23 August 2017
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    Regen, Wind und Kälte: Forscher nennen Ursache für verrücktes Sommerwetter in Europa

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    Wissenschaftler von der University of Sheffield in Großbritannien haben eine mögliche Erklärung dafür gefunden, warum die Sommer in Europa immer öfter buchstäblich ins kalte Wasser fallen, wie das Fachmagazin „Climate Dynamics“ schreibt. Die globale Erwärmung treibe diese Entwicklung voran.

    Ein Smalltalk über das Wetter ist den Briten heilig. „Für uns ist das Wetter so interessant, weil es ständig wechselt: Eine Woche herrscht sengende Hitze, die Sonne brennt – in der nächsten Woche gibt es dann Regengüsse und kalte Winde“, schmunzelt Richard Hall von der University of Sheffield. Doch mit seiner Forschung will der Meteorologe ausgerechnet dafür sorgen, dass das Wetter berechenbarer wird: „Unsere Erkenntnisse werden den Wetterfröschen helfen, das Sommerwetter für längere Zeit vorherzusagen“, freut er sich.

    Über dem Nordatlantik herrschen starke Winde: die sogenannten Jetstreams, auch als Strahlströme bekannt. Einer davon – der polare Jetstream – bewege sich nahe des Polarkreises in östliche Richtung. Hingegen verlaufe der subtropische Jetstream am Wendekreis. Stärke und Richtung dieser Winde bestimmen das Winter-Wetter und ermöglichen es den Meteorologen, relativ langzeitige Prognosen darüber zu machen. Im Sommer seien die beiden Windströme hingegen schwächer, weshalb die Wissenschaftler bislang nicht einschätzen konnten, inwiefern diese Winde das Wetter in der warmen Jahreszeit beeinflussen.

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    Richard Hall und seine Forscher-Kollegen sollen nun die Rolle der Jetstreams in der europäischen Wetterküche genauer unter die Lupe genommen haben. Sie haben untersucht, wie sich die Dynamik der Winde über dem Atlantik seit den 1950er Jahren verändert hat, wie das Fachblatt berichtet.

    Ihre Analyse habe gezeigt, so das Journal, dass das Wetter in den Sommermonaten zum Großteil vom polaren Jetstream abhängt: Zu rund 30 Prozent bestimme dieser das Sommerwetter in Europa.

    Der polare Strahlstrom lenke demnach die Hoch- und Tiefdruckgebiete in der Sommersaison. In der Nähe dieser Winde würden Tiefdruckgebiete entstehen, die feuchte und kalte Luft mit sich bringen. Hochdruckgebiete, die für warme und trockene Sommer sorgen, entstünden hingegen in größerer Entfernung zum polaren Jetstream.

    Der Verlauf des Strahlstroms hänge zudem von mehreren Faktoren ab, schreibt das Magazin: Unter anderem von der Fläche des Eisschilds in der Arktis und der Wassertemperatur an der Oberfläche des Atlantischen Ozeans.

    Die globale Erderwärmung und die damit verbundene Schmelze der Polarkappen sowie die Erwärmung des Ozeans sollen dazu geführt haben, dass der polare Jetstream sich inzwischen immer wieder gen Süden verlagert und somit nicht mehr über dem Atlantik, sondern über Großbritannien und Europa verläuft. Das habe dazu geführt, dass die Sommersaisons der letzten 15 Jahre durch Regen und Unwetter geprägt waren, resümieren die Wetterforscher.

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