00:03 21 November 2017
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    Ermittlungen zu MH17-Absturz

    MH17-Enthüller enthüllt: Blogger kommen Bellingcat auf die Schlichte

    © AFP 2017/ Nicolas Asfouri
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    Das Recherchenetzwerk Bellingcat hat die Welt mit einer weiteren „Sensation“ zum Absturz der malaysischen Boeing MH-17 überrascht. Die Bellingcat-Blogger geben sich überzeugt, Russlands Schuld an der Katastrophe bewiesen zu haben. Russische Experten halten mit einem eigenen Bericht jedoch dagegen.

    „AntiBellingcat: Fälschungen offener Quellen zu MH-17 – zwei Jahre danach“ heißt der Bericht russischer Experten. Seine Autoren sind Jurij Kotjonok, Chefredakteur des Nachrichtenportals „segodnia.ru“, mit seinem Team und Michail Malyschewskij, Chefkonstrukteur des russischen Rüstungskonzerns Almaz-Antey. Die Beiden sprachen in einem Interview mit der Tageszeitung „Komsomolskaja prawda“ über die angeblichen Enthüllungen von Bellingcat.

    Der Bellingcat-Bericht zum Absturz der Boeing 777 über Donezk am 17. Juli 2014 ist am 15. Juli dieses Jahres erschienen. Der Report enthält viel Text – Meldungen, Berichte, Interpretationen – zahlreiches Video- und Fotomaterial, das laut den Berichtsautoren Russlands Schuld an der Katastrophe belegt.

    „Es gibt dort direkte Vorwürfe gegen Russland. Und wir zählen zu den Menschen, die damit nicht einverstanden sind und dies nicht unbeachtet lassen konnten“, sagt Jurij Kotjonok. „Zuerst wollen wir klarstellen, was Bellingcat eigentlich ist“, so der Journalist.

    „Bellingcat“ sei ein angeblich unabhängiges Recherche-Netzwerk, das von dem Briten Higgins, einem Betriebswirt, gegründet worden sei. Das Netzwerk umfasst laut Higgins rund 20 Autoren, die alle praktisch unentgeltlich arbeiten, jedoch ein weltumspannendes Netz von Informanten hätten, klärt Kotjonok auf. Sie hätten zwei Jahre lang akribisch Informationen über den Abschuss der Boeing gesammelt und seien zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass Russland daran schuld sei.

    „Doch haben wir festgestellt, dass ihre angeblichen Beweise an den Haaren herbeigezogen sind“, sagt Kotjonok entschieden. „Alle ihre Quellen sind äußerst dubios“, betont er. Auch die Qualität ihres Materials lasse zu wünschen übrig: Die Auflösung der Bilder, die Auswahl der Fotos und Videos.

    Einer der angeblichen Beweise von Bellingcat ist ein Kondensstreifen, den die abgefeuerte Rakete hinterlassen haben soll. Dazu sagt Kotjonok: „Dieses Bild lässt viele Fragen offen. Auf dem Foto ist wunderschönes Wetter, klarer blauer Himmel. Doch alle Wetterdaten zu der Region besagen, dass es zu dem Zeitpunkt dort keine Spur von klarem Himmel gab. Es war bewölkt und diesig, weswegen eventuelle Abschussspuren und Kondensstreifen nicht zu beobachten waren“, erklärt der Journalist. „Es gibt also eine zeitliche Divergenz. Bellingcat stellt Fotos vor, von denen man nicht sagen kann, dass sie zu dem Zeitpunkt gemacht wurden, und von den Freiwilligen, auf die sich das Netzwerk beruft. Zumal diese Freiwilligen auf unerklärliche Weise verschwanden“, erklärt der Beobachter.

    „Das Wetter war sehr schlecht. Selbst die internationale Untersuchungskommission hält in ihrem Bericht fest, dass die Boeing-Crew eine Schlechtwetterzone umfliegen wollte und deshalb die international übliche Flugroute verließ, auf der die Passagiermaschine hätte fliegen müssen“, erklärt Michail Malyschewskij vom Rüstungskonzern. „Im Bellingcat-Bericht heißt es, die Abweichung von der internationalen Route sei vom russischen Verteidigungsministerium erfunden worden. Doch die internationale Untersuchungskommission beruft sich auf den aufgezeichneten Funkverkehr zwischen den Piloten und der ukrainischen Flugsicherung. Demnach haben die Boeing-Piloten die ukrainischen Lotsen um Erlaubnis gebeten, wegen schlechter Wetterbedingungen von der Route abzuweichen. Ein ganz normaler Vorgang – der belegt, dass das Wetter in der Region nicht so gut war, wie auf den Fotos von Bellingcat“ unterstreicht der Chefkonstrukteur.

    „Was die angeblichen Kondensstreifen angeht, kann man Folgendes konstatieren: Ähnliche Streifen entstehen auch, wenn Raketen vom Typ „Totschka“ oder „Smertsch“ abgefeuert werden“, erklärt der Rüstungsexperte.

    "Sie (Bellingcat) versuchen, Beweise für ihre vorgefasste Version zu finden. Daraus ergeben sich krasse Widersprüche“, sagt Kotjonok weiter und führt ein Beispiel an:

    „Blogger Belenki stellt am 17. Juli ein Video ins Netz, auf dem ein Buk-System an einer Tankstelle in Makejewka vorbeifährt. Das Video zeigt eine gute Straße, guten Asphalt. Aber es gibt Videoaufnahmen der Journalisten von Hot News. Diese hatten diese Tankstelle zwei Tage davor — am 15. Juli — zufällig gefilmt. Auf deren Video sind an der Tankstelle deutlich Spuren von Kettentechnik erkennbar. Ist es denn für einen gesunden Menschenverstand möglich, dass diese Straße am 16. Juli neuasphaltiert wurde, und das mitten im Krieg? Nein. Das bedeutet, dass Bellingcat zu unfairen Methoden greift.“

    Ortschaft Makejewka
    Ortschaft Makejewka

    Malyschewskij pflichtet bei: Bellingcat passe Fakten an die eigene Version an. „Schon behaupten die niederländischen Ermittler – von Bellingcat angestiftet, dass die Rakete dem Flugzeug entgegengeflogen sei. Doch alle unseren Daten widerlegen das: sowohl mathematische Berechnungen als auch die Ergebnisse der Experimente.“ Wäre die Rakete in Gegenrichtung geflogen, wären die rechten Seitenscheiben eingeschlagen. Doch die blieben unversehrt.

    Wrackteile der in der Ukraine abgestürzten Passagiermaschine MH17
    © Sputnik/ Maxim Blinov
    Wrackteile der in der Ukraine abgestürzten Passagiermaschine MH17

    Laut Malyschewskij manipulierte Bellingcat sogar Angaben, die Almaz-Antey den internationalen Ermittlern zur Verfügung gestellt hatte.

    „Sie nehmen eine Grafik oder ein Bild von uns, auf denen Sneschnoje eingezeichnet ist, und schreiben: Almaz-Antey habe den Abschussort der Rakete ermittelt. Doch in der Tat bewiesen wir mit dieser Grafik das Gegenteil, nämlich, dass die Rakete unmöglich von Sneschnoje hätte abgefeuert sein können.“

    Malyschewskij zweifelt nicht daran, dass die Welt noch mehr Fälschungen erblicken werde. „Sie sind bereit, jede beliebige Version zu fabrizieren. Hauptsache, dass dadurch Russland belastet wird. Das ist er eben: Der Informationskrieg.“

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    MH17-Absturz, AntiBellingcat, Bellingcat, Russland, Ukraine
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