18:13 14 August 2018
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    Argentinien: „Kostüm-Nazis“ prügeln sich mit jüdischen Kollegen

    © AFP 2018 / Nicolas Tucat
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    Abiturienten der Deutschen Schule Lanus in Buenos Aires haben sich für ein Kostümfest in der argentinischen Stadt Bariloche mit Hakenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen geschmückt. Dabei ist es zu Rangeleien mit Schülern einer jüdischen Schule gekommen, wie die spanische Zeitung El Mundo unter Verweis auf argentinische Behörden meldet.

    Der Vorfall habe sich bereits in der Nacht auf Dienstag in der Disco „Cerebro“ (deutsch: Gehirn), etwa 1.600 Kilometer südwestlich der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, ereignet. Die feiernden Schüler der Deutschen Schule sollen neben Hakenkreuzen auch aufgemalte Schnurrbärte getragen haben, die an den Nazi-Führer Adolf Hitler erinnerten.

    ​Es sei dabei zu Schlägereien mit Schülern einer jüdischen Schule gekommen, die sich ebenfalls in dem Club befanden. Alle Beteiligten sollen daraufhin der Diskothek verwiesen worden sein. Einen Tag später hätten sich die Schüler für ihr Verhalten entschuldigt, hieß es. 

    Die Direktorin der Deutschen Schule, Silvia Fazio, zeigte sich entsetzt und kritisiert, dass eine Entschuldigung keine Schäden reparieren könne. Die Schule habe derweil nichts mit der Fahrt nach Bariloche zu tun.

    Der Referent für Menschenrechte der argentinischen Regierung unter Mauricio Macri, Claudi Avruj, betrachtet nach eigenen Angaben den Vorfall als Zeichen, dass „Bildung den Kampf gegen Antisemitismus noch immer nicht gewonnen hat“.

    „Es ist weder ein Witz noch eine Gunst, dass wir wieder von der Basis ausgehen, die eine Ideologie reflektiert, die in der Ermordung von sechs Millionen Juden gipfelte“, äußert sich auch der Präsident der jüdischen Dachorganisation DAIA (Delegación de Asociaciones Israelitas Argentinas), Cohen Sabben. Da die verantwortlichen Schüler über 16 Jahre alt seien, könne ihnen nach argentinischem Recht eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren drohen, warnt Sabben.

    ​Bariloche ist ein beliebter Urlaubsort für Touristen und auch Ziel vieler Klassenfahrten in Argentinien. 1994 wurde bekannt, dass sich dort vier Jahrzehnte lang der ehemalige SS-Hauptsturmführer Erich Priebke aufhielt. Dieser wurde im darauffolgenden Jahr nach Italien ausgeliefert, wo er eine lebenslange Freiheitsstrafe bekam. Neben Priebke sollen sich zeitweise auch der Auschwitz Arzt Josef Mengele und der ehemalige SS-Offizier Josef Schwammberger dort aufgehalten haben.

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