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08:49 19 September 2019
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    Eklat um Interview: Deutsche Welle vs. türkischer Minister

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    Ein von der Deutschen Welle (DW) geführtes Interview mit dem türkischen Minister für Jugend und Sport, Akis Cagatay Kilic, hat zu einem Schlagabtausch zwischen dem deutschen Sender und dem Ministerium in Ankara geführt, berichten deutsche Medien. Laut DW wurde das Interview beschlagnahmt. Der türkische Minister dementiert diese Vorwürfe.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan
    © REUTERS / Murat Cetinmuhurdar/Presidential Palace
    Der türkische Sportminister Akis Cagatay Kilic bestritt die Beschlagnahmung per Twitter. Solche Berichte entsprächen nicht der Wahrheit, so der Politiker. Laut ihm wurde nur gefordert, das Interview nicht zu senden. Diesem Wunsch müsse die Deutsche Welle nachkommen.

    Zuvor hatte der deutsche TV-Sender, der am Montagabend ein Interview mit dem türkischen Sportminister in Ankara aufgezeichnet hatte, mitgeteilt, Mitarbeiter des türkischen Ministeriums für Jugend und Sport hätten das Video beschlagnahmt. Dabei wurde laut DW dem Team des Senders klar gesagt, dass sie das Ministerium nicht mit dem Material hätten verlassen dürfen.

    Dabei handelte es sich um ein Interview für die DW-Sendung „Conflict Zone" mit Michel Friedman. Die Themen, die im Interview besprochen wurden, wurden laut Friedman dem Ministerium vorab mitgeteilt. Seine Fragen betrafen den gescheiterten Putschversuch im Juli, Massenentlassungen und Verhaftungen, die Presselage in der Türkei sowie die Stellung der Frau in der türkischen Gesellschaft.

    Dabei sagte ein DW-Sprecher: „Eine Abnahme des Interviews stand vor und während der Aufzeichnung nie zur Debatte. Diese vermeintliche Verpflichtung ist eine freie Erfindung des türkischen Ministers für Jugend und Sport."

    Doch nachdem das Interview zu Ende war und der türkische Minister den Raum verlassen hatte, teilte der Pressesprecher des Ministers laut DW überraschend mit, dass der Sender das Interview nicht senden dürfe.

    DW-Intendant Peter Limbourg sprach von einem „neuen eklatanten Verstoß gegen die Pressefreiheit in der Türkei" und übte Kritik daran:

    „Was wir hier erleben, erfüllt den Tatbestand der Nötigung durch die türkische Führung."

    Er betonte dabei, es könne nicht sein, dass der Minister zuerst bereitwillig ein Interview gebe und dann die Ausstrahlung verhindern wolle, „weil ihm die Fragen nicht gepasst haben".

    Die Deutsche Welle hat bereits die Deutsche Botschaft in Kenntnis gesetzt.

     

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    Tags:
    Pressefreiheit, Beschlagnahme, Interview, Deutsche Welle (DW), Türkei, Deutschland