14:06 19 Juni 2019
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    Ehemaliger Insasse ukrainischer SBU-Gefängnisse – „Keine Zeit zum Blutabwaschen“

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    Über brutale Misshandlungen seitens der Strafverfolgungsbehörden und schwere Haltungsbedingungen in ukrainischen Geheimgefängnissen hat ein Mann in einem Interview für die ukrainischen Ausgabe von „Westi“ berichtet. Gegen die Gefangenen wurde keine offizielle Anklage erhoben, betonten die Menschenrechtler.

    Laut der Ausgabe wurde der aus der Stadt Ukrajinsk stammende Nikolaj Wakarjuk im Dezember 2014 weggebracht. Nikolaj war ursprünglich Bergarbeiter gewesen,  aber musste wegen eines Traumas später als Kabelwerker arbeiten. Nach seiner Auffassung wurde er wegen seiner Freundschaft mit Wiktor Aschihin verhaftet, der der Teilnahme an dem Referendum über die Unabhängigkeit von Donezk im Mai 2014 verdächtigt wurde. Kiew hatte das Referendum nicht anerkannt.

    „Leute in Sturmmasken, ohne Erkennungszeichen, keine Ausweise, ohne Haftbefehl haben mich mit folgenden Worten aus meiner Wohnung geholt: ‚Du weißt selbst, wofür‘, drückten meinen Kopf in den Schnee, stülpten mir eine Plastiktüte über den Kopf und brachten mich nach Krasnoarmeisk [heute Pokrowsk – Anm.d.Red.]. Einen Tag lang wurde ich da festgehalten, in einer örtlichen [Abteilung – Anm.d.Red.] des SBU und gefoltert“, so Wakarjuk.

    2014 habe sich als das schrecklichste Jahr erwiesen, in den Korridoren habe man keine Zeit zum Abwaschen des Blutes gehabt, so der ehemalige Gefangene.

    An Medikamenten habe es nur Metamizol gegeben. Später sei er aus Pokrowsk in ein SBU-Gebäude in Kramatorsk überführt worden. „Dort wurde ich fünf Tage lang in einer Zelle gehalten, in der sogar das Wasser in den Gläsern gefror und der Wind durch die Zelle wehte.“

    Ihm sei ständig vorgeschlagen worden, seine „Schuld“ zu gestehen. Man habe ihm versprochen, ihn im Gegenzug auszutauschen und nicht mehr zu foltern.
    Im März 2015 sei er in ein Krankenhaus in Charkiw gebracht worden, wo ihm unter einem falschen Namen eine Niere entfernt worden sei.

    „Einen Monat hat die Behandlung gedauert. In der Zeit war ich mit einer Handschelle an das Bett gefesselt, daneben saß ein SBU-Wachmann“, so Wakarjuk.

    „Sie befahlen mir, mich auszuziehen, schlugen mir mit einem eisernen Stock auf  die Fersen und fragten, ob ich an dem Referendum teilgenommen hatte“, sagte Aschihin in einem Interview für das Handelsblatt. Seine Geschichte ist der von seinem Kameraden ähnlich. Er wurde dreimal von einem Gefängnis in ein anderes gebracht, um seine Festnahme vor unabhängigen Beobachtern zu vertuschen.

    Am Tag der Freilassung haben die Gefangenen einen Zettel unterschreiben müssen, dass sie keine Beschwerden haben, und vor Kameras sagen, dass sie die Ukraine lieben. Danach bekamen sie etwa 20 Hrywnjas (weniger als ein Euro – Anm.d.Red.) und wurden freigelassen.

    Zwei russische Bürger befinden sich bislang in einem Geheimgefängnis des ukrainischen Sicherheitsdienstes, wie internationale Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International am Montag informierten.

    Zuvor sollen 13 Menschen aus diesen Gefängnissen freigelassen worden sein.

    Im Juni 2016 hatte der Assistent für Menschenrechte des UN-Generalsekretärs, Ivan Šimonović, mitgeteilt, der SBU organisiere systematisch Razzien und wende Folter gegen Personen an, die als Sympathisanten der Kämpfer im Donbass gelten.

    Einen entsprechenden Bericht über die Lage in der Ukraine hatte die Uno im Juni dieses Jahres vorgestellt. Das Dokument berichtet von Hunderten Fällen rechtswidriger Festnahmen, Folter und unmenschlicher Behandlung in Kiew sowie im Donbass. Außerdem seien die Menschenrechtler sehr darüber besorgt, dass es in der Ukraine weitere fünf Geheimgefängnisse unter der Kontrolle Kiews gebe.

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    Donezk, Ukraine