03:34 24 September 2017
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    Burka in Deutschland? - FDP-Politiker: „Nicht alles über ein Verbot regeln“

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    Nicht bloß gegen ein Burka-Verbot - selbst gegen die Art der Diskussion zu diesem Thema spricht sich der FDP-Politiker Wolfgang Jockusch aus. „Wir brauchen andere Konzepte, als alles über ein Verbot zu regeln“, meint FDP-Politiker Wolfgang Jockusch.

    Damit nahm er Stellung zur jüngsten Umfrage, laut der 81 Prozent der Bundesbürger für ein Verbot dieses Kleidungsstücks in Deutschland wären., „Zuerst frage ich mich, wie viele sich von den 81 Prozent schon mit einer Burka-Trägerin unterhalten haben?“ äußerte er in einem Gespräch mit Sputnik-Korrespondentin Anne-Kathrlin Glück. „ Hier reden sehr viele Männer darüber, was muslimische Frauen anziehen sollten und was nicht. Und das stört mich an der Debatte.“

    Der FDP-Integrationsbeauftragte stellt fest:: „Ein Land wie Deutschland hätte das alles meistern können, aber es fehlten schlichtweg Konzepte.“ 

    Ob das Flüchtlingsthema auch im Wahlkampf der FDP in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern eine zentrale Rolle spielt?   Nach Jockuschs Ansicht sind  in Berlin Themen wie gutes Wohnen, gute Schuldbildung und innere Sicherheit entscheidend. Die Flüchtlingskrise habe nur die Sollbruchstellen aufgezeigt, die in Berlin ohnehin schon da waren. 

    Seinen Standpunkt zu der Frage, wie Flüchtlinge langfristig in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden könnten, erläutert der Integrationsbeauftragte wie folgt: „Bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen müssen wir flexibler werden. Unternehmen müssen dabei unterstützt werden, Flüchtlingen Praktikumsplätze anzubieten. Zertifikate müssen außerdem nachgeholt werden können. Der Staat versucht in dem Zusammenhang die ganze Bürde auf das Ehrenamt abzuwälzen. Dabei sollte mehr auf Professionalisierung und Qualifikationssteigerung bei Sprachkursen gesetzt werden. Sprache ist ein entscheidender Integrationsfaktor.“

    Er sieht auch durchaus positive Momente in dem von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles initiierten 100.000-Stellen-Programm („Ein-Euro-Job“).  „Die Flüchtlinge wollen sich irgendwie einbringen und haben dafür keinen geeigneten Rahmen. Deswegen sehe ich in diesen Ein-Euro-Jobs eine durchaus integrative Kraft. Diese Maßnahme muss nun in einen größeren Kontext eingebettet sein.“ Jockusch teilt nicht die Kritik der  Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer, die in den 100.000 geplanten Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge eine „reine Beschäftigungstherapie“ sieht. Darauf angesprochen, entgegnet der FDP-Politiker, dass er den negativen Begriff einer Beschäftigungstherapie nicht ganz nachvollziehen kann, denn der Mangel an Beschäftigung gerade das sei, was den Flüchtlingen zu schaffen macht. 

    Welche Chancen rechnet sich die FDP für die anstehenden Landtagswahlen in Berlin aus?  Da ist Juckusch durchaus optimistisch eingestellt: „Ich bin sehr guter Dinge, dass die FDP den Einstig ins Abgeordnetenhaus schaffen wird. Die Umfragen sehen uns derzeit bei gut 5 Prozent. Wir bekommen relativ viel Zuspruch für unsere Kampagne.“ 

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    Tags:
    Arbeitsmarkt, Flüchtling, Burka, Verbot, Flüchtlingskrise, Integration, FDP, Deutschland