22:29 24 Juni 2019
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    Kernkraftwerk Fukushima (Archivbild)

    Tepco-Berater: Fukushima-Wasser gehört in den Pazifik

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    Ein unabhängiger Tepco-Berater will das Wasser des 2011 havarierten japanischen Kernkraftwerks Fukushima in den Pazifik ableiten lassen, berichtet Bloomberg.

    „Es ist wesentlich besser, das Wasser unter Kontrolle ableiten zu lassen, als wenn es zu einer unkontrollierten Ableitung kommt“, sagte Dale Klein, Tepco-Berater und ehemaliger Vorsitzender der Nuclear Regulatory Commission (NRC), in Tokio. „Ich werde nur wegen der Aufbewahrung dieses ganzen Wassers nervös, wenn es um Tausende Container geht. Sie haben all die Rohre und Klappen, alles was kaputt gehen kann“, so Klein weiter.

    Mehr als fünf Jahre nach der Katastrophe bemüht sich die Tokyo Electronic Powering Company (Tepco) mit Sitz in Tokio weiterhin darum, das strahlungsverseuchte Wasser, das die Anlage überschwemmt, zu konversieren.

    Tagtäglich dringen 300 Tonnen Wasser – zum Teil von den naheliegenden Bergen – in das Kernkraftwerk Fukushima ein und mischen sich dort mit geschmolzenem Brennstoff, heißt es auf der Internet-Seite von Tepco. Auch die einst von den Betreibern errichtete Eiswand kann das Einströmen des Wassers nicht verhindern.

    Tepcos Ingenieure pumpen das verschmutzte Wasser ab und reinigen es mithilfe eines speziellen Systems namens „Advanced Liquid Processing System“ (ALPS), um es weniger radioaktiv zu machen. Das gereinigte Wasser, das jedoch weiterhin Tritium, ein Nebenprodukt der Kernspaltung, enthält, wird dann in etwa 1.000 Containern gelagert.

    Die Zukunft dieses Wassers bereitet Tepco Kopfschmerzen. Anfang 2014 hatte US-Berater Klein, der Tepco seit 2012 bei der Katastropheneindämmung berät, den Fortschritt des Unternehmens bei der Lösung der Wassersituation kritisiert und gesagt, dass diese Aufgabe Tepco von anderen mit der Reinigung verbundenen wichtigen Aufgaben ablenke.

    Tepco will mit der Regierung, örtlichen Behörden und Fischern in Bezug auf die Zukunft des tritiumreichen Wassers kooperieren, so Bloomberg unter Berufung auf den Sprecher des Unternehmens, Tatsuhiro Yamagishi. Die Wirkung von Tritium ist noch nicht vollständig erforscht. Laut einer Studie von 2008 beeinflusst Tritium die DNS negativ und ist insbesondere für schwangere Frauen gefährlich.

    Klein sieht in dem gereinigten Wasser jedoch keine Gefahr für Mensch und Tier. Es sei zudem durchaus üblich, dass Reaktorbetreiber Abwasser dieser Art in geringen Mengen in die Natur ableiten. In Fukushima geht es jedoch um mehr als 668.352 Tonnen von diesem Wasser. Weitere 188.462 Tonnen müssen erst noch gereinigt werden.

    „Ich hoffe, die Regierung wird mir helfen, diese Entscheidung umzusetzen“, so Klein. Die Ableitung des Wassers „ist nicht eine Frage der Sicherheit, sondern eine emotionale Frage“. „Viele Menschen werden nicht erfahren, was Tritium ist, sie werden nur begreifen, dass das Wasser in der Dunkelheit leuchtet“, so Klein.

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    Tags:
    Radioaktivität, Wasser, Reaktor, Dale Klein, Pazifik, Fukushima