00:25 10 Dezember 2018
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    Oppositioneller ukrainischer TV-Sender Inter nach dem Brand

    Ukraine: Wieder Menschen im Feuer - „Brennt in der Hölle, Schweinehunde!“

    © Sputnik / Stringer
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    Der Reporter Oleh Reschetnjak, dem es bei dem Brandanschlag auf den ukrainischen Sender „Inter“ vom Sonntag gelungen war, sich zusammen mit anderen Mitarbeitern aus dem brennenden Gebäude zu retten, hat über seine Erlebnisse in einem Interview mit Sputnik gesprochen.

    Wie Reschetnjak sagte, hatte er sich zunächst im dritten Stockwerk befunden, als er von dem Anschlag erfuhr. Er habe versucht nach unten zu gelangen, aber das Feuer im Erdgeschoss habe immer stärker gewütet.

    „Da brannte alles, Menschen schrien, manche weinten. Und ich hörte unsere Mitarbeiter schreien ‚Lassen Sie uns, lassen uns raus, hier gibt es keine Luft mehr!‘  Und da begriff ich, dass die Menschen nicht auf die Straße gelassen wurden, die Türen waren verschlossen“, kommentierte der Journalist.

    Unten war eine Falle. Die Journalisten versuchten nach oben zu fliehen und sich auf dem Dach in Sicherheit zu bringen.

    „Ich sage es aufrichtig, ich war nicht so sehr erschrocken, ich hatte mehr Angst um die Menschen. Ich verstand, dass unter uns Frauen waren, die selbst nichts unternehmen konnten. Bei ihnen kam blitzschnell Panik auf“, betonte Reschetnjak.

    Manche Menschen auf der Straße sollen aggressiv gestimmt gewesen sein. Sie riefen den Mitarbeitern von „Inter“ zu: „Brennt in der Hölle, Schweinehunde!“  Andere jedoch erwiderten: „Ihr, Spinner, es sind doch Menschen drinnen!“

    Maskierte Verbrecher hatten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew das Büro des TV-Senders „Inter“ in Brand gesetzt. Die Polizei hat sechs mutmaßliche Täter festgenommen. Bei dem Brand wurde niemand verletzt, wie das Nachrichtenportal liga.net meldet.

    Im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf das „Inter“- Gebäude und der Blockade der Ausgänge kommt die Tragödie in Odessa im Mai 2014 in Erinnerung. Damals war es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten der Anti-Maidan-Bewegung und Schlägern der regierungsnahen Nationalisten-Miliz „Rechter Sektor" gekommen.

    Die Rechtsextremen steckten ein Zeltlager in Brand, in dem Unterschriften für ein Referendum über die Zukunft des Gebietes Odessa gesammelt wurden.

    Mehrere Anti-Maidan-Aktivisten suchten im benachbarten Gewerkschaftshaus Zuflucht. Die Nationalisten blockierten das Gebäude und bewarfen es mit Brandflaschen. Bei dem Feuer und dem von den Rechtsextremisten angestifteten Massaker wurden nach amtlichen Angaben 48 Menschen getötet und weitere 250 verletzt.

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    Odessa, Ukraine