02:53 24 Januar 2020
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    Wir fahren normalerweise in den Urlaub, um angenehme Eindrücke zu sammeln. Doch was zieht Menschen an, die versuchen, in ein verseuchtes Sperrgebiet nahe des AKW Tschernobyl bzw. AKW Fukushima-1 zu gelangen? Korrespondenten von Sputnik Japan versuchten, eine Antwort auf diese Frage zu finden.

    Die Katastrophen in den Atomkraftwerken Tschernobyl und Fukushima waren die größten Havarien in der Geschichte der Atomenergie. Nur sie wurden mit der 7. Stufe nach der Internationalen Skala für nukleare und radiologische Ereignisse bewertet. Die Havarie im AKW Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986, die Havarie im AKW Fukushima-1 am 11. März 2011. Der radioaktive Auswurf in Tschernobyl belief sich auf 5.200.000 Terabecquerel, in Fukushima auf 370.000 Terabecquerel. Nach der Havarie in Tschernobyl bildete sich eine radioaktiv verseuchte Zone mit einem Radius von 500 Kilometern, in Fukushima – von 60 Kilometern. Diese Havarien hatten verschiedene Ursachen und Folgen, doch sie hinterließen düstere Landschaften. Auf einigen Fotos ist Fukushima von Tschernobyl kaum zu unterscheiden.

    Doch trotz der  erschreckenden Eindrücke und realer Gefahren wurde die Sperrzone des AKW Tschernobyl seit Mitte der 1990er Jahre eine Attraktion nicht nur für  Plünderer, sondern auch für Touristen. Die meisten von ihnen kommen legal über Reisefirmen. Erste Reisen wurden 1995 verkauft. 2002 erschien ein Bericht der UNO, laut dem man sich an den meisten Orten der Sperrzone ohne Schaden befinden kann. Seit dieser Zeit ist die Zahl der Touristen, die Tschernobyl besuchten, jedes Jahr um mehr als 1000 Menschen gestiegen. 2007 erschien das Computerspiel STALKER. Als Grundlage wurde ein reales Gebiet in Tschernobyl genommen. Damit sorgte die wachsende Popularität von Shooter-Spielen für einen Anstieg der Popularität der Reisen nach Tschernobyl.

    Die Tiere von Tschernobyl
    © REUTERS / Vasily Fedosenko
    Übrigens heißen auch Menschen, die illegal in die Zone von Tschernobyl kommen, "Stalker" (eine Art "Schatzgräber"). Seit diesen Jahren schufen sie eine Subkultur. "Stalker" haben eigene Webseiten und Foren, eigene Karten und Reisebücher, eigene Ausstattung und Tipps. Aktivisten geben sogar eine eigene Zeitung „Nachrichten eines Stalkers“ heraus. Diese Menschen haben keine Angst vor Strafen. Laut den ukrainischen Gesetzen kann ein illegales Gelangen in eine Sperrzone sogar zur strafrechtlichen Verfolgung führen. Legal kann man über einen Kontrollposten mit einem speziellen Ausweis und anderen Dokumenten sowie einer Begleitperson (alleine darf man sich nicht in der Sperrzone bewegen) gelangen.

    Allerdings gibt es in der Sperrzone Menschen, die sich dort nicht einfach illegal befinden, sondern die dort sogar wohnen. Diese Menschen kehrten nach der Beseitigung der Folgen der Havarie in ihre Häuser zurück. Einige wollten einfach das herrenlose Territorium besetzen.

    Inzwischen sind Führungen zum AKW Tschernobyl sehr populär. Das Forbes-Magazin bezeichnete 2009 das AKW Tschernobyl als exotischsten Tourismusort. Mehrere Reisefirmen bieten sowohl Gruppen- als auch individuelle Führungen mit einer Dauer von einem  bis 30 Tagen an. Unter den Kunden sind ganz verschiedene Menschen – Wissenschaftler, Journalisten, ehemalige Einwohner dieser Gegend und einfach Fans der postapokalyptischen Romantik. Nach Tschernobyl kommen Reisende aus Dutzenden Ländern, darunter Japan.

    Go2Chernobyl hieß, reisen von ihnen manchmal 3000 bis 4000 Kunden pro Woche nach Tschernobyl. Im vergangenen Jahr wurden Reisen für fast 20.000 Menschen organisiert. Unter ihren Gästen gibt es weniger Japaner und Einwohner ostasiatischer Länder als Staatsbürger der mit der Ukraine benachbarten Länder. Allerdings reiste vor kurzem eine Gruppe aus Japan an. Ihr Reiseführer Viktor sagte zu Sputnik, dass ihm insbesondere aufgefallen sei, dass sie eine Holzpuppe mit sich brachten und diese überall fotografierten. Zudem kam ein Mann aus Japan, der ähnliche Reisenin Fukushimaveranstalten will.

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    Tags:
    Fukushima, Tschernobyl, Ukraine