12:33 12 Dezember 2019
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    Elon Musk „ist uns den Beweis schuldig“ – Forscher zu Mars-Kolonisierungsprojekt

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    Vor kurzem hat Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk seinen Plan zur Kolonisierung des Mars vorgestellt, in dem wiederverwendbare Raketen benutzt werden sollen. Musk sieht die Menschheit schon in absehbarer Zukunft als „multiplanetare Spezies“. Wissenschaftlern zufolge sind diese Pläne aber aus technischer Sicht momentan nichts weiter als Träume.

    Was die Technologien an sich betrifft, die das Raumfahrtunternehmen SpaceX nutzt, gebe es eigentlich nichts Neues, wie Philip Kausche, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Fachgruppe für operationelle Träger am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, in einem Sputnik-Interview erläuterte.

    „Eigentlich ist an dieser Rakete nichts neu. Was natürlich neu ist, ist, was sie mit der Rakete machen. Da steckt natürlich keine neue Technologie in dem Sinne dahinter. Also da mussten sie (SpaceX – Anm. d. Red.) in dem Sinne nichts Neues entwickeln“, so Kausche.

    Interessant sei unter anderem, dass die Firma nichts verdiene. Da müsse man sagen, „dass sie bisher keinen einzigen Dollar verdient haben. Also bisher wurde sozusagen nur in das Unternehmen investiert. (…) Da ist noch nie ein Gewinn bei rumgekommen“, betonte der Wissenschaftler.

    Denn um wiederverwendbare Raketen „rentabel zu machen, müssen die Raketen einfach viel, viel häufiger starten. Aber es gibt einfach nicht genügend Nutzlast und genügend Bedarf, so viel zu starten, dass es halt um die Massenproduktion und günstiger werden kann“, fügte der Experte hinzu.

    Dabei verglich Kausche diese Situation mit dem Markt der Passagierflüge.

    „Wenn man sich den Flugzeugmarkt anguckt, die ganze Fliegerei ist halt deshalb so günstig geworden, weil es einfach viel benutzt wird. Die Masse macht´s dann halt“, sagte er. Raketen seien aber „was Einzigartiges“.

    „Wir haben ca. hundert orbitale Starts im Jahr. Und das reicht bei weitem nicht aus, um da von Massenproduktion zu reden. Und der Aufwand danach, diese Raketen wieder fit zu machen, für den Wiederflug, das haben wir beim Space Shuttle gesehen – bisher konnte noch niemand zeigen, dass sich so was rechnet“, betonte Kausche.

    Ihm zufolge gibt es auch unter den internationalen Raumfahrtagenturen, auch in Europa, das Verständnis, dass eine wiederverwendbare Raketentechnologie zurzeit unmöglich ist.

    „Unter den Agenturen ist man sich einig (…): mit dem momentanen Markt, so wie es jetzt aussieht, lohnt es sich momentan nicht, so etwas umzusetzen.“

    Laut dem Wissenschaftler sehen Musks Pläne eher unrealistisch aus.

    „Wenn er tatsächlich sehr, sehr häufig starten würde, mit sehr, sehr vielen Raketen, dann kann es sich durchaus lohnen. Aber ob das jemals passieren wird, also das steht wirklich sprichwörtlich in den Sternen. Das ist auch meine persönliche Einschätzung“, sagte er in diesem Zusammenhang.

    Dabei sei die Idee an sich, so der Wissenschaftler, „sehr faszinierend“.

    „Wir verfolgen es mit großem Interesse, aber er bohrt da wirklich ein sehr, sehr dickes Brett. Und ob er es irgendwann mal schafft, ich glaube nicht, dass wir noch diesen Pendelverkehr zu Lebzeiten erleben werden“, so Kausche.

    Einer ähnlichen Meinung ist auch Prof. Ulrich Walter von der Technischen Universität. Ihm zufolge besteht die Hauptfrage auch darin, ob die Idee einer wiederverwendbaren Rakete überhaupt profitabel ist.

    „Die Frage ist, ob es sich lohnt, die Unterstufe zurückzubringen. Da bin ich eben skeptisch. Sie müssen den Treibstoff ja, um die Unterstufe wieder auf die Erde zurückzubringen, schon mal nach oben in den Weltraum bringen, denn von dort oben beginnt ja der Abstieg. Wenn man sich das mal durchrechnet, das hat ja Elon Musk selbst gemacht — und er schreibt es auch in einem seiner Blogs — braucht man 30 Prozent mehr Treibstoff. Ich bin also skeptisch, ob sich das tatsächlich rechnet“, erläuterte Walter.

    Außerdem gebe es die Schwierigkeit, dass jede Rakete nach ihrem Flug nicht sofort wieder einsetzbar sei.

    „Wieder neu warten, auseinander nehmen, schauen, ob alles in Ordnung ist, und dann alles wieder zusammen bauen. Auch das kostet Zeit und Geld. Es gibt im Augenblick weltweit Zweifel daran, ob sich das lohnt. (…) Ich persönlich bezweifle das“, so der Professor.

    Der Aspekt der Wiederverwendung an sich sei zwar interessant, aber in diesem Fall nicht leicht umzusetzen.

    „Wiederverwendung ist im Augenblick bei uns ein großes Thema, aber man muss ein bisschen aufpassen. Recyceln von Autos oder Plastikflaschen macht Sinn, denn der Aufwand so etwas wieder einzutreiben (…) ist nicht so groß. Und dann lohnt sich das auch. Ich glaube es nicht“, erläuterte Walter.

    Aber bei Raketen sei das „komplett anders“, so der Experte weiter.

    „Da ist der Aufwand, das wieder zurückzubringen, gigantisch. Deswegen glaube ich nicht, dass es sich in Zukunft überhaupt jemals lohnen wird.“

    Walter zufolge sollte Musk beweisen, dass so etwas möglich sei.

    „Aber Elon Musk soll es zeigen. Er soll wirklich mal einen neuen Flug mit einer bereits gebrauchten Unterstufe machen. Das hat er aber bisher nie gemacht. Er hat sie schon mehrmals zurückgebracht, aber nie so eine zurückgebrachte Stufe geflogen. Also er ist uns den Beweis schuldig“, so Walter.

     

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    Tags:
    Wissenschaftler, Rakete, SpaceX, Elon Musk, Erde, Weltraum, Mars