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18:52 20 September 2019
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    Schwere Datenschutz-Mängel bei über 300 internetfähigen Alltagsgeräten entdeckt

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    Bei einem internationalen Test der OECD-Datenschutzvereinigung Global Privacy Network sind smarte Geräte größtenteils durchgefallen. Kristin Benedikt vom Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht fordert in einem Sputnik-Interview von den Herstellern Nachbesserungen.

    Die OECD-Datenschutzvereinigung Global Privacy Network (GPEN) hat 314 intelligente Alltagsgeräte auf Datenschutz geprüft. Bei allen Geräten gab es Grund zur Beanstandung. In Deutschland hat sich das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht mit 14 Geräten an dem Test beteiligt. Darunter fielen Klassiker wie beispielsweise Smart-TV-Geräte, Spielekonsolen und Smartphones, aber auch neue Anwendungsbereiche. Vor allem aus dem Bereich Gesundheit, weil hier besonders schützenswerte Daten anfallen. Es wurden also auch Fitness Tracker geprüft, Blutzuckermessgeräte und eine smarte Gabel, die die Essgeschwindigkeit bestimmt und so beim Abnehmen helfen soll.

    Kristin Benedikt, die Referatsleiterin für Internet und Telemedien im Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht, war federführend an dem Test beteiligt. Sie berichtet, dass sich diese intelligenten Geräte beim Test ziemlich schlecht geschlagen hätten:

    „Der Schwerpunkt unserer Prüfung lag dieses Jahr auf Transparenz gegenüber dem Nutzer. Wir haben also überprüft, wie umfangreich der Nutzer in den Datenschutzbestimmungen informiert wird und was er über die Datenverarbeitung über den Hersteller und Dritte erfährt. Dabei haben wir festgestellt, dass ca. sechs von zehn Datenschutzbestimmungen nicht hinreichend darüber aufklären wie die personenbezogenen Daten verarbeitet werden.“

    Der Nutzer erhalte meist nur pauschale Hinweise die überhaupt nicht gerätebezogen seien und mit denen er überhaupt nichts anfangen könne. Außerdem gab es keine Informationen darüber wie die Geräte durch den Nutzer so eingestellt werden könnten, dass beispielsweise Daten gelöscht werden können — und zwar durch den Nutzer und nicht erst durch den Hersteller. Gerade Datenlöschung sei aber ein wichtiges Thema, vor allem wenn man daran denke, dass gebrauchte Geräte wiederverkauft oder gestohlen werden könnten. Benedikt betont:

    „Insgesamt waren wir doch sehr enttäuscht über diese Testergebnisse. Datenschutzbestimmungen sind eigentlich ja schon lange ein Thema der Öffentlichkeit. Nicht nur wir Datenschützer befassen uns damit, sondern mittlerweile auch die Verbraucherzentralen, oder die Gerichte. Von daher waren wir doch ziemlich verwundert, dass die Prüfung so schlecht ausgefallen ist. Überraschend war für uns vor allem, dass deutsche Hersteller nicht punkten konnten. Hier hätten wir die wenigsten Mängel vermutet. Nach unserer Auffassung ist Transparenz gegenüber dem Nutzer mit ziemlich wenig Aufwand zu erreichen. Die Hersteller kennen ja ihre Verarbeitungsprozesse, so dass es keine Probleme geben sollte, die Nutzer klar und verständlich darüber zu informieren.“

    Das Ergebnis zeige aber, dass Aufklärung des Nutzers für viele Unternehmen immer noch eine lästige Pflicht sei. Das müsse sich zukünftig auf jeden Fall ändern. Unternehmer haben die Pflicht die Kunden aufzuklären. Für die Prüfer stehe fest, dass viele Verbraucher Wert auf Transparenz legen. Sie würden sich ganz bewusst Datenschutzbestimmungen anschauen und, so Benedikt, der Verbraucher entscheide sich auch bewusst für ein Datenschutzfreundliches Gerät. Datenschutz könne also auch ein Wettbewerbsvorteil sein und dessen sollten sich Unternehmen künftig bewusst werden. Die Datenschützer fordern nun Einsatz von den Herstellern, wie Kristin Benedikt erläutert:

    „Soweit wir zuständig sind und Mängel entdeckt haben, werden wir uns auf jeden Fall mit den Unternehmen in Verbindung setzen und klare Forderungen stellen. Ordentliche Datenschutzbestimmungen, das ist eine gesetzliche Pflicht und wer diese Pflicht nicht oder nur unzureichend erfüllt, dem drohen hohe Bußgelder durch die Aufsichtsbehörden.“


    Bolle Selke

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    Tags:
    Datenschutz, Global Privacy Network (GPEN), Kristin Benedikt