22:14 09 Dezember 2019
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    Eine Oktoberfest-Einsatzgruppe der Polizei auf Pferden in München

    Brandenburgs GDP-Chef: „Polizisten wachsen nicht draußen auf Bäumen“

    © AP Photo / Matthias Schrader
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    Die Polizei hat Probleme, geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Die Gründe dafür sind geringe Vergütung, Schichtdienste und die zunehmende Gewalt gegen Polizisten. Sputnik hat mit Brandenburgs Polizeigewerkschaftschef Andreas Schuster gesprochen.

    Die innere Sicherheit ist nach den Terroranschlägen in Ansbach und Würzburg, sowie dem Amoklauf in München und der Kölner Silvesternacht, ein großes Thema in der Bevölkerung. Das haben auch die Parteien bemerkt — allen voran die AfD und die CDU. Vor den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern posaunten Politiker von Podien und Plakaten: Wählt uns, wir stellen mehr Polizisten ein. Klingt super und sicher. Nur wie realistisch ist das eigentlich?

    Das Beispiel Brandenburg zeigt, dass die Wirklichkeit nicht so rosig aussieht wie ein Wahlplakat. In diesem Jahr haben sich zwar rund 6.500 junge Menschen für die 350 freien Plätze an der Polizeischule in Oranienburg beworben. Das klingt erst einmal viel. Aber laut der Gewerkschaft der Polizei gibt es zu wenig geeignete Bewerber. „Es ist nicht einfach. Es gibt einen Wettlauf zwischen der freien Wirtschaft und dem Öffentlichen Dienst um die besten Kräfte“, sagt Andreas Schuster, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft in Brandenburg, gegenüber Sputnik.

    Bund und Bundesländer hätten sich in den letzten Jahren regelrecht „kaputt“ gespart. Jetzt auf einmal stelle man fest, man habe viel zu wenig Personal und versuche verzweifelt junge Menschen für den Polizeiberuf zu gewinnen. Das sei aber nicht so leicht, den der Beruf sei finanziell vergleichsweise unattraktiv: „Die freie Wirtschaft zahlt bedeutend mehr“, erklärt Schuster. Zum anderen reichten geeignete Kandidaten in mehreren Bundesländern Bewerbungen ein, um sich dann für das für sie attraktivste Bundesland zu entscheiden. „Und dazu gehöre Brandenburg leider nicht“, gibt der Gesetzeshüter zu. Die Besoldung sei im Ländervergleich die zweitschlechteste in Deutschland – nur die Bundeshauptstadt Berlin bezahle ihre Gesetzeshüter noch schlechter. Dazu komme: „Wer bei uns in Oranienburg auf die Polizeihochschule geht, muss im Schnitt 230 Euro im Monat für eine Wohnung bezahlen. Zum Vergleich: 25 Kilometer entfernt in Blumberg bei der Bundespolizei kostet die Unterbringung nichts“, rechnet Schuster vor.

    Außerdem seien die Aufstiegschancen bei der Polizei bundesweit schlechter als in anderen Berufen. „Es gibt lange Wartezeiten bei der Beförderung“, gesteht Schuster. Ein Polizist in Brandenburg verdiene nach seiner Ausbildung 1.700 Euro netto – mit allen Schichtzulagen. Gerade in den ersten Jahren nach dem Abschluss gingen die jungen Kollegen ausschließlich in den belastenden Schichtdienst. Für die vergleichsweise geringe Bezahlung trage ein Polizist aber eine enorm hohe Verantwortung — in Form seiner Waffe. Dazu komme, dass die Gewalt gegen Polizisten in jüngster Zeit enorm gestiegen sei. Alles in allem keine Bedingungen, die junge Menschen vor den Toren der Polizeihochschulen Deutschlands Schlange stehen ließen.

    „Polizei ist…“-Rap: Realität oder Imagepflege? 

    Eine Besserung sei nicht in Sicht. Die Gewerkschaft der Polizei und die Lehrergewerkschaft haben die letzten Tarifverhandlungen mit der Landesregierung abgebrochen, weil diese mit der Prämisse in die Gespräche gegangen sei: „Wir können alles machen, es darf nur kein Geld kosten“, zitiert der GDP-Vorsitzende nicht ohne Zynismus. Dann wird er sauer. Die brandenburgischen Innenminister hätten in den vergangenen Jahren über 2.000 Stellen gestrichen. „Jetzt sind wir noch 7.900. Und da kann man nicht zum Arbeitsamt gehen und sagen, wir brauchen mal 500 Polizisten, die gibt es nicht auf dem Arbeitsmarkt. Und die wachsen auch nicht auf Bäumen!“

    Von dem Vorschlag, angesichts des Nachwuchsmangels könne man ja die  Anstellungsvoraussetzungen an zukünftige Ordnungshüter senken, hält der Gewerkschaftschef gar nichts: „Unsere Kollegen müssen perfekt die deutsche Sprache sprechen, kerngesund und topfit sein, da gibt es keine Abstriche.“ Wer eine hochqualifizierte Polizei wolle, der dürfe die Einstellungsvoraussetzungen nicht nach unten korrigieren.

    Matthias Witte

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    Tags:
    Polizei, Andreas Schuster, Deutschland