05:36 21 November 2017
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    Rechtslage war unklar: Trotzdem unternahm Bundeswehr ersten Cyberangriff - Medien

    © Foto: Bundeswehr / Bienert
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    2015 haben Bundeswehr-Hacker das Netz eines afghanischen Mobilfunkbetreibers geknackt, um wichtige Informationen über eine entführte Deutsche zu beschaffen, berichtet Der Spiegel unter Berufung auf eigene Quellen. Der Vorfall sei aber höchst umstritten, da „die Rechtslage unklar war“.

    Die Bundeswehr habe im vergangenen Jahr ihre Cyber-Einheit offensiv eingesetzt, geht aus dem Artikel hervor. Damals seien die internen Netze eines afghanischen Mobilfunkbetreibers gehackt worden, um Informationen über die Entführung einer deutschen Entwicklungshelferin in Afghanistan zu erhalten. Bis zum heutigen Tag habe die Bundeswehr dies aber nicht bestätigt.

    Der Eingriff soll auf Bitte des Krisenstabs erfolgt sein, der „an einem komplizierten Geiselfall in Afghanistan arbeitete“. Nachdem ein Kontakt zu den Entführern aufgebaut worden sei, wurde die Freilassung der Deutschen gegen Lösegeld vereinbart. Dennoch habe im Krisenstab Unsicherheit geherrscht, ob den Entführern zu trauen sei. „Für den Notfall hatte die Bundeswehr bereits das Kommando Spezialkräfte (KSK) nach Kabul verlegt“, so Der Spiegel weiter.

    „Wären die Verhandlungen gescheitert, sollte das KSK die deutsche Entwicklungshelferin gewaltsam aus den Händen der Entführer befreien. Solche Missionen gelten grundsätzlich als hochgradig riskant.“

    Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen in der irakischen Stadt Erbil
    © AFP 2017/ Michael Kappeler / POOL
    Die Cybereinheit der Bundeswehr sollte wiederum über die von den Entführern benutzten Handys maximal genau feststellen, ob „diese sich noch wie von ihnen behauptet mit der Geisel in Kabul aufhielten und sich zum verabredeten Zeitpunkt“ zum Übergabeort in der afghanischen Hauptstadt bewegten.

    Um diese Aufgabe zu lösen, hackten die deutschen Cyber-Soldaten laut dem Artikel das System eines afghanischen Mobilfunkbetreibers und erhielten Zugriff auf die Geo-Positionsdaten der Entführer-Telefone. „Mehr oder weniger live verfolgten sie so die Bewegungen der Kidnapper nach“, heißt es im Artikel.

    Bislang habe die Regierung die erste „Cybermission der Bundeswehr“ geheim gehalten. Laut dem Spiegel „war im Krisenstab lange über den Einsatz der Experten diskutiert worden, da die Rechtslage unklar war“.

    Laut Experten kann „die erste Hacker-Mission der Bundeswehr“ nicht als Cyberangriff gewertet werden, weil damals kein Schaden im System des Mobilfunkbetreibers angerichtet worden war. „Experten sprechen deswegen eher von einer ‚offensiven Penetration‘“, so der Artikel.

    Wenn man aber den allgemein üblichen Definitionen des Begriffs „Cyberattacke“ glaubt, hat es sich 2015 sehr wohl um solch einen Akt der Bundeswehr gehandelt.

    „Eine Cyberattacke oder ein Cyberangriff ist der gezielte Angriff auf größere, für eine spezifische Infrastruktur wichtige Computernetzwerke von außen.“ – Wikipedia.

    „Von außen (durch einen einzelnen Hacker, durch eine Institution o. Ä.) zum Zweck der Sabotage oder der Informationsgewinnung geführter Angriff auf ein Computernetzwerk.“ – Duden.

    Dem Spiegel zufolge darf dieser Fall die Diskussion um Cyberattacken der Bundeswehr nun erneut beleben. Grund genug dafür gibt es anscheinend.

     

     

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    Tags:
    Cyber-Attacke, Hacker, Bundeswehr, Afghanistan, Deutschland
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