17:00 22 November 2019
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    Ein Flüchtling in Berlin-Moabit (Archivfoto)

    Polizeigewerkschafter: Kein Polizist schießt gern

    © AFP 2019 / Tobias Schwarz
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    Hätte die Polizei anders reagieren können oder sogar müssen, als der Vater des missbrauchten Mädchens mit einem Messer auf den mutmaßlichen Täter losging? Während die Ermittlungen andauern und in den Medien immer mehr Kritik am Vorgehen der Polizei laut wird, stellt sich die Gewerkschaft der Polizei hinter ihre Beamten.

    Am Dienstagabend wurde in Berlin-Moabit ein Flüchtling von der Polizei erschossen. Der Mann hatte versucht, den mutmaßlichen Vergewaltiger seiner achtjährigen Tochter bei dessen Festnahme mit einem Messer anzugreifen. Gleich mehrere Polizisten gaben Schüsse ab. Ob das wirklich nötig war, ist jedoch unklar.

    Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Polizeigewerkschaft, nimmt die Beamten in Schutz.

    „Die Kollegen haben in Sekundenschnelle die Situation so bewertet und geschossen. Dadurch, dass mehrere Kollegen geschossen haben, kann man davon ausgehen, dass sie die Situation richtig bewertet haben. “

    Der Mann sei auf die Polizisten, die den mutmaßlichen Vergewaltiger seiner Tochter gerade in Gewahrsam nehmen wollten, drohend und mit einem Messer wild gestikulierend zugestürmt und habe keine Zweifel an seiner Absicht gelassen. Dem Festgenommenen soll er zugerufen haben, dieser würde das nicht überleben.

    „In so einer Situation wie am Dienstagabend, wo eine gewisse Dynamik drin ist, wo auch mittels Waffen eine akut lebensbedrohliche Situation geschaffen wird, ist die Schusswaffe letztlich das Mittel, weil die Kollegen einfach um ihr Leben und das Leben anderer Menschen fürchten müssen.“, so Jendro.

    Andere gängige Selbstverteidigungsmittel seien nicht infrage gekommen, da mit diesen der Gefahr nicht beizukommen gewesen wäre.

    „Mit einem Schlagstock werden Sie einem Messer immer unterlegen sein. Mit dem Schlagstock muss man außerdem in Nahdistanz zum Gegner und das kann lebensgefährlich sein. Unsere Polizisten sind sehr gut ausgebildet, aber auch wenn sie Meister in einer Kampfkunst sind, können sie gegen ein Messer nicht ankommen. Es ist nicht so wie im Film, dass man einen Angreifer in Sekundenschnelle entwaffnen kann.“

    Auch die vieldiskutierte Elektroschockwaffen, die in Berlin eingeführt werden sollen, wären in einer solchen Situation keine Alternative zur Schusswaffe gewesen.

    Dass die Polizisten schießen mussten, sei sehr bedauerlich. Kein Polizist schieße gern, da er sich immer bewusst sei, dass er jemanden verletzen oder töten könnte. Dass die Beamten im Fall des Flüchtlings tödliche Schüsse abgegeben haben, statt ihn bloß zu verletzen, sei der Situation geschuldet, erklärt Jendro im Interview mit Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer.

    „In einer so dynamischen Situation ist kein Kollege in der Lage, genau auf den Punkt zu treffen. Das ist das Risiko, was wir eingehen müssen, wenn wir von der Schusswaffe Gebrauch machen.“

    Der Schusswaffengebrauch werde auf jeden Fall genauestens untersucht. Es werde rekonstruiert, aus welcher Entfernung die Polizisten schossen, Zeugen werden gehört und auch die Verletzungen am Leichnam werden in Augenschein genommen. Außerdem sei die Mordkommission eingeschaltet worden.

    Das öffentliche Interesse und die Kritik verstehe er durchaus, so Benjamin Jendro, schließlich sei in der unmittelbaren Nachbarschaft ein Mensch getötet worden und das schaffe Unsicherheit. Man solle das aber auch nicht überbewerten, denn Schüsse der Polizei gegen den Menschen seien sehr selten und das Geschehen am Dienstagabend sei eine absolute Ausnahmesituation gewesen.

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    Vergewaltigung, Polizei, Flüchtlingskrise, Benjamin Jendro, Deutschland, Berlin