23:37 09 April 2020
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    Die Insulin-Preise sind in der US-amerikanischen Pharmaindustrie in die Höhe geschnellt. Viele Diabetiker können sich demnach ihr lebensrettendes Medikament nicht mehr leisten und bezahlen letztlich mit ihrem Leben, wie Business Insider (BI) berichtet.

    Nach einer im April veröffentlichten Studie des „Journal of the American Medical Association“ sind die Kosten für Insulin zwischen 2002 und 2013 um 200 Prozent gestiegen – jährlich von 231 US-Dollar auf 736 Dollar pro Patient.

    „Was das Insulin-Thema so bestürzend macht, ist, dass es insbesondere diejenigen Patienten betrifft, die höchstwahrscheinlich Schwierigkeiten beim Kauf der Medikamente haben“, heißt es bei BI. Aufgrund der hohen Kosten würden manche Patienten ihre Insulindosen auslassen oder auf mehrere aufteilen, obwohl die genaue Einhaltung der Arzneimengen bei der Krankheit besonders wichtig ist. Deren Missachtung kann Blindheit oder sogar Amputation von Extremitäten nötig machen.

    William Herman, einer der Autoren der Studie und Professor für Medizin und Epidemiologie an der University of Michigan in den USA, sagte nach der Veröffentlichung gegenüber dem Gesundheits-Online-Portal Stat: „Es gibt Menschen mit Typ-1-Diabetes, die ohne Insulin sterben werden. Während es bei Insulinprodukten zunehmend Vorteile gibt, steigen im Gegenzug die Preise. Es gibt Leute, die sich diese nicht leisten können. Das ist ein echtes Problem.“

    Die Pharmaunternehmen hätten derweil meist Ausreden parat, wenn Journalisten sie auf die Preisanstiege ansprechen. Die Medikamente seien von der Versicherung gedeckt, weswegen die Patienten den Preisunterschied nicht merken würden. Manche Patienten hingegen würden plötzlich mehr für ihr lebensrettendes Medikament als für ihre Hypothek bezahlen.

    „Ich sehe täglich Patienten im Krankhaus, die ihre erforderten Mengen an Insulin nicht bekommen können. Manche sind auf der Intensivstation mit einer diabetischen Ketoazidose, einem lebensbedrohlichen Gesundheitszustand. Der Insulinmangel  bringt die Patienten in kritische Situationen, wo sie besonders krank werden, ins Koma fallen und sofort sterben können“, so Claresa Levetan vom Chestnut Hill Hospital.

    Es gebe mehrere Gründe für den rasanten Preisanstieg von Insulin in den letzten Jahren, denen allen Störungen innerhalb der Pharmaindustrie zugrunde liegen, so BI. Die drei größten Medikamentenhersteller der USA – Sanofi, Eli Lilly und Novo Nordisk – haben die Preise gleichzeitig angehoben. Wie die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg zuvor berichtete, ist dieser „Folge dem Führer“-Ansatz und die sogenannten Schatten-Preise in der Pharmaindustrie stark vertreten. Gleichzeitig gibt es bislang kein generisches Insulin am US-amerikanischen Markt: Auch weil die Markenhersteller Wege gefunden haben, ihre Patente durch kleine Verbesserungen am Produkt zu verlängern.

    „Wir beginnen erst zu erkennen, wie viele menschliche Opfer das System hinterlässt“, heißt es bei BI.

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    Tags:
    Business Insider (BI), USA